Markt für Biomasse wächst – Rübe im Rennen

Strom vom Acker

Nicht nur süß: Zuckerrüben liefern auch Energie. Foto: KWS

Kassel / Einbeck. Energie vom Acker wird zunehmend interessant. Vom Verfahren, Gülle, Holzreste und Pflanzen zu Biogas zu vergären, um Strom und Wärme zu erzeugen, profitieren auch Pflanzenzüchter.

So meldete die Einbecker KWS Saat AG selbstbewusst eine „Weltneuheit“: eine Energierübe, die sich besonders gut als Futter für Biogasanlagen eignen soll. Zugelassen ist sie EU-weit, ab 2011 geht es auf den Acker. Als Hauptabsatzmarkt sieht KWS zunächst Deutschland.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trägt dazu bei, dass es immer öfter im Lande gärt: Die Einspeisevergütungen für Energie aus Biomasse werden zwar jedes Jahr zurückgeschraubt. Sie richtet sich aber nach dem Jahr, in dem die Anlage in Betrieb ging und bleibt 20 Jahre konstant. Für Anlagen, die 2009 die Arbeit aufnahmen, gibt es eine Grundvergütung von 8,25 bis 11,67 Cent je Kilowattstunde (kWh) Strom. Hinzu kommen Boni, unter anderem für nachwachsende Rohstoffe.

2009 hat der Gesetzgeber den Bonus für den Einsatz von Energiepflanzen in Anlagen bis zu einer Leistung von 500 Kilowatt um einen auf sieben Cent je kWh erhöht. Die Folge: 2009 entstanden rund 1000 neue Anlagen. In diesem Jahr, so rechnet der Fachverband Biogas, werden rund 6000 Anlagen in Deutschland 2,3 Gigawatt elektrische Leistung bringen. Das reicht, um mehr als vier Millionen Haushalte zu versorgen und entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Insgesamt kommen 4,7 Prozent des deutschen Stroms aus Biomasse.

In Deutschland werden auf 1,8 Millionen Hektar Land Energiepflanzen angebaut, aus denen auch Biodiesel oder Ethanol gewonnen wird. Allein auf 600 000 Hektar werden Pflanzen für die Biogasproduktion angebaut. „Das ist ein starker Wachstumsmarkt“, sagt Carsten Stibbe, Zuckerrübenspezialist bei KWS. Energiepflanzen bringen den Einbeckern 17 Prozent ihres Gruppenumsatzes von 541 Millionen ein.

Fast zehn Jahre Zeit und mehrere Millionen Euro brauchen Züchter, um eine neue Pflanzensorte zu entwickeln. „Wir müssen sehr früh darüber nachdenken, was wir später haben wollen“, sagt Stibbe. Gentechnisch verändert ist die neue Rübe nicht. Für sie haben die Futter- und die Zuckerrübe Pate gestanden. Ersterer verdankt der Neuling eine recht glatte Oberfläche, auf der sich Erde nicht so stark festsetzt. Denn diese stört in der Biogasanlage, und die Reinigung der Pflanzen.

Das Zuckerrüben-Erbe sorgt für den hohen Ertrag der neuen Rübe. Um Masse anzusetzen braucht sie weniger Wasser als andere Pflanzen. Zudem ist sie nach zehn bis 15 Tagen vergoren. Mais braucht mehr als vier Mal so lange. Dass die neue Rübe dem Energiemais Konkurrenz macht, den KWS auch vertreibt, befürchtet Stibbe nicht: Schließlich muss die Fruchtfolge auf dem Acker wechseln.

Von Barbara Will

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.