Stromanbieter wehrt sich gegen Überschuldungsgerücht – Übernahmegespräche

Teldafax in Bedrängnis

Troisdorf. Teldafax kämpft um seinen Ruf: Medienberichte sagen dem Strom- und Gasanbieter aus Troisdorf bei Bonn Überschuldung nach. Außerdem soll der Versorger, der Stadtwerken und Energiekonzernen mit niedrigen Preisen Konkurrenz macht, Strom zum Teil billiger verkaufen als beziehen. Nur durch Vorauszahlungen von immer neuen Kunden habe man einen halbwegs geordneten Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, schrieb das „Handelsblatt“.

Teldafax dementiert: Die Vorwürfe einer angeblichen Überschuldung seien „unhaltbar, falsch und geschäftsschädigend“, erklärte Holding-Chef Klaus Bath. Auch werde der Betrieb nicht nur noch durch Vorauszahlungen am Leben gehalten: 70 Prozent der Kunden beglichen ihre Rechnungen nicht per Vorauszahlung, sondern monatlich.

Anzeige erstattet

Das Unternehmen hat bei der Staatsanwaltschaft Bonn wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, erklärt ein Teldafax-Sprecher. Außerdem habe man der Behörde Unterlagen über den ehemaligen Finanzvorstand Alireza Assadi übergeben, der im Oktober 2009 „im gegenseitigen Einvernehmen“ Teldafax verlassen hatte. Mit im Paket: Informationen über die Frankfurter Ermittlungsfirma KDM, mit der Assadi mitunter zusammengearbeitet habe.

Nun verspricht Teldafax „eine lückenlose Aufklärung der offenbar verwirrenden Situation.“ Zur Verwirrung trägt nicht zuletzt der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Ex-Aufsichtsrat Michael Josten bei. 2007 war er wegen früherer Delikte zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er soll tausende von Immobilienanlegern um ihr Geld geprellt haben. Josten sei, „kurz nachdem wir Kenntnis von seiner Verurteilung hatten, aus unserem Aufsichtsrat ausgeschieden“, erklärt Teldafax.

Das Unternehmen, das 2003 die Markenrechte der Marburger Teldafax übernommen hatte, handelt seit Februar 2007 mit Strom und schreibt rote Zahlen.

Bis Ende 2007 summierte sich der Bilanzverlust der Teldafax Holding AG laut Bundesanzeiger auf 2,75 Millionen Euro. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Denn die Bilanz 2008 müsse korrigiert werden: Berücksichtige man die Kundenwerte, eine Art stille Reserve, steige das Eigenkapital der Holding seit 2007 von 25,7 Mio. auf aktuell 120 Mio. Euro. In diesem Jahr will Teldafax laut Barth 500 Mio. Euro umsetzen und 2011 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Einer Kapitalerhöhung von 27,5 Mio. Euro 2009 soll eine weitere von zwölf Mio. Euro zum Jahresende folgen.

Gleichzeitig wird mit einem russischen strategischen Investor verhandelt. Die Gespräche, bei denen es letztlich um eine Komplettübernahme gehe, seien weit fortgeschritten. An Teldafax ist die Schweizer Familie Stiffler zu rund 40 Prozent beteiligt. Den Rest teilen sich Investoren aus der Schweiz und aus Liechtenstein.

Von Barbara Will

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