Strom ist wieder billiger als vor Fukushima

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Strom ist wieder billiger - allerdings nur für Großkunden.

Düsseldorf - Rezessionsängste, der milde Winter und billige CO2-Zertifikate drücken die Strompreise. Doch viele Normalverbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen.

Trotz der Abschaltung von acht Altreaktoren im Zuge der Energiewende ist Strom in Deutschland zurzeit billiger als vor Fukushima - zumindest für große Industriekunden und Stromversorger. An der Leipziger Strombörse EEX fiel der Preis für 2013 lieferbaren Grundlaststrom zum Jahresbeginn auf nur noch rund 52 Euro je Megawattstunde. Das sind rund zwei Euro weniger als in den Wochen vor der japanischen Atomkatastrophe im März 2011.

Normalverbraucher haben davon allerdings nichts. Im Gegenteil: Nach einer Marktübersicht des Verbraucherportals Verivox erhöhten zum Jahreswechsel 139 Stromanbieter ihre Preise um durchschnittlich vier Prozent.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

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In Deutschland sind 17 Atomkraftwerke in Betrieb (Gesamtleistung 20 490 Megawatt) © dpa
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In Bayern stehen insgesamt fünf AKW: Hier das Atomkraftwerk in Gundremmingen. © dpa
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Hier die beiden Atomkraftwerke Isar 1 und 2 nahe Essenbach in Niederbayern. Der Reaktor Isar 1 steht seit Jahren in der Kritik. © dpa
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Hier das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern. © dpa
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In Hessen stehen die beiden seit Jahren umstrittenen Atomkraftwerke Biblis A und Biblis B. Biblis A wurde im Jahr 1974 in Betrieb genommen und ist der älteste noch genutzte Reaktor. © dpa
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Niedersachsen zählt insgesamt drei Atomkraftwerke: hier das AKW in Grohnde an der Weser. © dpa
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Hier das Kernkraftwerk Emsland nahe Lingen in Niedersachsen. © dpa
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Das Kernkraftwerk Unterweser nahe Rodenkirchen in Niedersachsen. © dpa
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In Schleswig-Holstein sind insgesamt drei AKW am Netz. Hier das Kernkraftwerk Brokdorf. © dpa
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Hier das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. © dpa
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Das Kernkraftwerk in Krümmel (Schleswig-Holstein). © dpa
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In Baden-Württemberg sind insgesamt vier AKW am Netz. Hier die besonders umstrittenen Kraftwerke Neckarwestheim 1 und 2. © dpa
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Hier die Kraftwerke Philippsburg 1 und Philippsburg 2 in Baden-Württemberg. © dpa
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In Europa sind derzeit 195 Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 170 Gigawatt am Netz (Stand Januar 2011). © dpa
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In Belgien sind sieben Atomkraftwerke in Betrieb (5 926 Megawatt) © dpa
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Finnland betreibt vier AKW (2 716 MW) © dpa
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In Frankreich sind 58 AKW in Betrieb mit einer Gesamtleistung von 63 130 MW (hier der Standort Cattenom) © dpa
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In Großbritannien gibt es 19 AKW (10 137 MW) © dpa
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Die Niederlande betreiben nur ein Atomkraftwerk (487 MW) © dpa
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32 Atomkraftwerke stehen in Russland (22 693 MW) © dpa
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In der Schweiz sind fünf AKW am Netz mit einer Gesamtleistung von 3 238 MW (hier der Standort Leibstadt) © dpa
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Vier Atomkraftwerke stehen in der Slowakei (1 792 MW) © dpa
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Nur ein Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 666 MW ist in Slowenien in Betrieb. © dpa
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In Bulgarien gibt es zwei AKW (1 906 MW) © dpa
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Acht Atomkraftwerke sind in Spanien am Netz (7 516 MW, hier Asco) © dpa
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In Tschechien werden sechs AKW betrieben (3 678 MW) © dpa
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Ungarn zählt vier Kraftwerke (1 889 MW) © dpa
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In der Ukraine sind 15 AKW mit einer Gesamtleistung von 13 107 MW am Netz (hier Tschernobyl, bei dem sich im Jahr 1986 ein Super-GAU ereignete) © dpa
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In Rumänien stehen zwei Atomkraftwerke (Gesamtleistung 1 300 MW) © dpa
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In Schweden sind zehn AKW am Netz (9 303 MW, hier der Standort Oskarshamm) © dpa

Der beschleunigte Atomausstieg nach der japanischen Reaktorkatastrophe hatte im März vergangenen Jahres zunächst zu einem sprunghaften Anstieg der Preis an der Leipziger Strombörse geführt. Zeitweise kostete die Megawattstunde Grundlaststrom über 60 Euro, ein Aufschlag von deutlich über zehn Prozent gegenüber dem Preisniveau unmittelbar vor der Krise. Doch begannen die Preise schon im Sommer wieder zu bröckeln.

Für den unerwarteten Preisverfall machte der Chef des auf die Energiebranche spezialisierten Analysehauses Energy Brainpool, Tobias Federico, am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd vor allem die Rezessionsängste verantwortlich. Auch der milde Winter sei psychologisch sehr wichtig.

Analyst Krawinkel beklagt mangelnden Wettbewerb

Der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, verwies außerdem auf die drastisch gesunkenen Preise für CO2-Zertifikate und den preisdämpfenden Einfluss der erneuerbaren Energien. Mit einem deutlichen Wiederanstieg der Preise rechnet Krawinkel vorläufig nicht. Europaweit herrsche “sicher kein Strommangel“, sagte er.

Warnungen vor einer Preisexplosion durch die Energiewende und eine damit verbundene Gefährdung von Arbeitsplätzen haben sich damit bislang nicht bewahrheitet.

Ob irgendwann auch Normalverbraucher auf Preissenkungen hoffen können, scheint aber zumindest vorläufig zweifelhaft. Denn nach Einschätzung von Krawinkel haben sich viele Energieversorger in den vergangenen Monaten am Terminmarkt zu relativ hohen Preisen eingedeckt und sitzen jetzt auf diesen teuer eingekauften Strommengen. Außerdem sei der Wettbewerb auf dem Energiemarkt noch immer mangelhaft.

dapd

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