Stromnetzbetreiber bauen neues Netz

Dortmund - In Europa soll ein Netz aus Stromleitungen entstehen, das Strom in großen Mengen transportieren soll. In Deutschland könnte bald die erste Nord-Süd-Verbindung entstehen.

Eine neue Stromübertragungstechnik soll den Netzausbau in Deutschland beschleunigen. Gleichstromleitungen, die die doppelte Strommenge fast verlustfrei transportieren, könnten den Plänen nach die Energiewende deutlich vorantreiben. Bis spätestens 2019 soll der erste Teil des sogenannten Ultranets zur Stromübertragung von Nord- nach Süddeutschland fertiggestellt sein.

Dazu wollen die Netzbetreiber Amprion und Transnet BW eine 430 Kilometer lange Gleichstrom-Hochspannungsleitung zwischen dem Niederrhein und Baden-Württemberg installieren. Andere könnten folgen. Bundesnetzagentur und Bundesregierung müssen den Plänen noch zustimmen, betonte Transnet am Dienstag in Stuttgart.

Die Nord-Süd-Leitung soll in bestehenden Trassen an Höchstspannungsmasten angehängt werden, bestätigte Amprion in Dortmund einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)“. Die Kosten betragen eine Milliarde Euro.

Amprion und Transnet sind von der Technik überzeugt. Am Eon- Kohlekraftwerk in Datteln im Ruhrgebiet, das nach einem Gerichtsbeschluss derzeit nicht zu Ende gebaut werden kann, hat Amprion eine zwei Kilometer lange Leitung genutzt, um die Verträglichkeit von Wechsel- und Gleichstromleitungen an gemeinsamen Masten zu prüfen. „Wir sind der Überzeugung, dass wir diesen Weg beschreiten sollten“, sagte der technische Geschäftsführer Klaus Kleinkorte der „FAZ“. „Wir wollen das Ding 2019 am Laufen haben, 2017 wäre uns noch lieber.“

Der Transport hoher Strommengen ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. Nach dem Abschalten von Atomkraftwerken werden vor allem in den Verbrauchszentren im Rhein-Main-Gebiet und in Süddeutschland große Energiemengen gebraucht. 2017 und 2019 sollen die Meiler Philippsburg und Gundremmingen vom Netz gehen. Dann soll das südwestdeutsche Stromnetz mit Windstrom aus dem „Ultranet“ gespeist werden. Mit einer Kapazität von 2500 Megawatt könnte die Leitung fast beide Reaktoren ersetzen.

Die zwei anderen deutschen Netzbetreiber Tennet TSO und 50Hertz hegen ähnliche Pläne wie Amprion und Transnet. Tennet, zuständig auch für den Anschluss der Nordsee-Windanlagen, hält eine weitere Nord-Süd-Leitung auf seinem Netzgebiet für möglich. 50Hertz, das auch die Ostsee-Windanlagen anschließt, überlegt eine Verbindung von Thüringen nach Baden-Württemberg. Die Pläne werden voraussichtlich am 1. Juni mit dem bundesweiten Netzentwicklungsplan vorgestellt.

Der Bau der deutschen Gleichstromleitungen soll Bestandteil eines europäischen Netzes werden. Auch in anderen Ländern wie Frankreich und Spanien werden entsprechende Leitungen geplant. So soll eine Gleichstromleitung in naher Zukunft die Pyrenäen queren.

Die neuen Leitungen bieten neben der hohen Durchleitungsrate den Vorteil, Strom auf langen Wegen mit geringen Verlusten zu transportieren. Sie könnte auch Solarstrom aus Nordafrika oder Südeuropa Richtung Norden transportiert werden.

Die Gleichstromleitungen sollen nach Auskunft von Amprion nicht den bisherigen Netzausbau ersetzen. Auf der Strecke Niederrhein - Baden-Württemberg baut Amprion, das früher zu RWE gehörte, die bisherige Trasse größtenteils aus. Dort werden weiter konventionelle 380 Kilovolt-Höchstspannungsleitungen verlaufen. Endpunkte der Pilotleitung könnten bei Wesel und bei Stuttgart liegen.

dpa

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