Studie rechnet vor

Euro: So teuer käme uns der Griechen-Austritt

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Ein Austritt Griechenlands („Grexit“) aus der Eurozone könnte nach Einschätzung von Experten die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen.

Athen - Mit aller Macht wollen die Euro-Partner Griechenland in der Währungsunion halten. Doch was passiert, wenn das nicht gelingt? Einmal mehr haben Experten berechnet, welch große Risiken ein „Grexit“ für Europa und die Welt haben könnte.

Ein Austritt Griechenlands („Grexit“) aus der Eurozone könnte nach Einschätzung von Experten die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden. Das wäre der Fall, wenn die Anleger als Folge auch Spanien und Italien das Vertrauen entzögen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten käme. Die Bundesregierung will einen Euro-Austritt und Staatsbankrott Griechenlands vermeiden.

Euro-Schuldenkrise - Eine Chronologie

September 2004: Nach Berechnungen des europäischen Statistikamtes Eurostat hat Griechenland seine Zahlen zum Haushaltsdefizit seit 2000 frisiert. Eurostat kommt auf deutlich höhere Defizite. Damit wird klar, das EU-Land hat sich den Beitritt zur Euro-Zone 2001 mit falschen Zahlen erschlichen und immer mehr Schulden aufgehäuft. © dpa
Oktober 2009: Die oppositionellen Sozialisten gewinnen die vorgezogene Parlamentswahl. Giorgos Papandreou wird Ministerpräsident. Bei einer Staatsverschuldung von rund 260 Milliarden Euro ist jeder Grieche im Durchschnitt mit rund 25 000 Euro verschuldet. © dpa
Januar 2010: Die Regierung schickt ihren Sparplan zur Haushaltssanierung an die EU-Kommission. Sie will das Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit harten Einsparungen und Steuererhöhungen bis 2012 auf unter die in der Euro-Zone erlaubten drei Prozent drücken. © dpa
Februar 2010: Die EU-Kommission stellt Griechenland unter Aufsicht. Athen muss laut Brüssel sein Defizit bis 2012 in den Griff bekommen. © dpa
April 2010: Die Euro-Länder einigen sich auf ein Rettungspaket. Es soll über drei Jahre laufen; der Internationale Währungsfonds (IWF) soll beteiligt werden. Im Notfall könnte Griechenland im ersten Jahr auf Hilfen von insgesamt 45 Milliarden Euro zugreifen. Große Ratingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herab. In der Eurozone verschärft sich die Krise. © dpa
Mai 2010: Griechenland soll über drei Jahre Kredithilfen der Eurostaaten und des IWF von 110 Milliarden Euro bekommen. Athen muss das Defizit bis 2014 unter 3 (derzeit 13,6) Prozent absenken und beschließt ein striktes Sparprogramm. Im selben Monat spannen die EU-Staaten einen Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro auf, um klamme Euro-Länder notfalls mit Krediten zu versorgen. © dpa
Dezember 2010: Irland werden als erstem Land Hilfen aus dem Rettungsschirm EFSF bewilligt. Die EU-Finanzminister billigen das Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. © dpa
11./12. März 2011: Bei einem Sondergipfel einigen sich die 17 Staats- und Regierungschefs der Eurozone auf weitreichende Maßnahmen zur Absicherung der 1999 eingeführten Gemeinschaftswährung. Der Rettungsfonds EFSF für klamme Mitglieder wird ausgeweitet. Künftig können chronische Schuldensünder leichter an Geld kommen. © dpa
24./25. März 2011: Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder beschließen die Aufstockung des Rettungsfonds und einigen sich auf den “Pakt für den Euro“, der eine engere Abstimmung in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik vorsieht. Die Länder verpflichten sich zum Sparen. © dpa
April 2011: Die griechische Regierung stimmt die Bevölkerung auf ein weiteres hartes Sparprogramm ein. Der Fehlbetrag im Haushalt 2010 belief sich laut Eurostat auf 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zunächst war Athen von etwa 9,5 Prozent ausgegangen. © dpa
Mai 2011: Die EU verlangt den Griechen einen noch härteren Sparkurs ab, aber Regierung und Opposition sind tief zerstritten. Griechenland hat nur noch bis Mitte Juli Geld, dann droht die Staatspleite. © dpa
Mai 2011: Die Euro-Finanzminister billigen eine Nothilfe für Portugal in Höhe von 78 Milliarden Euro. Im Gegenzug muss die Regierung in Lissabon ein striktes Sparprogramm durchziehen. © dpa
Juni/Juli 2011: Bei einem Gipfel in Brüssel beschließen die EU-Staats- und Regierungschefs ein weiteres milliardenschweres Hilfsprogramm für Athen. Das griechische Parlament stimmt dem Sparprogramm der Regierung zu. © dpa
Juni/Juli 2011: Damit ist der Weg für weitere Milliarden-Hilfen fast frei. Die Chefs der Euro-Länder einigen sich bei einem Krisentreffen darauf, dass die neuen Hilfsmaßnahmen einen Umfang von 109 Milliarden Euro haben sollen. © dpa
Oktober 2011: Nach einem EU-Doppelgipfel steht ein Paket gegen die Krise: Griechenlands private Gläubiger sollen freiwillig einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zustimmen. © dpa
Oktober 2010: Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert. Nun soll es Kredithilfen von 100 Milliarden Euro geben, plus Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. © dpa
November 2011: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou tritt zurück. Nachfolger wird der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Lucas Papademos (parteilos), der eine Mehrparteien-Übergangsregierung bis zu Neuwahlen führen und im Parlament die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen durchsetzen soll. © dpa
Januar/Februar 2012: Griechenland und Vertreter des Internationalen Bankenverbandes IIF arbeiten an einer Vereinbarung über einen Schuldenschnitt, der im Endeffekt rund 100 Milliarden Euro umfassen soll. © dpa
Januar/Februar 2012: Experten der sogenannten Troika aus Vertretern der EU, des IWF und der Europäischen Zentralbank prüfen zugleich die Sparbemühungen Athens und verlangen weitere durchgreifende Maßnahmen, darunter Lohnkürzungen und die beschleunigte Verschlankung des Staatsapparats, die bislang kaum vorankommt. Vom geforderten breiten Konsens in Griechenland hängt das weitere Hilfsprogramm ab. © dpa
12. Februar 2012: Das griechische Parlament billigt das Sparpaket mit der Mehrheit von Konservativen und Sozialisten. Es gibt Gegenstimmen von kommunistischen und linken Abgeordneten sowie von zahlreichen Abweichlern aus den Reihen des Regierungslagers. © dpa
In Athen kommt es zu schweren Ausschreitungen, mit Dutzenden Verletzten und zahlreichen Festnahmen. Gebäude werden angezündet und Geschäfte geplündert. © ap

