Berufspendler sind von hohen Benzin- und Dieselpreisen besonders betroffen

Teure Fahrt zur Arbeit

Kassel/Göttingen. Die Autofahrer stöhnen unter den ständig steigenden Spritpreisen. Besonders hart trifft es die vielen Berufspendler, die täglich weite Strecken mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen, weil es an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt oder Fahrpläne nicht zu den Arbeitszeiten passen. Während sie für Kraftstoff immer tiefer in die Tasche greifen müssen, ist die Pendlerpauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer, die Arbeitnehmer steuerlich geltend machen können, seit sieben Jahren unverändert.

„Pauschale anheben“

Sogar der Bund der Steuerzahler (BdSt), der sich ansonsten für Steuersenkungen und Subventionsabbau einsetzt, fordert eine Anhebung der Pauschale. „Die jetzige Pauschale spiegelt nicht annähernd die Kosten wider, die Pendlern entstehen. Sie muss angehoben werden, zumal der Staat kräftig an Benzin und Diesel verdient“, sagt BdSt-Vizepräsident Reiner Holznagel.

Derzeit liegt der Steueranteil bei Superkraftstoff bei etwa 91 und bei Diesel bei 70 Cent je Liter

Um wieviel der BdSt die Pauschale angehoben haben will, sagt er noch nicht. Auch der ADAC hat sich noch nicht auf eine Zahl festgelegt. Dass die Pauschale aber „kräftig erhöht werden muss“, daran lässt der Sprecher des Verkehrsclubs, Andreas Hölzel, keinen Zweifel. „Die Pendler können die Mehrkosten nicht mehr schultern“, sagt er. Die Regierung müsse handeln. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt dies aber bislang strikt ab.

Gegenüber 2004, als Superbenzin 1,14 Euro und Diesel 95 Cent je Liter kostete, muss ein Göttinger, der täglich nach Kassel zur Arbeit und zurück pendelt, also insgesamt 100 Kilometer zurücklegt, statt 2080 jetzt jährlich 2962 Euro für Sprit ausgeben. Das sind Mehrkosten von 882 Euro. Grundlage der aktuellen Berechnung sind 230 Arbeitstage, ein VW Golf, der acht Liter Super auf 100 Kilometer verbraucht, und ein Benzinpreis von 1,61 Euro. Wer einen Golf Diesel fährt, der etwa sechs Liter auf 100 Kilometer nimmt, kommt etwas günstiger davon: statt gut 1300 Euro Spritkosten vor sieben Jahren sind es nun rund 2000 Euro.

Abhängig vom persönlichen Steuersatz erstattet der Fiskus in unserem Rechenbeispiel seit 2004 unverändert jährlich 500 bis 860 Euro über den Lohnsteuerjahresausgleich zurück - ganz gleich, welches Auto man fährt. Das allerdings ist sowieso nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die tatsächlichen Kosten für das Pendeln sind sehr viel höher. Neben Sprit müssen anteilig auch Wertverlust des Fahrzeugs, Pflege-, Reparatur- und Verschleißkosten sowie Versicherung und Kfz-Steuern in die Gesamtkostenrechnung einfließen.

Und die liegen bei einem VW Golf Benziner nach jüngsten Berechnungen des Steuerzahlerbundes bei 26,5 Cent je gefahrenen Kilometer. Demnach kosten dem Göttinger Pendler die täglichen Fahrten zur Arbeit nach Kassel und zurück jährlich fast 6100 Euro. Abzüglich der Steuererstattung sind es immer noch 5200 bis 5600 Euro.

Von José Pinto

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