Trotz Garantiefall

Rentner kauft Gebrauchtwagen und erlebt „Ritt durch Teslas Service-Hölle“

Alles fing damit an, dass die Batterie des Teslas defekt war. Dann folgte ein Service-Fauxpas nach dem anderen. In einem Brief beschwert sich Dieter Evenschor nun bei Tesla.

Aachen - Wer gebrauchte Ware kauft, deren Garantiezeit noch nicht abgelaufen ist, wähnt sich oft in Sicherheit. Doch bei dem gebrauchten Tesla X von Rentner Dieter Evenschor konnte selbst das nicht helfen. Die Website efahrer.de veröffentlichte einen Brief des Rentners, indem er Tesla nun um Hilfe bittet. 

„Ich habe ein Tesla Model X 90D aus einem Leasingvertrag gekauft. Es hatte gerade 36.000 Kilometer auf dem Tacho und zwei Jahre gefahren. Dann hat es beim Besitzer allerdings zehn Monate gestanden. Garantien für das E-Auto, den Akku und Motoren sind vorhanden. Wegen einer defekten 12-Volt-Batterie wurde das Model X zur Tesla-Servicestelle nach Frankfurt geschleppt und überholt. Dort habe ich ihn abgeholt. Er war nicht einmal aufgeladen worden. Doch das sollte längst nicht Teslas letzter Service-Fauxpas gewesen sein“, schreibt Evenschor zu Beginn des Briefes. 

Tesla X: Nach der Reparatur entdeckte Evenschor noch viele weitere Defekte

Zurück in Aachen, wo Evenschor wohnt, stellte er eine ganze Liste von insgesamt 12 weiteren Mängelt fest: die Batterie konnte nicht vollständig aufgeladen worden, die Falcon-Türen waren verschoben und hatten so Lackschäden verursacht, das Leder der Sitze schlug Falten, die die Sitzlüftung beeinträchtigten. Zudem fand er etwa gelöste Verkleidungen, verrostete und fehlende Schrauben, defekte Schalter und Lämpchen.

Tesla: Aus Freude über das neue Auto wird Ärger über den miesen Service

„Was tut man nun? Meine Anrufe bei der Tesla*-Service-Nummer waren erfolglos”, schreibt Evenschor.

Tesla-Service miserabel? Versprochener Ersatzwagen fällt weg

So versuchte er es am 30. Juli 2019 im Tesla-Center in Düsseldorf und erfuhr, dass die Türen, auch Falcon-Wings genannt, nicht als Garantiefall gelten, die anderen Mängel jedoch schon. Nach zwei Wochen erhielt er endlich einen Termin für die Falcon-Wings-Reparatur: der 23. September. „‘Immerhin ein Schaden wird repariert‘, freute ich mich. Aber weit gefehlt!“, schreibt der Tesla-Besitzer.

Drei Tage vor dem Termin erfuhr er, dass Tesla* ihm nun doch keinen Ersatzwagen zur Verfügung stellen könne, da die Falcon-Wings-Werkstatt vergessen hatte, diese Kosten auf den Kostenvoranschlag für Tesla hinzuzufügen. Evenschor buchte den Ersatzwagen auf eigene Kosten, um den Termin trotzdem wahrnehmen zu können.

Der Termin für die restlichen Reparaturen ließ auch im September noch auf sich warten. Den „Servicemeister“ konnte Evenschor weder per E-Mail noch telefonisch erreichen. Bei der Tesla-Notlage-Hotline erfuhr er, dass eigentlich alle Ersatzteile bereitlägen und erhielt „vorsichtshalber“ schon einen Service-Termin. Dieser sollte am 16. Oktober sein, also zehn Wochen nach seiner ersten Kontaktaufnahme mit Tesla. „Und dies bei einem zwei Jahre alten Tesla Model X* mit Neupreis von 136.000 Euro. Aus meiner Erfahrung mit deutschen Premium-Autos weiß ich: Bei BMW oder Daimler-Benz wäre die Aktion binnen einer Woche erledigt gewesen. Was für ein Zustand im Hause Tesla!“, ärgert sich Evenschor.

Tesla-Fazit: Dutzende Mängel und schlechter Service

Auch die Abholung des Teslas nach der Reparatur verschob sich mehrmals. Zudem konnten nicht alle Mängel behoben worden. Tesla empfahl, für eineinhalb Tausend Euro einen neuen Sitz zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt übergab Evenschor die Sache einem Anwalt.

„Einige Tage später holte ich mein Model X endlich ab. Doch lange sollte ich keine Ruhe haben. Wieder und wieder treten Mängel auf, die Tesla meist auf Garantie repariert”, schreibt Evenschor. Beispielsweise wurde das rechten Motorlager sowie der komplette Kabelstrang ausgetauscht und eine offenbar ab Werk* schief eingebaute Platte begradigt.

„Mein Fazit: Nach vier Jahren, 54.000 Kilometern, dutzenden Mängeln und hunderten investierten Arbeitsstunden macht mein Model X immer noch schwere Probleme“, schreibt Evenschor. Und fordert eine Antwort und einen Lösungsvorschlag von Tesla, denn so gehe es nicht weiter. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Sven Hoppe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.