Teamfähigkeit ist Trumpf: Ergotherapeuten müssen einfühlsam sein

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Stütze für Patienten: Ein Ergotherapeuten - hier beim Kegeln in einem Seniorenheim - müssen sich als Teamspieler verstehen.

Wenn Monika Tietz mit ihren Patienten übt, geht es oft um scheinbar einfache Dinge: sich anzuziehen oder zu waschen zum Beispiel. Nach einem Unfall oder einer Krankheit gehen solche Dinge unter Umständen aber nicht mehr so leicht.

Die Ergotherapeutin aus Berlin muss daher manchmal ganz klein anfangen, wenn sie ihre Patienten Schritt für Schritt wieder fit für den Alltag macht. Dabei ist viel Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt.

„Ein typisches Beispiel ist der Schlaganfall“, sagt Arnd Longrée vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten (DVE) in Karlsbad. Kleinste Bewegungsabläufe wie das Kochen oder Anziehen seien dann keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn in vielen Fällen hätten Betroffene mit Lähmungen zu kämpfen.

Ergotherapeuten leiten Patienten dann bei Knet-, Rechen- oder handwerklichen Aufgaben an, die für Außenstehende simpel erscheinen mögen. „Klappt die Übung nach einiger Zeit, ist das aber ein großer Erfolg im Heilungsprozess“, erklärt Tietz. Alltag und Beruf könnten dann vielleicht schon bald wieder selbst bestritten werden.

Zuvor wird nach Angaben des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg ein Behandlungsplan entworfen, der etwa das Umgestalten des Arbeitsplatzes oder des Tagesablaufs im Beruf zum Ziel hat. Dabei werden auch Angehörige und das Umfeld der Patienten einbezogen.

Die oft wochenlangen Therapien verlangen auch dem Behandler einiges ab. Ergotherapeuten müssen daher belastbar sein. Werden nach einem Schädel-Hirn-Trauma Aufmerksamkeit und Konzentration trainiert, müssen Therapeut und Patient gut zusammenarbeiten. Teamfähigkeit ist Tietz zufolge daher sehr wichtig in dem Beruf. Und es erfordere viel Training und Geduld, etwa eine verletzte Hand wieder beweglich und kräftig werden zu lassen.

In anderen Fällen ist eine schnelle Beurteilungsgabe nötig. Das gilt etwa, wenn ein Kind womöglich einen Entwicklungsrückstand hat. Dann müssen Ergotherapeuten feststellen, ob das Kind eventuell hyperaktiv ist oder am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leidet. „Gerade Kinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren müssen häufig zum Erwerb psychischer und sozialer Fähigkeiten angeleitet werden“, erklärt Tietz.

Für ihre Arbeit in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Gesundheitszentren, Sozialstationen oder Sonderschulen verdienen staatliche anerkannte Ergotherapeuten monatlich zwischen 1800 und 2200 Euro, ergänzt Arnd Longrée. Ergotherapeuten mit eigener Praxis können die Behandlungshonorare frei verhandeln.

Wer den Beruf ergreifen möchte, muss zuvor eine dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule absolvieren. In neun von zehn Fällen befinden sich diese laut dem DVE in privater Trägerschaft, weshalb in vielen Fällen ein monatliches Schulgeld zwischen 300 und 500 Euro anfällt. Insgesamt 184 Schulen listet der DVE auf, die meisten davon haben individuelle Aufnahmekriterien.

Voraussetzung ist nach dem Berufsgesetz der Abschluss der Realschule oder der Hauptschule plus einer zweijährigen Berufsausbildung. Gern gesehen sind von den Schulen auch Praktika im Gesundheitswesen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Die Ergotherapie-Ausbildung vermittelt medizinisches Fachwissen in den Bereichen Anatomie, Physiologie und Pädagogik, erläutert Antonia Werner-Samson von der Fresenius-Berufsfachschule in Idstein/Taunus. Daneben stehe das Arbeiten mit Material wie Ton, Holz, Stoff auf dem Lehrplan. „Interesse an Menschen, medizinischen Zusammenhängen und eine gewisse Kreativität sind daher Grundvoraussetzungen für den Beruf.“ Zur Ausbildung gehöre auch, Krankheitsbilder zu erstellen und davon eine Therapie abzuleiten, erklärt die Schulleiterin. Der Theorieunterricht wechselt mit Praxisphasen etwa in Kliniken ab. (dpa)

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