Tanken: Montags sind Benzin und Diesel häufig am günstigsten 

Kassel/Göttingen. An die hohen Spritpreise haben sich Autofahrer zähneknirschend gewöhnt. Die starken Preisschwankungen an den Zapfsäulen sind für die meisten kaum nachzuvollziehen.

Dass der Preis für Benzin und Diesel zum Wochenende hin meist teurer ist als am Wochenanfang, hat sich längst herumgesprochen und ist auch durch ADAC-Langzeitbeobachtungen belegt. Dass aber der Preis von Montag auf Dienstag oft um bis zu zehn Cent in die Höhe schnellt, ist auch für Europas größten Automobilclub ein verhältnismäßig neues Phänomen.

ADAC-Sprecher Andreas Hölzel erklärt sich diese Systematik folgendermaßen: Übers Wochenende falle der Spritpreis tendenziell. Da die Preismacher der Mineralölkonzerne frei hätten, gebe es samstags und sonntags keine Gegenmaßnahmen. Erst im Laufe des Montags sortierten sich die Akteure neu. Hölzel: „Da gibt es sozusagen einen Neustart wie beim Computer.“ Weil die Handelnden wüssten, dass der Preis im Laufe der Woche durch Ausscheren einzelner Marktteilnehmer bröckelt, setze man hoch an, um am Ende der Woche noch drei bis vier Cent über den Montagspreisen zu liegen, so Hölzel. Am Montag beginne dann das Spiel von vorn.

Allerdings gebe es regionale Unterschiede, und darauf bauen, dass der Sprit am Montag stets am wenigsten koste, könne man nicht. Petra Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband erklärt die Preisschwankungen mit dem „starken Wettbewerb“ unter den 14 700 Tankstationen in Deutschland, die im Schnitt nur einen Cent je Liter Super verdienten. An manchen Tagen legten sie sogar drauf und erzielten nur dank des Shop-Geschäfts Gewinne. Dann erfolgten Preisanhebungen, die eine unangenehme Folge für die Tankstellenbetreiber hätten. Retzlaff: „Das schreckt Kunden ab, die Preise beginnen wieder zu fallen.“

Preisabsprachen zwischen Tankstellenbetreibern und Mineralölkonzernen scheint es nicht zu geben. Das Bundeskartellamt hat unlängst das Ergebnis einer langfristigen Marktbeobachtung vorgelegt und keine Hinweise auf Absprachen gefunden.

Allerdings stellten sie fest, dass die Preisrunden stets nach demselben – nicht verbotenen – Muster verliefen. Ein oder zwei Mineralölkonzerne erhöhten die Preise, die anderen zögen in festen Zeitkorridoren nach. So setzten sie stillschweigend höhere Preise durch. „Die Unternehmen verstehen sich ohne Worte, das führt zu überhöhten Preisen“, resümierte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Diese Praxis funktioniere, weil der Markt von fünf Konzernen BP (Aral), Shell, Esso, Total und ConocoPhillips (Jet) dominiert werde. Solange dies der Fall sei, werde sich an der umstrittenen Preisfindung nichts ändern.

Von José Pinto

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