Nanotechnisch behandeltes Produkt soll absolut wasserundurchlässig sein

Neuer Baustoff Supersand

Nanotechnologie - Supersand

Homberg. Der Sand sieht völlig gewöhnlich aus - wie grauer, silbrig schimmernder Sand eben aussieht. Begießt man ihn aber mit Wasser, dann versickert es nicht, es bleibt stehen, es dringt nicht ein.

Hintergrund - Nanotechnologie ist weit verbreitet

Die Nanotechnologie befasst sich mit kleinsten Strukturen. Ein Nanometer (nm) ist der einmillionste Teil eines Millimeters. Zum Vergleich: Menschliche Haare messen 50 000, Zellen mehrere Tausend, Moleküle einige wenige und Atome 0,3 bis 0,4 nm.

Mit Nanotechnologie erzeugte oder veränderte Stoffen finden sich mittlerweile in einer Vielzahl von Alltagsprodukten wieder. In Medikamenten, Lebensmitteln, Kosmetik und auch Beton. Die Technologie ist allgegenwärtig, ohne dass wir es merken.

Beispiel Waschbecken mit schmutzabweisender Beschichtung: Diese ist wenige nm dünn und sorgt dafür, dass Wasser und Schmutz weit gehend abperlen. Dieses Prinzip ist der Lotusblüte abgeschaut. Und in der Lebensmittelindustrie bedient man sich ihrer, um durch bestimmte Zusatzstoffe die Dickflüssigkeit etwa von Ketchup dauerhaft zu gewährleisten. (jop)

Mit diesem aus dem arabischen Scheichtum Abu Dhabi stammendem neuen Produkt will der selbstständige Trockenbauer Andreas Kasch aus Homberg (Schwalm-Eder-Kreis) ein neues Geschäftsfeld erschließen. Er hat die exklusiven Vertriebsrechte für das neuartige Produkt für Deutschland.

Eigens dafür gründete er die Future Sand Solutions GmbH, die mit derzeit sieben freiberuflichen Mitarbeitern den wasserabweisenden Sand an den Kunden bringen will. Für Kasch hat der in einem nanotechnischen Prozess (siehe Hintergrund) mit einer geheim gehaltenen Substanz behandelte Sand gegenüber bislang im Bereich der Gebäude-Abdichtung oder im Wasserbau eingesetzten Verfahren unschätzbare Vorteile.

„Unser Produkt ist wasserdicht, einfach zu verarbeiten, kostet gegenüber herkömmlichen Verfahren weniger und ist immer wieder verwendbar“, versichert er. So reiche etwa bei der Trockenlegung eines Hauses ein 30-Zentimeter breiter Graben entlang der Außenmauer, der einfach mit dem Supersand aufgefüllt wird. Dämm- und Bitumenschicht erübrigten sich, so Kasch. Am Institut für Konstruktiven Ingenieursbau der Universität Kassel, das ebenfalls auf innovative Nanotechnologien setzt, ist der neue Sand bislang unbekannt.

„Aber grundsätzlich können wir uns solch ein Produkt gut vorstellen“, hieß es auf Anfrage. Anne Fenge, Finanz- und Personalchefin der Kasseler Bauunternehmung Hermanns AG, kennt das Produkt ebenso wenig, spricht aber von einer „interessanten Option“. Beim Teichbau erspart der in Matten gepresste Sand nach Angaben Kaschs viele Arbeitsschritte. Die robusten Matten könnten einfach ins ausgehobene Loch verlegt und miteinander verschweißt werden.

Der Homberger sieht auch im Hochwasserschutz und beim Deichbau eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für den behandelten Sand aus dem Mittleren Osten. Und auch für die Abdichtung von Haus-Bodenplatten eigne sich der Sand hervorragend. Der Homberger hofft mit seinen Mitstreitern bereits in diesem Jahr eine Mio. Euro mit dem neuen Produkt umsetzen zu können. Interessenten gebe es viele, aber noch keinen konkreten Auftrag. Wenn das Geschäft anlaufe, werde er den hierzulande zugelassenen Sand in einem Kieswerk in der Region in Lizenz herstellen lassen. Er kann sich für die Zukunft eine oder zwei Fertigungsstätten je Bundesland vorstellen.

Laut Kasch wird der hydrophobe Sand - wie das Produkt in der Fachsprache genannt wird - im mittleren Osten seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Hintergrund ist die Wasserknappheit in jenen Breitengraden. Wasserverluste etwa in Schwimm- und Zierteichen können sich dort auch betuchte Hausbesitzer kaum leisten. Hersteller ist ein Unternehmen namens Dime, das vom deutschen Geschäftsmann Helmut-Friedel Schulze und dessen Partner Fahd Mohammad Saeed Hareb geführt wird.

Futersand im Internet

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