Telekom-Affäre: Ricke und Zumwinkel zahlen

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Kai-Uwe Ricke (l) und Klaus Zumwinkel.

Bonn - Knapp drei Jahre nach Bekanntwerden illegaler Schnüffeleien bei der Telekom zahlen die Ex-Manager Ricke und Zumwinkel mehr als eine Million Euro Schadensersatz. Schuld oder Verantwortung weisen sie aber strikt zurück.

Eigentlich waren Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel in der Frage stets unversöhnlich gestimmt: Alle Schuld und Verantwortung in der bislang größten Affäre bei der Telekom wiesen die Manager weit von sich. Und das nicht nur in strafrechtlicher Hinsicht, sondern auch zivilrechtlich. Nun sind sie doch eingeknickt und haben sich mit der Telekom auf einen Vergleich verständigt: Mehr als eine Million Euro zahlen der ehemalige Vorstandschef der Telekom und sein damaliger Boss im Aufsichtsrat an den Bonner Konzern.

Untergang der Namen

Untergang der großen Namen
AEG wird 1887 gegründet und 1996 aufgelöst. Der Markenname wird von verschiedenen Lizenznehmern genutzt. © dpa
dpa
 © 1985 wird Auto-Union in Audi unbenannt.
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1931 wird Auto-Union gegründet. Der Auto-Union Typ C Grand Prix 1936/37 steht im Deutschen Museum. © Reinhard Kurzendoerfer
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1910 wird das Reiseunternehmen ABR gegründet. 1997 verschmilzt ABR mit dem Deutschen Reisebüro (DER).  © dpa
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1891 wird der Maschinenbauer Babcock gegründet. 2005 folgt die Übernahme durch Bilfinger & Berger. © dpa
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1939 wird Borgward gegründet. Trotz dem Isabella-Komi meldet der Autohersteller 1961 Insolvenz an. © dpa
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1954 wird Commodore gegründet. 1994 Insolvenz. © dpa
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1992 startet die Deutsche BA. 2006 wird die Fluglinie von Air Berlin übernommen.  © dpa
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1899 wird DEA gegründet. 2002 von Shell aufgekauft. © dpa
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1916 wird DKW gegründet. 1932 fusioniert das Zweitakt-Geknatter mit der Auto-Union. © dpa
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1872 wird die Dresdner Bank gegründet. Bis Ende 2009 Übernahme durch die Commerzbank. © dpa
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1922 wird Fokker gegründet. 1996 Insolvenz, der Service-Betrieb läuft unter dem Namen Fokker-Services weiter. © dpa
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1930 wird Grundig gegründet. 2003 Insolvenz - die türkische Firma Beko produziert weiter Elektrogeräte unter diesem Namen. © dpa
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1810 wird Henschel gegründet. 1970 Übernahme der Lkw-Sparte durch Daimler-Benz. © dpa
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1863 wird Hoechst gegründet. 2004 Fusion mit Aventis und Sanofi. © dpa
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1849 wird Holzmann gegründet. 2002 Insolvenz. © dpa
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1995 wird LTU gegründet. 2008 Übernahme durch Air Berlin. © dpa
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1864 wird Magirus-Deutz gegründet. 1974 Fusion mit Iveco. © dpa
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1885 wird Mannesmann gegründet. 2002 Übernahme durch Vodafone sowie Siemens und Bosch. © dpa
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1859 wird Märklin gegründet. 2009: Insolvenzverfahren läuft. © dpa
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1952 Nixdorf. 1990 Fusion mit Siemens, seit 1999 Geldautomatenherstellung unter dem Namen Wincor-Nixdorf. © dpa
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1923 Nordmende. 1977 Verkauf an Thomson-Brandt. © dpa
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1873 NSU. 1969 Fusion mit der Auto-Union, die 1995 in Audi aufging. © dpa
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1919 Photo Porst. 2002 Insolvenz. © dpa
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1879 Rosenthal. 2009: Insolvenz läuft. © dpa
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1937 Remigton. 2003 Übernahme durch Rayovac. © dpa
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1875 Schiesser. 2009: Insolvenz läuft. © dpa
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1903 Telefunken. 1983 Verkauf an Thomson-Brandt. Die türkische Firma Profilio Telra vertreibt noch TV-Geräte unter dem Namen. © dpa
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1995 Viag Interkom. 2001 Übernahme durch Telefonica O2. © dpa
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1991 Walter Bau. 2005 Insolvenz. © dpa
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1917 Zündapp. 1984 Insolvenz. Das komplette Werk wird nach China verkauft. © dpa

“Wir begrüßen es, dass sie sich der Verantwortung stellen und unternehmerisch verantwortlich fühlen“, sagt verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom ist, ist eines der Opfer der Schnüffeleien. Ein anderer sagt: “Ein besseres Schuldeingeständnis gibt es nicht“. Zumwinkel dagegen lässt wissen, dass er die Angelegenheit durch eine einvernehmliche Verständigung habe befrieden und so weiteren Image-Schaden von der Telekom abwenden wollen.

Was war geschehen? In den Jahren 2005 und 2006 hatte die Telekom systematisch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Betriebsräte und Journalisten bespitzelt, um ein Informationsloch aufzudecken. Nur aus diesem Gremium, so wurde gemutmaßt, konnten die Interna an die Öffentlichkeit gelangt sein. Ricke und Zumwinkel schalteten die Konzernsicherheit ein. Doch an diesem Punkt können Fakten, Vermutungen und Unterstellungen nicht mehr klar voneinander getrennt werden. Haben Ricke oder Zumwinkel oder beide den Auftrag erteilt, unter allen Umständen und mit allen Mitteln die Leckage im Kontrollgremium aufzudecken oder haben sie nur von den Vorgängen gewusst? Beide sagen: nein, haben wir nicht!

Tatsächlich pochten die Opfer und ihre Anwälte immer wieder darauf, Ricke und Zumwinkel wegen Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz und der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses den Prozess zu machen. Doch die Ermittlungen gegen die Topmanager verliefen im Sande. Mitte 2010 wurden sie eingestellt. Aus Mangel an Beweisen wurden Ricke und Zumwinkel nicht angeklagt, es bestehe kein hinreichender Tatverdacht, begründete die Bonner Staatsanwaltschaft den Schritt damals.

Dennoch kam es zum Prozess - unter anderem gegen Manager der Konzernsicherheit. Der Chef der Abteilung, der am Ende alleine auf der Anklagebank saß, wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte die alleinige Verantwortung übernommen. Doch über dieses Urteil rümpften manche die Nase. “Ich kann mir kaum vorstellen, dass hier eine Person ohne Wissen der Konzernspitze gehandelt hat“, sagt Schröder. Über eine Beschwerde zur Einstellung der Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel muss die Oberstaatsanwaltschaft noch entscheiden.

Telekom-Chef René Obermann möchte nach drei Jahren das Thema endlich ad acta legen. Nachdem das Unternehmen im Frühjahr 2008 mit einer Anzeige den Fall selber ins Rollen gebracht hatte, setzte der Konzernchef alle Hebel in Gang, um die Affäre aufzuarbeiten. Der Manager entschuldigte sich nicht nur bei den Betroffenen. Im Vorstand wurde ein neues Ressort Datenschutz geschaffen und für die Betroffenen wurden Entschädigungen gezahlt und eine Spende von 1,7 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen geleistet. Einmal muss Obermann aber noch Rede und Antwort stehen: Auf der nächsten Hauptversammlung müssen die Aktionäre den Vergleich mit Ricke und Zumwinkel noch absegnen.

dpa

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