Die Tarifverhandlungen in der Metall-Industrie starteten wegen der Krise vorzeitig

Tempo für sichere Jobs

Arbeit für mehr als drei Millionen Menschen: Die Metall- und Elektro-Industrie ist die wichtigste Branche Deutschlands. Foto: dpa

IG Metall und Arbeitgeber wollen die Tarifrunde 2010 durchziehen. Im wichtigsten deutschen Industriezweig mit 3,4 Millionen Beschäftigten, steht die Sicherung der Arbeitsplätze im Vordergrund.

Doch auf dem Weg dahin müssen einige Hürden genommen werden.

Wie sollen die Jobs gesichert werden?

Die IG Metall will mit den Arbeitgebern ein Jobpaket vereinbaren. Es sieht vor, dass zunächst die konjunkturelle Kurzarbeit in den Betrieben voll genutzt wird.

Diese Möglichkeit ist wegen der seit Monaten anhaltenden Auftragsflaute aber bald ausgeschöpft. Um dann Entlassungen zu vermeiden, sollen weitere tarifliche Arbeitszeitreduzierungen möglich werden. Für das Jobpaket strebt Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann eine Laufzeit bis mindestens Mitte 2012 an.

Wie sehen die bisherigen Regelungen aus?

Nach den derzeitigen Tarifverträgen können Unternehmen zur Beschäftigungssicherung die Wochenarbeitszeit von den üblichen 35 auf 30 Stunden senken. Der Betriebsrat muss aber zustimmen. In einigen Bundesländern kann sogar auf 29 Stunden reduziert werden. Die Beschäftigten bekommen dafür eine Jobgarantie aber keinen Lohnausgleich.

Was soll sich ändern?

Nach den Vorstellungen der IG Metall soll die Arbeitszeit künftig bis auf 26 Wochenstunden heruntergeschraubt werden können. Anders als bisher will die Gewerkschaft aber neben der Arbeitsplatzgarantie zumindest einen teilweisen Lohnausgleich für die Beschäftigten durchsetzen. Die Frage ist aber, wie das bezahlt werden könnte.

Welche Rolle spielt die Politik?

IG Metall und Arbeitgeber verlangen, dass die Erleichterungen bei der konjunkturellen Kurzarbeit über das laufende Jahr hinaus gelten sollen. Auch der Teil-Lohnausgleich soll nach den Vorstellungen der Metaller von Steuern und Abgaben befreit werden. Dafür wäre aber die Zustimmung der Bundesregierung notwendig.

Verlangen die Metaller trotz der Krise mehr Geld?

Hier dürfte noch einiges Konfliktpotenzial stecken. Die IG Metall ist zwar erstmals in ihrer jüngeren Geschichte ohne konkret bezifferte Lohnforderung in die Gespräche gegangen. Aber sie hat klar gemacht, dass sie mindestens einen Inflationsausgleich verlangt. Dies würde etwa einem Prozent mehr Entgelt entsprechen.

Wie steht die Arbeitgeberseite diesem Vorschlag gegenüber?

Sie haben immer wieder betont, dass der Spielraum für mehr Geld wegen der anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage sehr gering ist. IG-Metall-Bezirksleiter Hofmann hatte ins Spiel gebracht, dass der Vertrag zu den Entgelten eine sehr kurze Laufzeit haben könnte. Dabei wären auch Einmalzahlungen möglich.

Warum wurden die Verhandlungen vorgezogen?

Arbeitgeber und Gewerkschaft wollen schnellstmöglich Regelungen finden, mit denen Arbeitsplätze erhalten werden können. Sonst fürchtet die IG Metall in den nächsten Jahren den Verlust von 700 000 Jobs. (dpa)

Von Stefanie Koller

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