Richter entscheidet: Strauss-Kahn ohne Kaution frei

New  York - Dramatische Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Wegen erheblicher Zweifel am Vorwurf der versuchten Vergewaltigung kommt der Ex-IWF-Chef auf freien Fuß.

Die USA darf er vorerst nicht verlassen, Parteifreunde in Paris sehen Chancen auf ein Comeback.

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Sieben Wochen nach seiner spektakulären Verhaftung wegen versuchter Vergewaltigung ist Ex-IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn wieder ein freier Mann. Die Staatsanwaltschaft hat erhebliche Zweifel an der Aussage eines 32-jährigen Zimmermädchens, das die Vorwürfe Mitte Mai erhoben hatte. Ein New Yorker Gericht setzte daraufhin am Freitag den verschärften Hausarrest aus. Die USA darf DSK, wie der Franzose in seiner Heimat kurz genannt wird, zunächst nicht verlassen. Strahlend und mit der rechten Hand auf der Schulter seiner Frau verließ Strauss-Kahn das Gericht.

Frei ohne Kaution: Strauss-Kahn doch kein Vergewaltiger?

Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? Skeptisch sah die Entscheidung des Gerichts einer der Anwälte des angeblichen Opfers, Kenneth Thompson (li.). © dpa
Der Richter in New York stimmte am Freitag zu, dass Domenique Strauss-Kahn ohne Kaution frei kommt. Ist der ehemalige IWF-Chef doch kein Vergewaltiger? © dpa

Der Anwalt der Frau, Kenneth Thompson, sieht den Fall der versuchten Vergewaltigung unverändert. “Die Tat hat stattgefunden“, sagte Thompson unmittelbar nach der Freilassung von Strauss-Kahn. “Dieser Tag hat nichts verändert.“ Der Franzose soll nach dieser Darstellung am 14. Mai die Frau sexuell angegriffen haben.

Das Gericht stimmte zudem zu, die Kaution in Höhe von sechs Millionen US-Dollar - davon eine Million in bar - aufzuheben. Der Fall ist allerdings nicht vom Tisch, es kann immer noch zu einer Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsversuchs kommen. Der nächste Gerichtstermin ist wie geplant am 18. Juli.

Zuerst bemühte sich Strauss-Kahn um einen ernsten Gesichtsausdruck, dann lächelte er aber doch beim Verlassen des Gerichts. Auch seine Frau, zum ersten Mal nicht nur in Schwarz gekleidet, lächelte erleichtert. Wegen der Vergewaltigungsvorwürfe war Strauss-Kahn als Chef des Internationalen Währungsfonds zurückgetreten. Der 62-Jährige war bis zu seiner Verhaftung ein aussichtsreicher Kandidat der Sozialisten (PS) für den Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Frühjahr. Nun sehen Parteifreunde Chancen für ein Comeback.

Strauss-Kahn lebte unter scharfem Hausarrest mit elektronischer Fußfessel, Überwachungskameras und einem bewaffnetem Wachmann. Das soll ihn jeden Monat 250 000 Dollar (172 000 Euro) kosten. Der Franzose hatte zunächst einige Tage auf der Gefängnisinsel Rikers Island in Einzelhaft gesessen, bevor er in den Hausarrest entlassen wurde. Er musste seine Reisepässe hinterlegen.

Die “New York Times“ hatte zuerst über die Zweifel berichtet. Möglicherweise stehe die Frau mit Geldwäsche und Drogenhandel in Verbindung, schrieb die Zeitung. Die 32-jährige Frau habe kurz nach dem Vorfall mit einem Häftling darüber telefoniert, wie man Geld aus dem Fall schlagen könne. Der Mann sitze wegen Drogenschmuggels ein. Er und andere hätten Geld - insgesamt etwa 100 000 Dollar - auf einem Konto der Frau geparkt, wie die “New York Times“ schrieb. Die 32-Jährige habe , mit den Vorwürfen konfrontiert, gesagt, die Einzahlungen seien ohne ihr Wissen gemacht worden. Verwandte und Freunde hatten sie als bescheiden beschrieben. Strafrechtlich war sie ein unbeschriebenes Blatt.

Der Anwalt des Zimmermädchens hielt dagegen. Die einzige Verteidigung des Franzosen sei, dass es am 14. Mai einvernehmlichen Sex gegeben habe. “Das ist eine Lüge!“ Die Frau sei ausschließlich zum Aufräumen in Strauss-Kahns Suite gekommen, der habe sie aber überfallen und verletzt. Dass sich seine Mandantin habe etwas zu schulden kommen lassen, wies er zurück. “Das ist eine Lüge. Sie war nicht an Verbrechen beteiligt.“ Die aus Guinea in Westafrika stammende Frau lebt seit 2002 in den USA. Dass es einen sexuellen Kontakt gab, wird nach Spurenlage nicht angezweifelt.

Laut “New York Times“ soll die 32-Jährige mehrfach bei Angaben zu ihrem Asylantrag gelogen haben. Nach Informationen des Blattes wollte die Anklage im Gericht mehrere Widersprüche bei der Vernehmung des Zimmermädchens aufdecken. Nach Angaben des Anwalts ist sie in Afrika von Soldaten vergewaltigt worden. Aus diesem Trauma heraus habe sie beim Asylantrag unrichtige Angaben gemacht, um nicht zurückgeschickt zu werden.

