Nutzer hatten sich schwere Verbrennungen zugezogen

Thermomix-Unfälle in Australien: Was Verbraucher jetzt wissen müssen

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Berühmter Küchenhelfer: Der moderne Thermomix TM5 von Vorwerk. Mit einem älteren Modell gab es in Australien Probleme. 

Kochen, kneten, erhitzen und wiegen - es gibt fast nichts, was der Thermomix in der Küche nicht kann. Einigen Australiern wurde das elektrische Gerät aber jetzt zum Verhängnis. 

An defekten Thermomix-Geräten hatten sich mindestens 18 Personen derart starke Verbrennungen zugezogen, dass sie ärztlich behandelt werden mussten. Nach einem Gerichtsurteil muss ein Vertriebspartner des Herstellers Vorwerk nun knapp 2,9 Millionen Euro Strafe zahlen. Wir beantworten wichtige Fragen für Verbraucher:

Was hat den Defekt an den Geräten verursacht? 

Der Hersteller Vorwerk hat im September 2014 festgestellt, dass bei einigen Thermomix-Geräten des Modells TM31 der Dichtungsring im Deckel nicht einwandfrei funktioniert. Dadurch war der Verschluss während der Zubereitung weggeflogen. Mehrere Personen hatten sich durch heiße Flüssigkeit, die nach oben gespritzt war, stark verbrannt. Vorwerk habe einen Warnhinweis veröffentlicht, alle Kunden einer bestimmten Produktionscharge angeschrieben und den Dichtungsring der Geräte kostenlos ausgetauscht, wie Vorwerk-Sprecher Michael Weber unserer Zeitung mitteilt.

Wer hat die Klage eingereicht und wie hat das Gericht entschieden? 

Die Unfälle ereigneten sich bereits zwischen 2014 und 2016. Die oberste australische Verbraucherschutzbehörde ACCC reichte die Klage gegen die Thermomix-Vertriebsfirma aber erst vergangenes Jahr ein. Der Bundesgerichtshof in Melbourne befand am Mittwoch, dass die Vertriebsfirma „Thermomix in Australia“ das defekte Thermomix-Modell knapp drei Monate lang weiterverkaufte, obwohl das Unternehmen das potenzielle Verletzungsrisiko kannte. 

Erst im September 2014 informierte das Unternehmen die Verbraucher in einem Rückruf über die Sicherheitsprobleme. Nach australischem Gesetz muss dies innerhalb von 48 Stunden geschehen. 

Warum muss Vorwerk als Hersteller nicht für die Unfälle in Australien haften? 

Die Klage richtete sich gegen die Vertriebsfirma als Verkäufer der Thermomix-Geräte, nicht gegen Vorwerk als Hersteller. Bei dieser Firma handele es sich nicht um eine Tochtergesellschaft von Vorwerk, sondern um einen unabhängigen Handels- und Vertriebpartner.

Dieses Video ist ein Inhalt des Videomarktplatzes Glomex und wurde nicht von der HNA produziert.

Was bedeutet das für Thermomix-Nutzer in Deutschland? 

Das betroffene Thermomix-Modell TM31 war bis September 2014 auch auf dem deutschen Markt erhältlich. Ähnliche Fälle sind bislang aber nicht bekannt, wie auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen mitteilt.

Ist es generell noch sicher, einen Thermomix zu benutzen? 

Das defekte Modell TM31 wird von Vorwerk seit September 2014 nicht mehr vertrieben. Allgemein sagt der Hersteller, dass der Thermomix ein sicheres Produkt sei, solange die Sicherheitshinweise in der Bedienungsanleitung beachtet werden.

Dieses Video ist ein Inhalt des Videomarktplatzes Glomex und wurde nicht von der HNA produziert.

Welche Rechte haben Verbraucher in Deutschland, wenn sie durch ein defektes Gerät verletzen? 

„Ist die gekaufte Ware fehlerhaft, haftet der Verkäufer in der Regel nur für die Mängel am Produkt selbst“, sagt Mona Semmler von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Für weitergehende Schäden, die in Folge der Nutzung des fehlerhaften Produktes eintreten, wie beispielsweise Verbrennungen, haftet in Deutschland grundsätzlich der Hersteller.

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