Netzausbau in der EU kann Verbraucher bis zu 90 Euro im Jahr mehr kosten

Stromkunden sollen zahlen

Düstere Zeiten für Stromkunden: Der Preis einer Kilowattstunde wird immer stärker mit Abgaben belastet – nun für den Netzausbau. Foto: dpa

Brüssel/Berlin. 200 Milliarden Euro will die EU bis 2020 in die Stromnetze investieren. 40 Milliarden soll Deutschland stemmen. Bezahlen sollen sie die Verbraucher über die Stromrechnung. Denn die Gefahr eines Stromausfalls sei „sehr real“.

Was dies konkret für den Verbraucher bedeutet, sagte EU-Kommissar Günther Oettinger am Mittwoch. Er rechnet mit einem Aufschlag von ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das heißt, ein Vierpersonenhaushalt, der im Jahr 4500 kWh verbraucht, zahlt übers Jahr bis zu 90 Euro mehr für den Strom.

Derzeit zahlen die Verbraucher einschließlich Mehrwertsteuer bereits knapp 4,2 Cent pro kWh für Strom aus erneuerbaren Energien. Bei 4500 kWh sind dies 187 Euro. Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, sagt, wenn man den Fotovoltaik-Boom nicht in den Griff bekommt und zusätzliche Windanlagen auf See ans Netz gehen, könnte die Erneuerbare-Energien-Umlage bis 2015 auf bis zu 6,5 Cent pro kWh steigen.

Erneuerbare Energien wie Windkraft beeinträchtige die Versorgungssicherheit, hob Oettinger hervor. „Daher brauchen wir perfekte Netze, die Schwankungen ausgleichen können.“ Die neuen Netze seien quasi die Voraussetzung für die Einspeisung eines höheren Anteils an erneuerbaren Energien.

Höhere Rendite für Konzerne

In nur drei Jahren will die EU mit den 200 Mrd. Euro den zersplitterten Energiemarkt hinsichtlich Strom- und Gasleitungen einen. „Der Binnenmarkt sollte 2014 umgesetzt sein, damit Gas und Strom frei fließen können“, heißt es im Beschluss der Staats- und Regierungschefs der EU.

Zwar sollten private Investoren – also Energiekonzerne – für die Leitungsnetze aufkommen, doch werden die Netzbetreiber diese Kosten auf den Kunden umlegen, sagte Umweltminister Norbert Röttgen in einem Interview. Die öffentliche Hand könne sich nur in Ausnahmefällen an den Kosten beteiligen.

Diese Investitionen können die Konzerne nicht stemmen, da ist sich Oettinger sicher. Denn im internationalen Vergleich seien die deutschen Energiekonzerne nur Mittelklasse, trotz hoher Gewinne: 2009 erzielte E.on einen Überschuss von 8,6 Milliarden Euro, RWE strich 3,57 Mrd. Euro ein. EnBW erzielte 2010 einen Überschuss von fast einer Mrd. Euro.

Und diese Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dürfe nicht gefährdet werden, argumentiert Oettinger. Die EU ist mit 500 Millionen Einwohnern der weltgrößte Energiemarkt.

Unabhängig

Deshalb will Oettinger den Netzbetreibern höhere Renditen von den nationalen Aufsichtsbehörden einräumen, um den Ausbau der Netze in Schwung zu bringen, heißt es. Außerdem will sich der Energiekommissar mit EU-Anleihen weiteres Geld beschaffen.

Ziel dieser Europa-Aktion: Nach 2015 soll kein EU-Land mehr von der Gas- oder Stromversorgung abgeschnitten sein. Indirekt greift die EU damit das Problem einiger osteuropäischer Staaten auf, die nach einem Lieferstopp aus der Ukraine und Russland wegen fehlender Leitungen kaum Gas aus anderen Ländern beziehen konnten.

Von Martina Wewetzer

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