Die Kasseler BASF-Tochter Wintershall setzt auf die Zeit nach der Krise – und investiert drei Milliarden Euro

Die teure Suche nach Öl und Gas

Rainer Seele Foto: dpa

Kassel. Wenn Rainer Seele, über das Geschäftsjahr 2009 spricht, fällt als erstes das Wort „Herausforderung“. Zu hoch gegriffen ist das nicht, denn der 50-Jährige, hatte bei der ersten Bilanz, die er als Vorstandschef der Kasseler Wintershall Holding AG vorlegte, keine guten Zahlen zu verkünden. Die BASF-Tochter, Deutschlands größter Öl- und Gasproduzent hat in der Wirtschaftskrise Federn gelassen.

Die Krise hat nicht nur den Ölpreis auf ein Tief von bis zu 40 Dollar gedrückt, sondern auch den Gasmarkt durcheinandergewirbelt. Die Nachfrage sinkt, das Angebot steigt, überschüssiges verflüssigtes Gas, so genanntes LNG, überschwemmt die Spotmärkte. Einen „regelrechten Stresstest“ für die gesamte Branche nennt Seele die Lage.

Etwa drei Jahre werde es dauern, bis sich wieder ein Gleichgewicht eingependelt habe. Inzwischen nehmen die Kasseler viel Geld in die Hand. Über drei Mrd. Euro wird Wintershall in diesem und den beiden folgenden Jahren in das E&P-Geschäft, das heißt Erschließung und Förderung, stecken. Die Wingas-Gruppe, zu der neben dem Erdgashandel auch Pipelinebau und -betreibung gehören, ist mit weiteren 1,5 Mrd. Euro dabei, 600 Millionen Euro davon in diesem Jahr. Dabei schlägt unter anderem der Bau der Opal-Leitung zu Buche, die Gas aus der Ostseepipeline Nord Stream bis zur tschechischen Grenze transportieren wird.

Die Wintershall-Milliarden werden in die Vorkommensuche und die Forschung fließen, sowie in die Entwicklung von Feldern und den Produktionsausbau. Schwerpunkte sind nach Worten von Wintershall-Vorstand Ties Tiessen Südamerika, die Nordsee, Norwegen, Russland, und der mittlere Osten. Zum Vergleich: 2009 waren in Erkundung und Produktion 740 Mio. Euro investiert worden.

Doch es geht nicht nur um Produktionsausbau. „Es reicht nicht mehr, nur die leichten 30 Prozent einer Öllagerstätte aus dem Boden zu holen“, sagt Seele. „Wintershall steht für die zusätzlichen, schweren zehn bis 20 Prozent.“

Die BASF-Tochter holte 2009 weniger Öl und mehr Gas aus dem Boden als im Vorjahr, wurde sie aber nur zu geringeren Preisen los. Das Resultat: Der Nettoumsatz, ohne Erdgassteuer, schrumpfte in der Gruppe um 21,4 Prozent auf 3,09 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 40,5 Prozent auf 2,29 Mrd. Euro ein. Dabei fuhr Wintershall die Förderung um sechs Mio. auf 136 Millionen Tonnen Öl-Äquivalent herauf. Das bedeutet: Öl und Gas lieferten so viel Energie wie 136 Mio. Fass Öl mit je 159 Litern. Die Produktion soll in diesem Jahr auf 140 Mio. Barrel Öläquivalent steigen.

Zu verdanken war der Schub vor allem der Gasförderung in den sibirischen Vorkommen Juschno Russkoje und Achimgaz, die mit der russischen Gazprom ausgebeutet werden. 2010 rechnet Wintershall mit einem Ölpreis von durchschnittlich 75 Dollar, das wären 53,57 Euro, weil die Kasseler den Euro bei 1,40 Dollar sehen. Das Ergebnis soll sich „auf hohem Niveau“ stabilisieren.

Von Barbara Will

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