Milliarden-Schäden durch Flugverbote

Teure Asche

Foto: dpa

Frankfurt. Der lahmgelegte Flugverkehr wird für die Wirtschaft teuer. Pro Tag entgehen den Fluggesellschaften Einnahmen von 200 Millionen Dollar (150 Mio. Euro), schätzt der Branchenverband IATA. Der Schaden sei größer als nach den New Yorker Terroranschlägen im September 2001, sagte IATA-Präsident Giovanni Bisignani in Paris.

Immerhin, tröstet Bisignani, werde die Krise aber rasch überwunden werden, wenn der Luftraum wieder offen sei.

Auch Reiseveranstalter machen eher verzagt Kassensturz. Bei Europas größtem Reiseveranstalter TUI Travel schlagen die täglichen Belastungen durch den zu Boden gegangenen Luftverkehr mit 6,8 Mio. Euro zu Buche. Doch nicht nur Tourismuskonzerne und Fluggesellschaften verlieren in der isländischen Aschewolke Geld. Es trifft auch den Außenhandel. Zwar werden nach Gewicht gerechnet nur zwei bis drei Prozent der in Deutschland produzierten Ware per Flugzeug verschickt. Doch was vom Rollfeld abhebt, ist in der Regel, eilig, empfindlich – und wertvoll. 35 bis 40 Prozent des Außenhandels werden wertmäßig per Luftfracht abgewickelt, sagt Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Bei einem Exportvolumen von knapp einer Billion Euro im Jahr bleiben so täglich Ausfuhren für eine Milliarde Euro am Boden. Autobauer BMW kann Komponenten wie Getriebe nicht in die USA schicken, Maschinenbauer machen sich Sorgen, wie sie ihre Kunden in aller Welt mit Ersatzteilen und Servicetechnikern versorgen sollen.

Von den 1,6 Mio. Tonnen deutscher Ausfuhren per Luftfracht 2009, war rund ein Drittel für europäische Ziele bestimmt. Über 660 000 Tonnen gingen nach Asien, fast 360 000 Tonnen in die USA.

Dass ganze Industrieanlagen mangels Nachschub leerstehen und sich im Supermarkt die Regale leeren, ist hingegen unwahrscheinlich. Der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) in Berlin sieht nur in Einzelfällen gravierende Produktionsausfälle, wenn wichtige Ersatzteile fehlten oder Service-Personal nicht anreisen kann. Auch der Einzelhandel rechnet nicht mit großen Problemen, weil so gut wie alles auf dem Landweg importiert wird.

Region nicht betroffen

Die Unternehmen in der Region sind derzeit nicht betroffen. „Allenfalls bliebt mal ein einzelnes Ersatzteil derzeit an einem europäischen Flughafen liegen“, sagt Malte Harbusch, Sprecher des Originalteile Centers von VW in Baunatal. Im Werk selbst läuft die Produktion ohne Einschränkungen. Gleiches gilt für den Heiztechnik-Hersteller Viessmann (Allendorf/Eder). Auch das Solartechnik-Unternehmen SMA (Niestetal) hat keine Schwierigkeiten. Der Medizintechnik- und Pharmahersteller B.Braun Melsungen wartet zwar auf einige Sendungen, die in Malaysia oder in den USA am Boden stehen, „das Volumen ist im Vergleich zum Gesamtaufkommen jedoch gering“, sagt eine Sprecherin.

Der Kali- und Steinsalzkonzern K+S (Kassel) ist beim Transport bodenständig: Er setzt auf Bahn, Schiff und Lkw. (wll/dpa/apn)

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