Das Testlogo in der Werbung

Werbung mit der Stiftung Warentest: Das sind die Richtlinien

Das Werben mit dem Stiftung-Warentest-Siegel ist nur mit Lizenz möglich.
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Das Werben mit dem Stiftung-Warentest-Siegel ist nur mit Lizenz möglich.

Bezüglich der Werbung mit der Stiftung Warentest gelten diverse Richtlinien. Jeder Anbieter muss eine Lizenz erwerben, erst dann darf er das Testlogo verwenden.

  • Die Stiftung Warentest prüft zahlreiche Produkte und vergibt entsprechende Qualitätsurteile, die die Hersteller zum Zwecke der Werbung für getestete Artikel nutzen dürfen.
  • Dabei gelten verschiedene Richtlinien, die die Anbieter erfüllen müssen, um einem Lizenzentzug zu entgehen.
  • Die Stiftung führt regelmäßig Nachtests durch und überprüft Zeitungen, Werbespots, Prospekte und mehr, um Verstöße aufzudecken und juristisch zu verfolgen.

Berlin - Die Stiftung Warentest prüft regelmäßig verschiedene Waren und Dienstleistungen auf Herz und Nieren. Die Ergebnisse sind anschließend für die Öffentlichkeit zugänglich. Damit hilft die Organisation den Verbrauchern dabei, ihre Kaufentscheidungen zu treffen. Die Stiftung Warentest arbeitet geheim und unabhängig. Sie schickt anonyme Tester los, um die Waren einzukaufen oder Dienstleistungen wie beim Finanztest in Anspruch zu nehmen. Deren Identität bleibt auch danach streng geheim. Kein Unternehmen erfährt im Vorfeld, dass ein Test bevorsteht. Damit verhindert die Stiftung, dass die Ergebnisse verfälscht werden.

Soll Saisonware getestet werden, die noch nicht im Handel erhältlich ist, muss die Stiftung Warentest allerdings Kontakt mit den Anbietern aufnehmen, um die Waren aus deren Lagern entnehmen zu dürfen. Sobald diese dann in den Läden stehen, werden sie allerdings erneut gekauft. Die Mitarbeiter vergleichen beide Exemplare miteinander und überprüfen, ob die Produkte in der gleichen Ausführung verkauft werden, wie sie ihnen vorab im Lager überreicht worden sind. Die Testergebnisse können bei Einhaltung der Richtlinien zum Zwecke der Werbung genutzt werden.

NameStiftung Warentest
GründerWestdeutschland
Gründung4. Dezember 1964, Berlin
CEOHubertus Primus (2. Jan. 2012–)
HauptsitzBerlin
RechtsformSelbständige rechtsfähige Stiftung
Geografische AbdeckungDeutschland

Stiftung Warentest: Diese Richtlinien gelten für das Werben mit dem Testsiegel

Rund 50 Prozent der seit dem Jahr 2010 getesteten Produkte erhalten regelmäßig die Noten gut oder sehr gut. Die entsprechenden Anbieter können damit werben und der Kundschaft so zeigen, dass sie Waren und Dienstleistungen von hoher Qualität anbieten. Doch dabei gilt es, Regeln einzuhalten. Verstöße oder gar Missbrauch werden streng verfolgt. Wer das Testlogo für die eigene Werbung nutzen möchte, muss dafür bezahlen und sich an gewisse Regeln halten. Diese Richtlinien gelten seit dem Jahr 2013:

  • Verwendung nur für das getestete Produkt
  • Angabe der Lizenznummer auf den Waren
  • Gültigkeit von zwei Jahren, im Ausnahmefall drei
  • Entzug der Lizenz, wenn die Qualität innerhalb dieses Zeitraums abnimmt
  • Juristische Verfolgung bei Verstößen

Wer eine Lizenz erworben hat, darf das Logo der Stiftung Warentest mit Sitz in Berlin verwenden.

Stiftung Warentest: Werbung nur für das geprüfte Produkt

Eine Nutzung des Testsiegels ist nur in Bezug auf das Produkt erlaubt, das auch tatsächlich von den Mitarbeitern der Stiftung Warentest getestet wurde. Andere Waren damit auszustatten, auch wenn sie vom gleichen Hersteller stammen, verstößt gegen die Richtlinien. Es muss klar erkenntlich sein, für welches Produkt die Lizenz – und damit das angegebene Testurteil – gilt.

Die Anbieter erwerben die Lizenzen mit einer Gültigkeit von zwei Jahren. Nur innerhalb dieses Zeitraums dürfen sie die getesteten Produkte mit dem Testsiegel schmücken. Die weitere Werbung mit den Testurteilen erlaubt die Stiftung Warentest nicht. In Ausnahmefällen kann die Lizenz allerdings auch drei Jahre lang gültig sein.

Für eine einjährige Lizenz zahlen die Anbieter zwischen 8.500 und 20.000 Euro. Der Preis für zwei Jahre bewegt sich zwischen 12.000 und 33.000 Euro. Möchte ein Unternehmen auch in seinen Kino- und Fernsehspots mit dem Urteil der Stiftung Warentest werben, steigen die Kosten auf maximal 49.000 Euro für eine dreijährige Dauer an.

