Weniger Emission

Tempolimit: Ende des PS-Wettrüstens

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Um wie viel besser wäre die Welt ohne das Rasen auf den Autobahnen? Für den CO2-Ausstoß in Deutschland wurde das jetzt gemessen.

Neue Berechnungen über Co2-Einsparungen bei Tempolimit waren längst überfällig. Für eine Klimaschutzwirkung muss aber mehr passieren. Die Analyse.

  • Das Umweltbundesamt analysiert die Folgen eines Tempolimits auf Autobahnen
  • Das „Klimapaket“ bringt wenig
  • Verkehrsministerium will sich die Studie anschauen 

Endlich verlässliche Zahlen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Klimaschutz-Wirkung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen analysieren lassen. Das war überfällig, denn die letzte amtliche Berechnung zu diesem Dauerbrenner in der Debatte „Verkehr und CO2“ stammte aus dem Jahre 1999 zu Tempo 120 und war, wenn das Thema danach turnusmäßig aufploppte, nur hochgerechnet worden. In den zwei Jahrzehnten hat sich aber die Autoflotte stark verändert, die Autos sind deutlich schwerer und PS-stärker geworden, und es wird schneller gefahren. Außerdem gilt Tempo 130 heute als am ehesten praktikabel und findet bei Umfragen auch am meisten Zustimmung, doch es gibt auch Befürworter von Tempo 120 und 100, vor allem unter Umweltschützern.

Tempo 130 würde fünf Prozent CO2-Reduktion bringen

Nun wissen wir: Das 100er Limit würde als radikalste Maßnahme 5,4 Millionen Tonnen CO2 im Jahr einsparen, das 120er noch 2,6 und das 130er 1,9. Misst man den letzten, niedrigsten Wert am Gesamt-Treibhausgasausstoß des Verkehrs von 163 Millionen Tonnen anno 2018, erscheint das Ergebnis eher mager. Zumindest auf den ersten Blick. Es sind nur rund 1,2 Prozent. Zieht man die Emissionen der Pkw und leichten Nutzfahrzeuge von gut 39 Millionen Tonnen zum Vergleich heran – die hat das UBA für die Studie untersucht – bringt Tempo 130 immerhin knapp fünf Prozent Reduktion. Bei Tempo 100 wären es sogar rund 14 Prozent.

Das Problem ist: Obwohl der Verkehr wie alle Sektoren seinen fairen Anteil zum Klimaschutz beitragen müsste, ist hier in den 30 Jahren seit dem Basisjahr 1990 fast nichts geschehen. Die Emissionen sind kaum gesunken. Für 2030 wird es richtig eng. In dem Bereich müssen laut den Vorgaben der Bundesregierung 60 Millionen Jahrestonnen eingespart werden. Das „Klimapaket“, das unter anderem den Sprit verteuert, bringt laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aber nur eine Reduktion um 18,5 Millionen. Die Lücke ist gewaltig. Es sind viele Maßnahmen auf allen Ebenen nötig. Ein Tempolimit brächte hier durchaus einen Beitrag.

Tempolimit: Andreas Scheuer will die Zahlen analysieren

Dabei ist neben der CO2-Minderung, die sofort eintreten und praktisch nichts kosten würde, auch etwas anderes wichtig: Das bisherige PS- und Gewichts-Wettrüsten bei den Neuwagen würde gestoppt oder sogar umgekehrt. Autos, die auf Tempo 120 oder 130 ausgelegt werden, sind leichter und deutlich sparsamer als solche, die 200 oder sogar 250 Spitze schaffen. Laut Autoexperten könnte alleine das Abspecken bei den jeweiligen PKW rund ein Drittel CO2-Einsparung bringen. Besonders wichtig wäre das gemächlichere Fahren auch bei den Elektroautos, deren Reichweite bei Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometer stark abschmilzt. Also ein zentraler Faktor, um die E-Mobilität zum Erfolg zu machen, was die Bundesregierung als Ziel ausgegeben hat.

Die Groko war bisher in der Frage Tempolimit festgefahren – Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) pro, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) contra. Letzterer ließ nun wissen, man müsse sich die Zahlen erst genau anschauen. Man ahnt schon: Vom UBA wird er sich nicht umstimmen lassen. Wenn überhaupt, dann vom ADAC, der neuerdings nicht mehr für „freie Fahrt für freie Bürger“ kämpft. Letztere sprechen sich laut der jüngsten Umfrage zu zwei Dritteln für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung aus.

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