Stiftung Warentest

Test von Kinder­schutz-Apps: „Nur Hilfe, kein Schutz“ - Nur wenige Anwendungen überzeugen

Mann liegt auf Sofa und spielt mit dem Smartphone
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Um die Aktivitäten der Kinder am Smartphone zu kontrollieren, können Eltern verschiedene Apps nutzen. Doch nicht alle überzeugen im Test.

Was treibt der Nachwuchs am Smartphone? Um die Aktivitäten der Kinder an Handy und Tablet zu kontrollieren, gibt es verschiedene Apps. Doch laut Stiftung Warentest haben nicht alle überzeugt. 

  • Stiftung Warentest untersucht Kinderschutz-Apps
  • Neun Kinder­schutz-Anwendungen im Test
  • Nur zwei von neun Apps überzeugen die Experten

Kassel - Was machen unsere Kinder eigentlich so am Smartphone? Viele Eltern haben die Aktivitäten des Nachwuchs‘ an Handy oder Tablet gern im Blick. Hierfür wurden spezielle Anwendungen, sogenannte Kinder­schutz-Apps, entwickelt. Sie sollen Eltern helfen, ihre Kinder zu schützen und zu kontrollieren. Stiftung Warentest hat neun Apps getestet - nicht alle Anwendungen haben dabei überzeugt.

Kinderschutz-Apps im Test: Manche Anwendung auf Überwachung ausgelegt

Besitzen die Kinder ihre ersten eigenen Smartphones oder Tablets, kann Software den Eltern helfen, die Mediennut­zung ihrer Kinder zu steuern. Manche App ist laut Stiftung Warentest aber eher auf Über­wachung ausgelegt. Im Test der Kinder­schutz-Apps und ihrer Funk­tionen für die beiden Betriebs­systeme Apple iOS und Google Android schneiden daher nur zwei Anwendungen gut ab.

UnternehmenStiftung Warentest
Gründung4. Dezember 1964
CEOHubertus Primus (seit 2012)
Mitarbeiterzahl359 (im Jahr 2018)

Sowohl Google als auch Apple bieten Benutzer­konten für Kinder, die von den Eltern eingestellt werden können. Apple hat die Kinder­schutz­funk­tionen laut neuestem Test des Verbrauchermagazins Stiftung Warentest in seine Betriebs­systeme iOS und iPadOS integriert, Google bietet sie für Android per Gratis-App Family Link an.

Die Anwendungen funktionieren dabei alle gleich: Die Kinder-App kommt auf die Geräte der Kinder und die Eltern­version auf die Smartphones der Erwachsenen. Mit der Eltern-App kann dann die Kinder-App gesteuert werden.

Stiftung Warentest: Kinderschutz-Apps schützen nicht umfassend

Schon die Bezeichnung Kinder­schutz-App ist laut Verbraucher-Experten von Stiftung Warentest hoch gegriffen: „Die Apps helfen Eltern bei der Kontrolle und protokollieren, was das Kind tut. Umfassend schützen können sie es nicht“, heißt es im neuesten Test-Artikel.

Die Software könne bestimmte Webseiten oder die Ausführung nicht alters­gerechter Apps blockieren und die Bild­schirm­zeit für Kinder auf ein gesetztes Limit begrenzen. Die meisten Apps bieten auch eine Stand­ortverfolgung an, mit der Benutzer via GPS-Satelliten­signal verfolgt werden können.

Kinderschutz-Apps: Pädagogen raten von zu viel Überwachung ab

Von Stiftung Warentest befragte Pädagogen und Medien­profis raten jedoch von zu viel Kontrolle ab: „Setzen Sie die Stand­ortverfolgung nur ein, wenn Sie dies vorher mit Ihrem Kind besprochen haben und es damit einverstanden ist. Wer Schutz- und Über­wachungs-Tools heimlich auf den Geräten seines Kindes installiert, verspielt Vertrauen“, so die Aussage von Benjamin Thull von der Landes­anstalt für Kommunikation in Baden-Württem­berg.

Iren Schulz von der Initiative „Schau hin“ rät außerdem: „Apps sind nur eine Hilfe, kein sicherer Schutz. Schützen Sie Ihr Kind, indem Sie es zu kompetenter und kritischer Mediennut­zung erziehen. Das geht nicht allein über Verbote.“ Medien­kompetenz könne nur durch behut­sames Vermitteln der Eltern und durch Erfahrung entstehen. Apps können laut Stiftung Warentest zwar dabei helfen, bieten aber keinen umfassenden Schutz.

Schon die Kleinsten bedienen Smartphones: Eltern können mit speziellen Kinderschutz Apps die Aktivitäten der Kinder am Handy kontrollieren und steuern.

Kinderschutz-Apps im Test: Das sind die Kriterien der Stiftung Warentest

Bei der Untersuchung von Stiftung Warentest wurden die sogenannten Kinderschutz-Apps nach verschiedenen Kriterien bewertet (in Klammern ist der Wertungsanteil zu lesen):

  • Funk­tions­umfang (35 Prozent)
  • Familien­orientierung (30 Prozent)
  • Pädagogische Unterstüt­zung (25 Prozent)
  • Basis­schutz persönlicher Daten (10 Prozent)

Neben Kontroll­möglich­keiten der Eltern hinsicht­lich Nutzungs­zeit, Webseiten­aufrufen, verwendeter Apps und der Standort­nach­verfolgung des Kindes prüften die Experten von Stiftung Warentest unter anderem, wie flexibel sich die Apps in der Familie nutzen lassen. 

Kinderschutz-Apps: Die Sieger bei Stiftung Warentest

Die beste App im Test ist laut Stiftung Warentest „Salfeld Kinder­sicherung“ (KiSi). Sie wurde im Test als positiv und motivierend bewertet und setze auf das Gespräch zwischen Eltern und Kind, weniger auf Verbot und Kontrolle. Eine Jahres­lizenz der App ist mit Kosten von 19,95 Euro zwar auf den ersten Blick recht teuer, lohne sich aber laut Meinung der Experten für Familien mit Android-Smartphones.

Kostenlos sind hingegen die Kinder­schutz-Programme von Google mit der App Family Link und von Apple, integriert ins Betriebs­system iOS. Sie funktionieren laut Testergebnissen gut bis sehr gut. Um ungeeignete Webseiten zu blockieren und geeignete Seiten frei­zugeben, kann laut Verbraucher-Experten die Gratis-App JusProg genutzt werden.

Stiftung Warentest: Bekannte Anbieter überzeugen im Test nicht

Die Apps bekannter Sicher­heits­anbieter wie Kaspersky, McAfee und Norton hingegen haben im Test der Kinderschutz Apps nicht überzeugt, da manche Apps deutlich auf Über­wachung ausgelegt seien. Fast allen Programmen fehle pädagogische Unterstützung. Angesichts der Fülle von Funk­tionen und dem brisanten Thema ist besonders diese Unterstützung laut Stiftung Warentest für Eltern wichtig.

Video: Deswegen sind Smartphones für Kinder so schädlich

Im Test: Stiftung Warentest untersucht Car-Sharing Apps

Auch im Test bei Stiftung Warentest: Car-Sharing-Unternehmen mit App zu ihren Angeboten. Eine Car-Sharing App konnte die Experten von Stiftung Warentest nicht überzeugen.

Machen Smartphones Kinder süchtig? Wird mein Kind durch soziale Medien zum Monster? Die wichtigsten Antworten für Eltern. (Helena Gries)

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