Wer gegen Richtlinien der Stiftung Warentest verstößt, wird juristisch verfolgt

Im Jahr 2017 verkaufte die Stiftung Warentest 698 Lizenzen. Das entspricht einem Gesamtwert von rund 4.761.000 Euro. Dieses Geld nutzt die Stiftung dafür, Verstöße juristisch zu verfolgen und bereits getestete Produkte nachzuprüfen. Außerdem finanziert sie damit neue Tests.

Die Stiftung Warentest betreibt einen sehr großen Aufwand, um Betrug in der Werbung aufzudecken und dagegen vorzugehen. Jedes Jahr überprüfen die Mitarbeiter etwa 58.000 Werbeprospekte und stellen sicher, dass sich die Anbieter an die Richtlinien halten. Außerdem durchforsten sie rund 160 Zeitungen und über 450 Magazine. Sie gehen in mehr als 50 Kaufhäuser, Supermärkte und Läden und auch Onlineshops werden kontrolliert.

Um sicherzugehen, dass auch im Fernsehen und im Kino kein Betrug stattfindet, schauen sich die Mitarbeiter 80 Prozent aller Werbespots an, die in Kinosälen laufen, und sehen regelmäßig die Werbepausen von insgesamt 19 TV-Sendern.

Die Stiftung Warentest führt zur Kontrolle Nachtests durch

Allein im Jahr 2017 verzeichnete die Stiftung Warentest über 270 Fälle von Missbrauch. Am häufigsten warben die Anbieter mit Testergebnissen, die bereits veraltet waren. 13 Mal trugen Produkte das Logo der Stiftung Warentest, die nie einem Test unterzogen worden sind.

Seit 2013 testet die Stiftung jedes zehnte Produkt, an das sie eine Lizenz vergeben hat, nachträglich nochmals, um herauszufinden, ob sich etwas an der Qualität verändert hat. Bei sieben Produkten war dies bisher der Fall und die ausgestellten Lizenzen mussten den Herstellern wieder entzogen werden. Die Stiftung Warentest berichtet jedes Mal über Verstöße gegen die Richtlinien. Beispielsweise erhielt das bei EDEKA erhältliche Vollwaschmittel Gut & Günstig Ultra im Oktober 2018 das Testurteil gut und ging als Sieger aus dem Test hervor.

Die Stiftung führte Nachtests durch und stellte fest, dass das später eingefüllte Waschmittel deutlich geringere Mengen der Reinigungschemikalie TAED enthielt. Es entfernte Flecken deutlich schlechter. EDEKA veränderte die Zusammensetzung nach dem Test 2018, nutzte das Testlogo aber widerrechtlich weiterhin in der Werbung.

Die Stiftung Warentest und ihre Zusammenarbeit mit Ral

Damit verstieß EDEKA also gegen die Inhalte des Lizenzvertrags. Im Mai 2019 folgte daraufhin die Kündigung und der Anbieter verlor die Erlaubnis, das Logo auf besagtem Waschmittel anzubringen. Jeder Verbraucher kann auch selbst überprüfen, ob das ausgewählte Produkt tatsächlich das Testurteil erreicht hat, mit dem der Hersteller wirbt. Möglich ist das mithilfe der Lizenznummer. Diese muss immer gut lesbar im Logo enthalten sein. Auf der Website des Ral gibt der Verbraucher diese Nummer ein und erhält sofort die gewünschte Information.

Ral ist eine Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung. Bei ihrem Namen handelt es sich um eine Abkürzung des Reichs-Ausschusses für Lieferbedingungen, der 1925 gegründet wurde. Die Stiftung Warentest beauftragte diese Tochterfirma mit dem Abschluss der Lizenzverträge.

Die gemeinnützige Gesellschaft weist langjährige Erfahrung mit dem Thema Lizenzsystem auf. So vergibt sie beispielsweise auch im Auftrag des Bundesumweltministeriums den als Umweltsiegel bekannten Blauen Engel. Die Aufgabe des Ral ist es, sicherzustellen, dass sich alle Lizenznehmer an die Richtlinien halten und nur erlaubte Werbung mit dem Testlogo betreiben.

Werbung mit dem Testsiegel der Stiftung Warentest steht für hohe Qualität

Die meisten Unternehmen werben nur mit dem Siegel der Stiftung Warentest, wenn es ihnen erlaubt ist. Doch von Zeit zu Zeit gibt es Fälle, bei denen dies nicht so ist. Dann leitet das Ral juristische Schritte ein. Seit diese Vorgehensweise eingeführt worden ist, machen deutlich weniger Anbieter Gebrauch von falschen Testurteilen oder nutzen die Siegel auch nach Ablauf der Lizenz weiter. Mit der Einführung des Lizenzsystems sorgte die Stiftung Warentest dafür, dass die Unternehmen verantwortungsbewusster mit dem Testsiegel umgehen und sich in der Regel an die Richtlinien halten.

Der Verbraucher soll sich darauf verlassen können, dass die Testergebnisse tatsächlich der Wahrheit entsprechen, denn immerhin bringen der Stiftung rund 80 Prozent der Deutschen ein hohes Maß an Vertrauen entgegen. Genau das soll gewahrt werden. Da die Stiftung Nachprüfungen, die eine Lizenzentziehung nach sich ziehen, stets sofort veröffentlicht, schadet sich das entsprechende Unternehmen mit einem Missbrauch nur selbst. Negative Werbung dieser Art kann einen Einbruch der Verkaufszahlen nach sich ziehen. (Von Sophie Neumärker)

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