„Neue Eskalationsstufe“

Strompreis-Schock: Billiganbieter stellt Versorgung in manchen Bundesländern teilweise ein 

Steigende Energiekosten in Deutschland. Im Bild: Kraftwerk bei Frechen/Königsdorf
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Steigende Energiekosten in Deutschland. Im Bild: Kraftwerk bei Frechen/Königsdorf.

Die Inflation fordert Tribut. Der Stromanbieter Immergrün Energie verärgert am Freitag viele seiner Kunden: Bei ihnen wird schon bald die Energieversorgung eingestellt.

Köln/München - Die steigenden Energiepreise in Deutschland (und darüber hinaus) machen nicht nur Bürgern zu schaffen, auch Industrie und Wirtschaft. Der Billigstromanbieter Immergrün Energie stellt in Teilen von Hessen und Bremen die Belieferung von Hunderten Kunden ein. Wie das Handelsblatt berichtet, habe der Eigentümer Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft Verbrauchern am Freitag ein Kündigungsschreiben zukommen lassen, das auch dem Nachrichtenportal vorliege. Ab dem 19. Oktober soll die Strombelieferung gekappt werden.

Betroffene Kunden, denen ein Kündigungsschreiben von Immergrün ins Haus geflattert ist, haben dem Bericht nach elf Tage Zeit, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen: Wem das nicht rechtzeitig gelingt, der läuft jedoch nicht Gefahr, plötzlich ohne Strom dazustehen. Schließlich tritt dann automatisch eine staatliche Grundversorgung der Energie in Kraft.

Immergrün kündigt Stromlieferung - Für Experte „neue Eskalationsstufe“

Holger Schneidewindt, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, spricht von einer „neuen Eskalationsstufe“, die rekordverdächtigen Strompreise* würden immer mehr Unternehmen an den Rand des Ruins treiben. Radikale Maßnahmen wie die jetzige erscheinen als logische Folge. Letztlich bleibt offen, ob die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgung den Kündigungsschritt vollzieht, um Geld zu sparen - oder weil die Rekordstrompreise gar an der Existenz rütteln.

Der Experte empfiehlt den betroffenen Stromkunden, „diese Kündigung nicht widerstandslos zu akzeptieren“. Schneidewindt erwartet, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Stromanbieter in die Knie gehen und in die Insolvenz rutschen - erst dann seien seiner Ansicht nach die Unternehmen rechtlich von ihrer Verpflichtung befreit.

Als wichtigster Treiber der massiven Inflation im Energiesektor gelten die Preiserhöhungen für Erdgas, Steinkohle sowie CO2-Emissionszertifikate:

Strompreise in Deutschland: Billiganbieter in der Zwickmühle

Eine veröffentlichte Statistik gibt derweil Anlass zur Sorge: Noch im September bewegte sich der Großhandelspreis teils über 200 Euro je Megawattstunde (MWh) Strom – das war bereits der höchste Wert seit zehn Jahren. Dieser Wert habe sich seit dem Monatswechsel verdoppelt - und lag am Donnerstag bei 442,90 Euro. Das treffe dem Vernehmen nach vor allem Billigstromanbieter wie „Immergrün“: Die Marken kaufen Strom meist kurzfristig ein, können die stark gestiegenen Kosten aus Verbraucherschutzgründen jedoch nicht direkt an ihre Kunden weiterreichen.

Das Unternehmen mit Sitz in Köln, den meisten vermutlich eher durch die Marke „Immergrün“ ein Begriff, hatte bereits im September mit Preiserhöhungen auf massiv gestiegene Großhandelspreise reagiert, führt das Handelsblatt aus. Im Bundesland Bremen sei die Marke „Meisterstrom“ betroffen. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA 

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