Strom und Gas werden 2012 noch teurer

Düsseldorf - Auch im Jahr 2012 werden viele Verbraucher in Deutschland für Energie wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Experten raten deshalb zum Anbieterwechsel, doch viele Privatkunden zögern noch.

Es ist fast ein jährlich wiederkehrendes Ritual: Ob Versicherungsprämien, Gebühren für Müllabfuhr oder Stadtreinigung - oder eben für Strom und Gas. Mit dem Jahreswechsel wird Vieles wieder teurer in Deutschland. So werden rund 110 Stromversorger und knapp 80 Gaslieferanten bundesweit von ihren Kunden höhere Preise verlangen. Die Vergleichsportale im Internet, Verivox und Toptarif, ermittelten beim Strom im Durchschnitt Aufschläge von 3,5 Prozent, beim Gas ist es mehr als doppelt so viel. Und im Jahresverlauf dürften weitere Anbieter hinzukommen.

Einige Stadtwerke schlagen mit zweistelligen Erhöhungen noch kräftiger zu, während sich die Branchenriesen RWE und Eon noch zurückhalten. Für die rund 500 000 Gaskunden von RWE bleibe der Preis mindestens bis zum Ende der Heizperiode im kommenden Jahr stabil, versprach die RWE Anfang Dezember. Ähnlich äußerte sich Eon. Bis zum Frühjahr, also März/April, soll an der Preisfront der Regionalgesellschaften des Unternehmens Ruhe herrschen.

Doch der Trend ist eindeutig: “Die Energiekosten zeigen einen stetigen Aufwärtstrend, der in den letzten Jahren nur durch die Finanzkrise 2008 unterbrochen wurde“, resümiert der Energieexperte von Verivox, Peter Reese. Das hatte sich vor allem beim Gas bemerkbar gemacht. Gas war plötzlich in größeren Mengen verfügbar, die Preise auf den Beschaffungsmärkten gaben nach, zahlreiche Versorger senkten die Preise, bei Eon waren es in mehreren Schritten sogar 25 Prozent.

Alles teurer geworden: So viel mehr müssen Sie in 2012 jetzt bezahlen

Hohe Energiekosten treiben die Preise an: Beispielsweise ist der Preis von Heizöl um 13,9 Prozent gestiegen. © dpa
Auch für Strom zahlt man mehr: plus 7,1 Prozent. © dpa
Butter macht dick - und wer in Zukunft nicht 10,4 Prozent mehr zahlen will, verzichtet drauf. © dpa
Molkereiprodukte sind fast alle teurer geworden: Für Sahne zahlt man jetzt 12,9 Prozent mehr. © dpa
Bei Fleisch ist die Preiserhöhung nicht ganz so schlimm: 4,3 Prozent ist es teurer. © dpa
Gemüse ist dagegen billiger geworden: Für Kopf- oder Eisbergsalat zahlt man 39,3 Prozent weniger. © dpa
Tomaten sind 24,1 Prozent billiger. © dpa
Ein deutlicher Preisanstieg bei alkoholfreien Getränken von 7,4 Prozent soll vor allem durch die... © dpa
... Verteurung von Kaffee um 21,8 Prozent verursacht sein. © dpa
Bei den Dienstleistungen macht sich die neue Luftverkehrsabgabe bemerkbar: Flugtickets sind um 19,4 Prozent teurer. © dpa
Die Preise für Tabakwaren sind um 3,3 Prozent gestiegen. © dpa
Frauen können aufatmen: Schuhe  und Bekleidung sind nur um 3,1 Prozent teurer. © dpa

Aber die Märkte drehen schnell. Der Druck in Richtung höhere Preise verschärft sich. Der weltweite Energiehunger insbesondere aus den Schwellenländern wie China oder Indien und die Verknappung der Rohstoffe lassen die Preise hochschnellen. In Deutschland sorgen die Umlage für erneuerbare Energien und die Kosten der Energiewende dafür, dass die Abgabepreise klettern. Hinzu kommen die Netzentgelte: Immer mehr energieintensive Unternehmen wollen sich von der Zahlung befreien lassen. Konsequenz: Die Zeche zahlen die übrigen Stromverbraucher.

Unter der Annahme einer jährlichen Strompreiserhöhung von 6 Prozent ermittelte Verivox in einer Zeitreihe von 2012 bis 2020 einen Preisanstieg von fast 60 Prozent. Das heißt, die gesamte Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts würde von 983 Euro auf 1587 Euro nach oben schnellen - über 500 Euro mehr.

Vor allem dem Gasmarkt stehen turbulente Zeiten bevor, wenn man Experten Glauben schenkt. Bis 2015 sollen nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kerney die Gaspreise auf den europäischen Märkten um 30 bis 40 Prozent zulegen. Wegen der weltweiten Überkapazitäten käme es danach aber zu einer Entspannung an der Preisfront, orakeln die Autoren der Studie. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, spricht von überhöhten Preisen. “Von der Beschaffungssituation ist das nicht zu rechtfertigen“.

Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur empfehlen den Konsumenten immer wieder einen Anbieterwechsel. Doch viele Privatkunden scheuen diesen Schritt. Der Behörde zufolge waren 2010 rund 43 Prozent der Haushalte noch im teuren Grundversorgertarif. Ein Anteil von 41 Prozent wechselte beim örtlichen Anbieter in einen anderen Tarif und nur 15 Prozent gingen zu einem anderen Versorger. Peters hat auch eine Begründung für die Zurückhaltung: “Die Tarife sind nicht transparent und völlig unübersichtlich“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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