Spritpreise steigen - Grund ist laut Mineralölindustrie die starke Nachfrage auf dem Weltmarkt

Teures Benzin trotz günstigem Öl

Kassel. Tanken macht derzeit keinen Spaß. Der Benzinpreis steigt und steigt. Am Donnerstag lag er im Schnitt bei etwa 1,419 Euro pro Liter Superbenzin - das sind sechs Cent mehr als in der Vorwoche.

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Am Rohölpreis kann das nicht liegen: Dieser ist mit 80 Dollar pro Barrel (159 Liter) derzeit relativ niedrig. Woher kommt also der Preisanstieg beim Benzin?

1. Preiszusammensetzung

Verbrauchertipp

Wer Geld sparen will, sollte laut dem Deutschen Automobilclub ADAC möglichst sonntags oder montags tanken, dann sind die Benzinpreise am niedrigsten. Teure Markentankstellen links liegen lassen und lieber freie Tankstellen aufsuchen, rät der Autoclub Europa. (jul)

Der Benzinpreis wird nicht allein vom Rohölpreis bestimmt. Laut Mineralölwirtschaftsverband entfallen derzeit 63 Prozent des Preises auf Steuern und Abgaben (Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer). Der eigentliche Produktpreis macht nur ein gutes Viertel des Verbraucherpreises aus. Von den verbleibenden knapp zehn Prozent müssen die Kosten für Raffinerie, Vertrieb und Transport abgezogen werden - der Reingewinn für den Anbieter ist also noch niedriger.

2. Spekulation

Der Autoclub Europa (ACE) wirft den Großkonzernen vor, es gebe keine marktwirtschaftliche Begründung für die hohen Preise. „Die Kunden an der Tankstelle zahlen den Preis der Börse, der von den Spekulanten bestimmt wird - und nicht von den realen Rohstoffpreisen“, sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

3. Nachfrage

„Der Benzinpreis wird auf dem Weltmarkt gemacht und somit bestimmt von Angebot und Nachfrage“, sagt Dr. Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands. Derzeit komme die Nachfrage nach Benzin verstärkt aus den USA, wo jetzt im Frühjahr die Autosaison beginnt. „Das zieht den Preis nach oben“, sagt Retzlaff, „und das merken auch die Verbraucher in Deutschland.“

4. Wettbewerb

„Es gibt relativ wenig Anbieter auf dem Benzinmarkt“, sagt Kay Weidner, Pressesprecher des Bundeskartellamts. „Das macht einen Wettbewerb natürlich schwierig.“ Der Autoclub Europa fordert deshalb, dass die Politik eingreift: „Fusionen zwischen großen Konzernen müssen verhindert werden“, sagt Rainer Hillgärtner.Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband hingegen sagt, die häufig wechselnden Preise an deutschen Tankstellen seien im Gegenteil ein Zeichen für einen enormen Wettbewerb.

5. Transparenz

Weil die Preise an den Tankstellen meist parallel in die Höhe schnellen, vermuten manche dahinter illegale Preisabsprachen. Aber: „Uns liegen keine Hinweise auf Absprachen vor“, sagt Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamts. Der Markt sei eben sehr transparent. Das heißt, jeder Anbieter sieht sofort, wenn ein anderer die Preise erhöht - und kann entsprechend nachziehen. „Dieses voneinander Abgucken ist aber nicht illegal“, sagt Weidner.

Von Judith Féaux de Lacroix

Fotostrecke: Skurrile Begründungen für steigende Benzinpreise

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