Noch ist unklar, ob Kunden des Stromanbieters vorausgezahltes Geld zurückbekommen

Teldafax hat Insolvenz angemeldet

Kämpft ums Überleben: Der Stromanbieter Teldafax ist insolvent. Das Bild zeigt die Firmenzentrale in Troisdorf bei Bonn. Foto: dpa

Bonn/Kassel. Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter Teldafax hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Bonn berief am Dienstag den Rechtanwalt Biner Bähr zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die seit Monaten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfende Firma.

Das Unternehmen, das 680 000 Kunden hat, gab keinen Kommentar ab. Nach Angaben des Landgerichts Bonn hatte Teldafax selbst Insolvenzantrag für die Teldafax Holding AG, die Teldafax Energy GmbH und die Teldafax Services GmbH gestellt.

Versorgung: Die Versorgung der Abnehmer mit Strom und Gas ist gesichert. „Die Kunden fallen in der Regel in den Grundtarif des örtlichen Versorgers – das ist allerdings der teuerste“, sagt Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox.de. Verträge: Unklar sei, ob Teldafax-Kunden ihre Verträge kündigen können. „Um das zu prüfen, sollten sich Kunden an die Verbraucherzentralen oder an einen Fachanwalt für Insolvenzrecht wenden“, sagt Ginzel.

Ein Insolvenzverfahren bedeute nicht, dass sich das Unternehmen sofort in Luft auflöst, sagt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. „Der Insolvenzverwalter versucht ja, den Betrieb am Laufen zu halten und bestehende Verträge zu erfüllen.“ Die Kunden könnten deshalb nicht pauschal und fristlos ihre Verträge kündigen.

Vorkasse: „Kunden, die noch Forderungen haben, beispielsweise aus Vorauszahlung und Kaution, sollten sich umgehend an das Insolvenzgericht wenden“, sagt Ginzel. „Sie müssen sich in eine Liste eintragen und ihre Forderungen geltend machen, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. „Uns wurde mitgeteilt, dass Teldafax viele Sicherheiten bei den Netzbetreibern hinterlegt hat“, sagt die Verivox-Expertin. Dass Kunden Geld zurückbekommen, „erscheint also zumindest nicht als unmöglich“. Kunden, von denen Teldafax das Geld per Einzugsermächtigung erhielt, können die Abbuchung bei ihrer Bank rückgängig machen, wenn sie weniger als sechs Wochen zurückliege, erklärt Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der in der Zwischenzeit verbrauchte Strom müsse natürlich bezahlt werden. In den vergangenen Monaten hatten immer Strom- und Gasnetzbetreiber dem Unternehmen wegen Zahlungsverzuges den Netzzugang verweigert. An der Krise hatte auch ein Eigentümerwechsel nichts ändern können. Informationen: Das Amtsgericht Bonn hat eine Hotline unter den Durchwahlen 0228/702-2216, -2217, -1908 und -1909 eingerichtet. Die Ansprüchen können erst angemeldet werden, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Den Stand des Verfahrens können Nutzer im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de mit der Suche nach „Teldafax“ abrufen.

Weitere Informationen hat die Verbraucherzentrale Hessen im Internet unter www.verbraucher.de/energie bereitgestellt. (dapd/ntz/wll)

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