Ärger um Personal-Entscheidung

Tesla wirbt Chef von Mercedes ab – IG Metall wittert „Verrat“

Blick über die Baustelle der Tesla Gigafactory.
+
Baustelle des Tesla-Werks in Grünheide: Der E-Autopionier sucht händeringend Personal.

Tesla braucht für seine geplante Gigafactory in Grünheide einen neuen Werkleiter. Jetzt ist der E-Autopionier fündig geworden - bei Daimler. Bei der IG Metall sorgt die Personalie für Aufruhr.

  • Der kalifornische E-Autobauer Tesla kennt bei Problemen keine Gnade.
  • Im geplanten Werk in Grünheide musste der Werkleiter unlängst seinen Schreibtisch räumen.
  • Jetzt soll es ein langjähriger Daimler-Manager richten. Doch die Personalie birgt reichlich Zündstoff.

München – Der Autobauer Tesla ist bei der Personalsuche für sein neues Werk in Grünheide bei Berlin ziemlich anspruchsvoll. Erst am vergangenen Donnerstag war Tesla-Boss Elon Musk eigens aus den USA eingeflogen, um die Top-Ingenieure für seine neue Gigafactory persönlich auszuwählen.

Auf Twitter trat der Multi-Unternehmer mit der Suche nach den „25 Top-Guns“ eine Lawine los. Jetzt haben die Kalifornier die nächste „Top-Kanone“ verpflichtet: René Reif. Der langjährige Daimler-Manager soll Anfang 2021 neuer Leiter für das geplante Werk in Brandenburg werden.

Reifs Vorgänger war Ende Oktober entlassen worden. In Branchenkreisen hieß es damals, Grund für die Entscheidung seien womöglich nicht bezahlte Wasserrechnungen auf der Baustelle gewesen. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte daraufhin das Wasser abgedreht.

Nun soll es Reif richten. Der 57-Jährige gilt als erfahrener Manager. Seit 2017 führt er die beiden Daimler-Werke in Berlin und Hamburg. In Hamburg fertigt der Konzern unter anderem Achsen oder Lenksäulen. Das Werk in Berlin-Marienfelde hat sich auf Komponenten für die Motorsteuerung konzentriert. Allerdings steht das älteste, noch produzierende Daimler-Werk vor tiefen Einschnitten. Mittelfristig könnten 2000 der bislang rund 2500 Stellen gestrichen werden. In Branchenkreisen heißt es, viele Mitarbeiter dürften angesichts der düsteren Aussichten versucht sein, sich bei Tesla zu bewerben. Die neue Gigafactory liegt gerade 50 Kilometer entfernt.

Tesla in Deutschland: IG Metall wirft Daimler Kapitulation vor

Die IG Metall ist angesichts des Abgangs von Reif stinksauer. „Mit solchen seelenlosen Managern können wir die Zukunft nicht bauen“, schimpfte der Geschäftsführer der IG Metall, Jan Otto, am Mittwoch und wirft dem Ingenieur „Verrat“ vor.

Aber auch mit dem Stuttgarter Autobauer geht Otto scharf ins Gericht. Es könne doch nicht „angehen, dass Tesla ein ganz neues Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut und dem Daimler-Management fällt gleichzeitig nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk hier dicht machen zu wollen. Das ist verheerend für Deutschlands Premium-Automarke“, findet der Gewerkschafter. Man verstehe nicht, „warum so ein traditionsreicher und innovativer Autobauer wie der Daimler-Konzern vor dem amerikanischen Konkurrenten kapitulieren will“. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.