Fragen & Antworten

Strom vom Dach für Mieter - so funktioniert's

Berlin. Hauseigentümer profitieren schon lange vom Sonnenstrom-Kraftwerk auf dem eigenen Dach. Diesen Weg öffnet die schwarz-rote Koalition jetzt auch Mietern.

Das Wirtschaftsministerium (BMWi) von Brigitte Zypries (SPD) will noch vor der Bundestagswahl eine gesetzliche Grundlage für Mieterstrom-Modelle schaffen. Fragen und Antworten:

Wie funktioniert die Mieterstrom-Idee? Was soll sie?

Strom aus Fotovoltaik-Anlagen von Wohngebäuden soll hausintern direkt an die Mieter geliefert werden. Vorteil laut BMWi: Anders als beim Strombezug aus dem Netz entfallen beim Mieterstrom Netzentgelte, netzseitige Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgaben. Sprich: Strom kann billiger werden. Zudem könnte der Ausbau erneuerbarer Energien neuen Schub bekommen. Das Ministerum sieht ein Potenzial von bis zu 3,8 Millionen Wohnungen, die mit Mieterstrom versorgt werden könnten.

Warum machen Vermieter oder Wohnungsgesellschaften sowas nicht längst?

Derzeit rechnet sich Mieterstrom laut BMWi in der Regel für Vermieter nicht, weil er Extrakosten für Abrechnung, Vertrieb und Messungen hat. Das soll die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ändern.

Und der Anreiz auf Seite der Mieter?

Das Gesetz soll kurze Vertragslaufzeiten vorgeben, Kündigungsrechte sicherstellen, Preisobergrenzen einziehen, freie Wahl des Anbieters garantieren – damit Mieterstrom im Wettbewerb zu attraktiven Preisen angeboten wird. Mietvertrag und Mieterstromvertrag sollen also getrennt bleiben. Die Vergütung aus dem EEG-Topf soll den Mieterstrom-Projekten Renditen von fünf bis sieben Prozent ermöglichen, so das Fachportal Energie Messenger.

Heißt das, dass aus der EEG-Umlage dann weitere Kosten abgegolten würden?

Ja. Was aus der EEG-Umlage Mieterstrom und andere dezentrale Erzeugung fördert, zahlen alle Endverbraucher über den Strompreis mit. Deshalb soll das Mieterstrom-Modell nach aktuellem Stand bei 500 Megawatt pro Jahr für Fotovoltaik-Anlagen gedeckelt werden. Es soll zudem nur für Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung gelten.

Was sparen Mieter mit dem Mieterstrom-Modell?

Genaue Zahlen gibt’s natürlich noch nicht. In der Branche heißt es aber, bei Endverbraucherkosten von derzeit 25 bis 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh), seien ein bis zwei Cent Nachlass denkbar.

Welche Reaktionen gibt es auf den Gesetzentwurf?

Gut, aber im Detail noch zu verbessern, heißt es beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Gerade Mieter würden „bisher überproportional mit Kosten der Energiewende belastet“. Die Grünen fürchten eine reine Show-Nummer zur Wahl: „Wenn die SPD Mieterstrom ernsthaft wollte, hatte sie über drei Jahre Zeit ihn einzuführen.“

Und Versorger, etwa Stadtwerke, verlieren die nicht?

Die dürften im Geschäft bleiben und großen Wohnungsbaugesellschaften ohne eigene Energieabteilung Technik und Organisation fürs Mieterstrom-Modell anbieten, heißt es von Experten.

Service: Eckpunkte-Papier zum Mieterstrom-Modell

Rubriklistenbild: © dpa

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