Strom: Verbraucher zahlen in diesem Jahr eine Milliarde Euro zuviel für Energie

Kassel / Berlin. Die Verbraucher in Deutschland zahlen in diesem Jahr etwa eine Milliarde Euro zuviel für Strom. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundestagsfraktion der Grünen, die sich auf eine Studie des Energiewirtschaftlers Gunnar Harms stützt.

Die von der Fraktion in Auftrag gebene Untersuchung hat in erster Linie den Energieversorger RWE im Visier, kommt aber generell zu dem Schluss: „Die Preiserhöhungen beim Strom für die Haushaltskunden 2010 sind nicht nachvollziehbar.“ Seit 2008 seien diese durchschnittlich um mehr als sieben Prozent gestiegen, die Preise an der Strombörse hingegen um 30 bis 40 Prozent gesunken. Zwar schnellte die Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), mit der alle Stromkunden für die Einspeisung von Elektrizität aus regenerativen Quellen bezahlen, um bis zu 80 Prozent auf 2,04 Cent je Kilowattstunde (kWh) in die Höhe. Laut Studie sind damit die Preiserhöhungen nicht zu rechtfertigen. Dass die Strompreise in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland mehr als vier Mal so stark gestiegen seien wie in anderen EU-Ländern, lässt die Grünen hierzulande „Abzockerei“ vermuten.

Von Preisnachlässen auf dem Strommarkt haben Privathaushalte am wenigsten. Während Groß- und Gewerbekunden seit 2008 die Energierechnung zwischendurch auch niedriger ausfiel, griffen die Verbraucher ständig tiefer in die Tasche. Der Grund sind unterschiedliche Beschaffungsstrategien der Versorger.

Um bei ihren privaten Abnehmern auf Nummer sicher zu gehen, decken sich die Versorger, die ihren Strom nicht selbst produzieren, mit einem Vorlauf von ein bis zwei Jahren am Terminmarkt der Strombörse in Leipzig ein. Gekauft wird in Teilmengen in einem bestimmten Rhythmus. Preissteigerungen werden bei dieser Hamsterstrategie abgemildert, bei fallenden Preisen werden Kleinkunden hingegen für die teure Beschaffung der Vergangenheit zur Kasse gebeten. Der Strom für Großkunden wird hingegen zu einem guten Teil tagesaktuell am Spotmarkt der Strombörse eingekauft. Preissenkungen schlagen sofort durch – Erhöhungen allerdings auch.

In Nordhessen und Südniedersachsen hat der Regionalversorger Eon Mitte seit 2008 den Tarif in der Grundversorgung um 13,3 Prozent auf aktuell 22,48 Cent je kWh erhöht, bei den Städtischen Werken Kassel ist der Strom im vergleichbaren Tarif mit 21,85 Cent 11,5 Prozent teurer als im September 2007. Beide Versorger liegen damit leicht unter dem Durchschnitt.

Wer sich geschröpft fühlt, sollte den Anbieter wechseln, rät das Verbraucherportal Verivox. Durchschnittlich gebe es pro Postleitzahlbezirk 76 Anbieter. „Eine Ersparnis von 200 bis 400 Euro im Jahr ist drin“, sagt Verivox-Sprecherin Dagmar Ginzel. Doch nur fünf Prozent der Verbraucher geben im Jahr ihrem Stromversorger den Laufpass.

Von Barbara Will

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