Hochbetrieb bei Mineralbrunnen – Leergut wird bald knapp

Die Stunde der Wassermänner

Foto: dpa

Kassel / Göttingen. Die tropischen Temperaturen treiben den Mineralwasserbedarf in die Höhe und bescheren den Abfüllbetrieben nicht nur Vollauslastung, sondern auch Probleme: Sie kommen mit den Auslieferungen kaum hinterher und sehen ihre Leergutvorräte schwinden.

Die Hitze hat die Wassernachfrage verdreifacht. Im Durchschnitt werden an den Mineralbrunnen 600 000 Flaschen am Tag abgefüllt, im Moment würden aber 1,8 Millionen Flaschen verlangt, heißt es beim Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels.

„Wir fahren Sonderschichten und schaffen es trotzdem nicht“, sagt Petra Waldhoff, von der Volkmarser Mineralbrunnen Waldoff GmbH & Co.KG. 200 000 Flaschen Mineralwasser und süße Getränke produziert das Unternehmen aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg mit 20 Mitarbeitern zur Zeit am Tag.

Hochkonjunktur herrscht auch bei der Hassia-Gruppe mit 1250 Mitarbeitern, zu der unter anderem die Wilhelmsthaler Mineralbrunnen GmbH in Calden gehört. Die Brunnen spenden genügend Wasser – das Problem ist der Transport zum Händler. Bei Hassia setzen sich nun auch Mitarbeiter hinters Lastwagen-Steuer, die sonst am Schreibtisch Dienst tun: „Jeder, der einen Lkw-Führerschein hat, fährt Auslieferungen“, sagt Marketing-Leiter Ullrich Schweitzer. 300 Lastwagen mit zusammen vier Millionen Flaschen rollen pro Tag allein in Bad Vilbel vom Hof, 20 bis 40 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Monat. Der Wilhelmsthaler Mineralbrunnen mit 40 Beschäftigten hat die Tagesproduktion um bis zu 50 Prozent auf maximal 300 000 Flaschen hochgefahren.

Der Mineralwasserhersteller Förstina (Eichenzell-Lütter) aus der Rhön hat die Kapazitäten um bis zu 50 Prozent auf knapp zwei Mio. Flaschen pro Tag erhöht. Trotzdem kann „es Engpässe geben“, sagt Verkaufsleiter Gerhard Bub.

Leergut wird knapp

Fast jede zweite Mineralwasserflasche ist eine Mehrwegflasche. Wegen der Hochproduktion wird langsam das Leergut knapp, heißt es beim Verband deutscher Mineralbrunnen in Bonn, dem 210 Mineralwasserhersteller angehören. In Kellern und in Wochenendhäusern werden vergessene Kästen gehortet.

Dass der Nachfrageschub die Quellen erschöpft, ist jedoch nicht zu befürchten. Welche Mengen die Betriebe jeden Tag entnehmen dürfen, ist in den wasserrechtlichen Genehmigungen der Behörden geregelt. Die erlaubten Mengen übersteigen in der Regel die Produktionskapazitäten deutlich, erklärt das Regierungspräsidium Kassel. Auch die Trockenheit kann den Quellen bislang nichts anhaben: Das Mineralwasser, das in Tiefen von 150 bis knapp 1000 Meter gefördert wird, ist bereits vor Jahren oder Jahrzehnten dorthin gelangt.

13 Milliarden Liter Mineralwasser und -mischgetränke setzten die 211 deutschen Hersteller 2009 ab. Im Durchschnitt trinkt jeder Bundesbürger 174,4 Liter pro Jahr. Ob die Hitze der Branche, die 2009 rund drei Mrd. Euro umsetzte, ein Rekordjahr bringt, ist noch offen: Der späte Früling und der kalte Mai hatten ihr zuvor eine Durststrecke beschert.

Von Barbara Will

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