Der Anwalt von Strauss-Kahn, Benjamin Brafman, sagte vor dem Gerichtstermin am Freitag dem “Wall Street Journal“: “Die Staatsanwaltschaft und wir werden schwerwiegende Argumente gegen die Glaubwürdigkeit der anklagenden Zeugin vorbringen.“

Nach Angaben von Bloomberg hatten Brafman und sein Kollege William Taylor schon am 25. Mai an die Staatsanwaltschaft geschrieben, dass sie Informationen hätten, die die Glaubwürdigkeit der Frau erschütterten. Die stellvertretende Oberstaatsanwältin, Joan Illuzi-Orbon, habe daraufhin gebeten, diese Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen.

Parteifreunde sehen nun wieder Chancen für eine Rückkehr Strauss-Kahns. Der ehemalige sozialistische Premierminister Lionel Jospin sprach von einem “Donnerschlag“. Sollte DSK entlastet werden, sei es an ihm, über die Zukunft zu entscheiden. Der frühere Kulturminister Jack Lang erklärte: “Wenn sich die Neuigkeiten aus New York bestätigen, wäre das eine große Freude.“

Die Führung der Sozialisten wollte sich nicht an Spekulationen beteiligen. Parteichefin Martine Aubry, die gegen den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy antreten will, sagte: “Ich hoffe von ganzem Herzen, dass die amerikanische Justiz die Wahrheit ans Tageslicht bringt und Dominique aus diesem Alptraum holt.“

Ihrer Partei drohen wegen der Entwicklungen neue interne Machtkämpfe. Die PS-Politikerin Michèle Sabban forderte, den derzeit laufenden Auswahlprozess für Kandidaten auszusetzen.

dpa 

Die Affäre Strauss-Kahn: Ein Sex-Krimi in Bildern 

Ein Bild, das um die Welt ging: Der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Handschellen. Am Samstag, 14. Mai, wird er in New York verhaftet. Er soll ein Zimmermädchen vergewaltigt haben. © AP
Noch kurz zuvor kannte man den Franzosen so: Meist braun gebrannt, mit markanten Augenbrauen - DSK gab dem IWF ein Gesicht. Seit 1. November 2007 war er Chef des Internationalen Währungsfonds. © AP
Am Samstag, 14. Mai, läuft das Leben von Dominique Strauss-Kahn aus dem Ruder: Es wird der Vorwurf laut, er habe in einer Hotelsuite versucht, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen.  © AP
Dominique Strauss-Kahn wird in New York verhaftet. © AP
Richterin Melissa Jackson entschied, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleiben musste. Sie begründete dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution  lehnte sie ab. © AP
Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: “Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt “versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um “sexuellen Missbrauch“, “Freiheitsberaubung“ und “unsittliches Berühren“. © AP
DSK saß zunächst auf der Gefängnisinsel von Rikers Island im New Yorker East River in Untersuchungshaft. Dann durfte er gegen Kaution umsiedeln: In eine Privatwohnung. Dort stand er unter Hausarrest. © AP
Strauss-Kahn streitet die Tat ab. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. © dpa
Das Meideninteresse am Fall ist groß. Am Dienstag, 17. Mai,  berichtet ein New Yorker Boulevardblatt, Strauss-Kahn habe die Möglichkeit von “einvernehmlichem Sex“ eingeräumt. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. © AP
Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf. © AP
Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. © AP
Seine Frau Anne Sinclair hält zu ihm. 1991 wurden Strauss-Kahn und seine Frau von einem Rabbiner getraut. Anne Sinclair war damals eine bekannte Fernsehmoderatorin, doch sie gab ihre TV-Karriere auf, als ihr Mann Wirtschafts- und Finanzminister wurde. © AP
Sein mutmaßliches Opfer will in einem Prozess aussagen. Wenn die aus Guinea stammende 32-jährige Frau aufgefordert werde, sei sie bereit, gegen den Franzosen in den Zeugenstand zu treten, sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro am Dienstag dem US-Sender CNN. Die Hotelangestellte arbeite mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. © AP
Im Gefängnis vermisst Dominique Strauss-Kahn vor allem seine Armbanduhr. Ansonsten gehe es ihm aber recht gut, sagte sein Anwalt William Taylor der französischen Zeitung “Le Parisien“ am Donnerstag. Er habe seinen Mandanten für etwa zwei Stunden am Mittwochnachmittag gesehen. “Er macht einen guten Eindruck, das ist das wichtigste. Aber er ist natürlich sehr traurig, das ist seinen Augen abzulesen“, erklärte er. © AP
Am Mittwoch, 18. Mai, wird die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die “New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids. © dpa
Das Ende einer Karriere: Am Donnerstag, 19. Mai zieht Strauss-Kahn die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Auch seine politische Karriere wird damit beendet sein. Er weist weiterhin alle Vorwürfe zurück. Strauss-Kahn bietet eine Million Dollar Kaution an. © AP

dapd

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