Strompreis hoch, Gaspreis runter

Vor allem Netzentgelte treiben die Kosten: Heizen und Kochen könnte billiger werden, Licht nicht.

Kassel/Göttingen. Zwei Jahre war weithin Ruhe, jetzt ziehen Strompreise für Endverbraucher wieder an: 251 der rund 800 Grundversorger in Deutschland haben angekündigt, Anfang 2017 den Strom teurer zu machen. Im Schnitt um 3,5 Prozent - das macht laut Vergleichsportal Verivox für eine vierköpfige Familie mit 4000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch 3,40 Euro im Monat mehr.

In Hessen planen danach 15 Versorger Aufschläge von im Schnitt 3,2 Prozent, zwei Lieferanten senken die Preise. In Niedersachsen drehen 23 Versorger zu Neujahr an der Preisschraube - in 22 Fällen nach oben, einmal nach unten. Macht zusammen 40 Versorger mit neuen Tarifen, meist in der Grundversorgung, davon sieben in unserer Region. Sechs werden hier teurer, einer billiger (siehe Hintergrund rechts unten). Über absolute Kosten pro kWh sagt das Rauf und Runter in Prozenten natürlich noch nichts.

Billige Börsenpreise

Grund für Erhöhungen sind nach Ansicht von Fachleuten nicht die - weiter recht niedrigen - Beschaffungspreise an der Strombörse. Sie fielen im ersten Halbjahr 2016 sogar auf Tiefstwerte über Jahre. Deutlich teurer werden aber die Ökostrom-Umlage, die 2017 um 8,3 Prozent auf 6,88 Cent/kWh wächst und die Stromnetz-Kosten. Beide Posten machen zusammen rund die Hälfte des Strompreises aus.

Kommentar zum Thema

Ein Webfehler im System

„Die Netzentgelte sind der größte Kostentreiber bei den Strompreisen“, sagt Gero Lücking vom Ökostromanbieter Lichtblick. „Weil sie in den meisten Regionen Deutschlands auch 2017 wieder deutlich steigen, erwarten wir flächendeckend höhere Strompreise.“ Sprich: Eine weitere Erhöhungsrunde könnte im Frühjahr folgen. Lücking wirft Stromkonzernen und Stadtwerken vor, für ihre Netze übertrieben hohe Renditen zu kassieren.

Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der die Nordsüd-Stromtrasse jetzt mit Erdkabeln baut, kündigte eine massive Erhöhung seiner Netzentgelte um 80 Prozent an - ein Paukenschlag. Netzentgelte wachsen besonders stark auf dem Land, im Osten und in Bayern - dort, wo besonders viele Wind- und Solarkraftwerke gebaut und angeschlossen werden müssen. Auch das ist ein Paukenschlag: In Bayern kündigten knapp 100 Versorger Strompreiserhöhungen an.

Zehn-Jahres-Tief

Wer mit Gas heizt und kocht, kann beim zweiten großen Posten seiner Energierechnung derzeit entspannt sein: Gaspreise für Haushalte waren laut Verivox im November so niedrig wie seit über 10 Jahren nicht mehr. Haushalte mit 20 000 kWh Jahresverbrauch kämen so auf 1180 Euro fürs Gas pro Jahr statt 1619 Euro Ende 2008. Mitte November kündigten 86 Versorger weitere Preissenkungen an (siehe Hintergrund unten), in der Region gab es sie auch im laufenden Jahr schon. (mit dpa)

Das ändert sich in der Region

Sieben Versorger der Region haben zum 1. Januar beim Strom Preisänderungen angekündigt - meist aufwärts (Grundversorgungstarife). Beim Gas sind vier Preissenkungen bekannt.

Nordhessen Strom:

• Energie-Waldeck Frankenberg: + 6,8 %

• Gemeindwerke Wildeck Obersuhl: - 1,9 %

• Stadtwerke Bebra: + 7,3 %, + 1,19 Cent/kWh, alle Tarife (+ 5,27 % in der Grundversorgung)

• Stadtwerke Eschwege (GV): + 1,4 %

Südniedersachsen Strom:

• Stadtwerke Uslar: + 2,0 %

• Stadtwerke Northeim: + 1,5 %

• Versorgungsbetriebe Hann. Münden: + 4,5 %

Nordhessen Gas:

Kraftstrombezugsgenossenschaft Homberg: - 0,50 ct/kWh

Gaswerk Bad Sooden-Allendorf: - 0,40 ct/kWh

Stadtwerke Wolfhagen: - 0,29 ct/kWh

Südniedersachsen Gas:

Versorgungsbetriebe Hann. Münden

Lokales Angebot - 6,8 %

Verbraucher-Tipp

• Stromversorger müssen Preiserhöhungen mindestens sechs Wochen vor Inkrafttreten schriftlich mitteilen. Stichtag für Änderungen am 1. Januar 2017 war der vergangene Montag. Manchmal wird die Botschaft als „Preisinformation“ oder „Jahresinformation“ verschleiert.

• Wer so ein Schreiben erhält, hat in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Verbraucher sollten die Kündigung wegen kurzer Fristen selbst vorantreiben, rät Verivox.

• Das Verbraucherportal weiter: Ein Vierpersonenhaushalt, der aus der Grundversorgung in den günstigsten Tarif mit fairen Bedingungen wechselt, spare ein Vielfaches dessen, was Preiserhöhungen kosten. 

Quellen: Verivox/HNA

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