Studierte Bauern

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In der Landwirtschaft läuft heute fast alles maschinell: das sorgt für einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Technikfachleuten.

Ein Bauer mit Diplom? Gibt es das wirklich? Und ob: Denn in der modernen Agrarbranche sind studierte Fachleute zunehmend gefragt. Sie haben daher gute Berufsaussichten.

Von Horst Heinz Grimm

Früher arbeitete ein Bauer mit den Händen. Das ist lange vorbei. Denn heute wird die Ernte mit großen Maschinen eingefahren. Und auch in die Tierhaltung hat die moderne Technik Einzug erhalten. Das macht die Arbeit im Agrarsektor deutlich anspruchsvoller. Fachleute mit Hochschulabschluss in der Tasche sind in der Landwirtschaft daher gefragt.

Studienabgänger in diesem Bereich hätten kein Problem, einen Job zu finden, meint Johannes Ritz von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) in Frankfurt. Es gebe einen großen Bedarf. Eine gute Ausbildung werde aber vorausgesetzt.

Denn die Arbeitswelt des Bauern ist komplexer geworden: Was früher der Acker war, heißt heute „Agri-Food-Business“. So nennen Fachleute die Ernährungskette vom Erzeuger auf dem Bauernhof über die Verarbeitung und den Handel bis zum Endverbraucher. Mehr als drei Millionen Menschen arbeiteten inzwischen in diesem Bereich, erläutert Markus Ebel-Waldmann, Präsident des Bundesverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt (VDL) in Berlin.

Zum passenden Abschluss führen mehrere Wege. Früher schloss das Studium mit dem Diplomingenieur ab. Heute macht man den Bachelor und kann die Ausbildung noch mit dem Master krönen. Zehn Universitäten und elf Fachhochschulen boten Anfang 2011 entsprechende Studiengänge an. Martin Lambers vom Deutschen Bauernverband (DBV) in Berlin rät, frühzeitig den künftigen Berufsbereich festzulegen.

Studienfächer

Die Themen im Studium klingen erst einmal nicht gerade nach handfester Feldarbeit. Ines Weber aus Westfalen gibt ein paar Beispiele aus dem Vorlesungsplan. Darauf stehen Fächer wie „Angewandte Informatik“ und Agrarchemie. Außerdem werden Boden-, Tier- und Pflanzenkunde gelehrt. Aber auch Volks- und Betriebswirtschaft, Mathematik und Statistik gehören zum Programm. Weber ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen, ihre Eltern haben einen bäuerlichen Familienbetrieb. Sie möchte nach einem Studium aber lieber einen Job im modernen Agri-Business finden – etwa in der Agrartechnik oder bei Herstellern von Pflanzenschutzmitteln, Saatgut und Düngemitteln.

Derzeit ist die Situation zweigeteilt: Großbetriebe sind heute vor allem im Osten Deutschlands verbreitet. „Dort werden mehr als die Hälfte der Fläche von Betrieben mit mindestens 1000 Hektar bewirtschaftet. Im Westen liegen die Größen zwischen 50 und 100 Hektar“, erklärt Prof. Bernd Dohmen von der Hochschule Anhalt in Bernburg. Klassische Landwirte seien schon eine Minderheit. Darauf müsse das Studium ausgerichtet sein.

Für Praktiker eignen sich auch duale Studienangebote, wie sie etwa die Universität Kassel im Programm hat. Dabei wechseln sich Einsätze im Betrieb und Lerneinheiten an der Hochschule ab. „Nach einer einjährigen Lehre mit Besuch der Berufsschule werden zwei Semester studiert und zwei Monate in einem Betrieb gearbeitet“, erklärt Holger Mittelstraß von der Uni Kassel. Im dritten Jahr seien acht Monate Praxis und ein Studiensemester vorgesehen. Und im vierten Jahr folgten auf zwei Monate Berufstätigkeit zwei Semester an der Uni. Am Ende erhalten Absolventen den Bachelor.

Ines Weber ist längst nicht die einzige Frau, die sich für diesen Bereich interessiert. Dohmen hat beobachtet, dass schon deutlich mehr als ein Drittel der Studenten in den Agrarwissenschaften weiblich sind. Er sieht für Absolventen gerade in den östlichen Bundesländern gute Jobchancen: Dort zeichneten sich Nachwuchsprobleme auf der Führungsebene in den landwirtschaftlichen Großbetrieben ab. (tmn)

Ingenieure und Techniker.pdf

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