Unis bieten Unterstützung

Zwischen Hörsaal und Wickeltisch - Studieren mit Kind

Im Studium ein Kind zu bekommen - das trauen sich nur wenige. Viele fühlen sich noch nicht reif für die Verantwortung. Oft fehlt auch ein fester Partner oder das nötige Geld. Wer sich dafür entscheidet, ist jedoch nicht allein. Die Unis bieten Unterstützung.

Mit Anfang 30 stand für Nagihan Atan fest: Jetzt möchte ich ein Kind. Ihr Studium der Erziehungswissenschaften und Soziologie an der Technischen Universität Dortmund konnte sie davon nicht abhalten. „Ich hatte ja schon eine Ausbildung, habe neben dem Studium immer gearbeitet und hatte auch nicht mehr alle Zeit der Welt für ein Kind“, erinnert sich die heute 37-Jährige.

Als Mutter war Atan an der Uni unter den Studenten eine Ausnahme. Gerade fünf Prozent der Studierenden hatten 2012 ein Kind. Das geht aus der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor. Unlängst hatte es eine öffentliche Debatte gegeben, dass ein Kind während des Studiums doch eigentlich optimal ist. Die Argumente: Wenn es mit der Karriere mit Anfang 30 richtig losgeht, sind die Kinder bereits aus dem Gröbsten heraus. Außerdem sind junge Eltern häufig gelassener.

Hilfe an der Uni oder beim Studentenwerk

„Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind gibt es nie“, dachte sich Atan. Doch mit der Schwangerschaft stellten sich auch viele Fragen. Wie das Ganze finanzieren? Welche Hilfen bietet die Uni? Kann eine werdende Mutter sich vom Studium beurlauben lassen? Werdende Eltern wenden sich zunächst am besten direkt an die Beratungsstelle der Universität oder des Studentenwerks, rät Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Von Wickeltischen über Stillräume bis hin zu Eltern-Cafés - viele praktische Informationen bekommen werdende Eltern dort.

Unterstützung erhalten Studenten auch bei der Finanzierung ihres Lebensunterhalts mit Kind. Wer Bafög bekommt, kann beispielsweise mit einem formlosen Antrag eine Verlängerung über die Höchstdauer hinaus beantragen. „Wichtig ist, dass man sich so früh wie möglich beim jeweiligen Studentenwerk und beim Bafög-Amt informiert“, empfiehlt Grob. Häufig gebe es auch eine Möglichkeit, werdenden Eltern zinsgünstige Darlehen zu gewähren. „Und natürlich erhalten auch Studierende Elterngeld und Kindergeld“, sagt Kratz.

Vom Studium beurlauben lassen

Schon einige Wochen nach der Geburt weiterzustudieren, funktioniert in der Regel nicht. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich für die Erziehung und Betreuung eigener Kinder vom Studium beurlauben zu lassen. Trotzdem dürften junge Eltern häufig Seminare besuchen, Prüfungen ablegen und Hausarbeiten einreichen, erzählt Kratz. „Die Beurlaubung ermöglicht es außerdem, Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II zu beantragen“, erklärt Marietta Fuhrmann-Koch, Sprecherin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Auch die Dozenten sollten möglichst früh informiert werden, rät Kratz. Viele hätten großes Verständnis für die besondere Situation von Studierenden mit Kindern. Sie gewährten Fristverlängerungen bei Abgaben von Hausarbeiten und machten eine Ausnahme von der Anwesenheitspflicht, die es bei vielen Seminaren sowieso nicht gibt.

„Ich habe mich nur ein Semester beurlauben lassen und bei der Arbeit ein Jahr Elternzeit genommen“, erinnert sich Nagihan Atan. Ihre Tochter ist inzwischen vier Jahre alt. „Natürlich ist es anstrengend, und ich werde mein Studium später abschließen, als ursprünglich geplant“, erzählt sie. Trotzdem: Im Studium ein Kind zu bekommen - unmöglich sei das nicht. (dpa)

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