Insgesamt kommen die Autoren der Studie zwar zu dem Schluss, isoliert betrachtet wäre ein Staatsbankrott des Mittelmeerlandes und sein Euro-Austritt „für die Weltwirtschaft ökonomisch verkraftbar“. Diese Position hatte auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vertreten.

Die Prognos-Experten warnen aber: Es sei „jedoch nicht auszuschließen, dass die Kapitalmärkte dann auch Portugal, Spanien und Italien das Vertrauen entziehen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten kommt. Die Weltwirtschaft würde dadurch in eine tiefe Rezession fallen“. „Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher einen Staatsbankrott und Euroaustritt Griechenlands verhindern, um die damit verbundenen möglichen Dominoeffekte zu vermeiden.“

Deutschland müsste demnach allein bei einem Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum bis 2020 mit 73 Milliarden Euro Einbußen bei der Wirtschaftsleistung rechnen. Dazu kämen 64 Milliarden Euro Einmalkosten für den „Grexit“ durch Abschreibungen auf Forderungen privater und öffentlicher Gläubiger. Griechenland käme die Rückkehr zur Drachme weitaus teurer: Den Berechnungen zufolge müsste sich das Land auf 164 Milliarden Euro Wachstumsverluste bis 2020 einstellen.

Riesen-Wut: Griechen streiken gegen Sparkurs

In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
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In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
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In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP
In Griechenland steht das öffentliche Leben still: Aus Protest gegen den radikalen Sparkurs haben am Mittwoch umfangreiche Streiks in dem Mittelmeerland begonnen. © AP

Bei den Szenarien wurde unterstellt, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wurde angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde.

Griechenland hofft auf die nächste Milliardenhilfe der internationalen Partner. Ein positiver Bericht der „Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Voraussetzung für die Auszahlung der 31,5 Milliarden Euro. Kurz vor dem EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag (18./19.10.) hatte die Bundesregierung um Vertrauen für Griechenland geworben.

Griechenland: Hier brennt eine deutsche Flagge

Größtenteils verlief die Demonstration friedlich. © ap
Doch die Polizei sicherte ab. © ap
Lautstark wurde protestiert. © dpa
Einige Demonstranten versuchten, sich Zutritt zu Gebäuden zu verschaffen. © dpa
Die Polizisten mussten Tränengas einsetzen. © ap
Einige Demonstranten trugen die deutsche Flagge bei sich. Manche verbrannten sie. © dpa
Eine deutsche Flagge liegt am Boden. © dpa
Einige Demonstranten trugen die deutsche Flagge bei sich. Manche verbrannten sie. © dpa
Einige Demonstranten trugen die deutsche Flagge bei sich. Manche verbrannten sie. © dpa
Einige Demonstranten trugen die deutsche Flagge bei sich. Manche verbrannten sie. © dpa

Doch die Verhandlungen der griechischen Regierung mit den internationalen Geldgebern verlaufen zäh. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr, sollen die Verhandlungen nach dem EU-Gipfel wahrscheinlich erst am kommenden Montag fortgesetzt werden. Knackpunkt sind Reformen auf dem Arbeitsmarkt. Hinzu kommt, dass auch die Koalitionsregierung in Athen untereinander uneins ist. Seit Monaten wird um das geplante 13,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket gestritten.

Die griechischen Gewerkschaften laufen Sturm gegen noch weitere Einsparungen. An diesem Donnerstag wollen Staatsbedienstete, Bank-, Post- und Eisenbahnangestellte für 24 Stunden streiken. Erhebliche Behinderungen werde es auch im Nah- und im Luftverkehr sowie im Fährverkehr geben, kündigten die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE und ADEDY an. So müssen sich Reisende auf Verspätungen im Flugverkehr einstellen. Die Fluglotsen kündigten für diesen Donnerstag eine dreistündige Arbeitsniederlegung zwischen 09.00 Uhr und 12.00 Uhr MESZ an.

dpa

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