Bäckerei-Kette will auf dem Markt der Bewerber bessere Auszubildende finden

Thiele lockt mit Extra-Geld

Freundlich: So wie Shari Hammen wünschen sich viele Betriebe ihre Auszubildenden. Die 17-Jährige macht in Göttingen bei Thiele eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin. Fotos: Köppe

Kassel / Göttingen. 500 Euro für den Führerschein – geschenkt. Mit diesem Angebot fischt ab diesem Jahr die Feinbäckerei Thiele GmbH nach geeigneten Bewerbern, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Was sich die Bäckerei davon verspricht? Dass die besten Bewerber auf sie aufmerksam werden.

Das Unternehmen hat 38 Filialen zwischen Kassel im Süden und Einbeck im Norden und stellt jährlich zehn bis fünfzehn Auszubildende ein. Insgesamt arbeiten bei Thiele 360 Beschäftigte, 35 von ihnen sind Auszubildende. Zu weiteren Zahlen macht Thiele keine Angaben. Geschäftsführer Michael Hann (47) verrät nur: Täglich gehen tausende von Brötchen in den Filialen über den Tresen, der Jahresumsatz schwankt um zehn Millionen Euro.

„Es fällt schwer, Auszubildende zu finden, die willig und fähig sind“, sagt Hann. Er sucht einerseits nach cleveren Bewerbern mit guten Noten, andererseits aber vor allem nach Bewerbern, die gut mit Kunden umgehen können. „Es ist weniger das Wissen, das fehlt, es sind das Sozialverhalten und die Lust, etwas zu machen, an denen es hapert.“

Die 17-jährige Shari Hammen ist eine der Bewerberinnen, die Hann eingestellt hat, nachdem die Werbung mit dem Führerschein-Zuschuss angelaufen war. Sie hatte bei dem Unternehmen bereits ausgeholfen und sich dort wohl gefühlt.

Allerdings war es nicht nur das Team, das sie überzeugt hat, ihre Ausbildung bei Thiele zu beginnen. Es waren auch die 500 Euro Führerschein-Zuschuss. „Ja klar war das ein Argument“, sagt Hammen und lächelt. Drei weiteren Zusagen von Betrieben sagte sie ab. „Manche sagen, dass Thiele die Auszubildenden kauft“, erzählt sie, stört sich aber nicht daran. Die anderen könnten sich auch bewerben. Shari Hammen hat einen Hauptschulabschluss und sagt, dass sich fast jeder Zweite in ihrer Klasse hat hängen lassen. „Sie haben einfach keine Lust.“

Wer sich bei Thiele ausbilden lassen will, muss motiviert sein. Neben Unterricht an berufsbildenden Schulen gibt es extra-Schulungen. Bei einem guten Notendurchschnitt verschenkt Thiele noch einmal 125 bis 300 Euro pro Lehrjahr. Trotzdem sagt Hann: „Ich glaube nicht, dass wir uns irgendwann nicht mehr vor guten Bewerbern retten können.“ Zuerst müsse in der Erziehung, in der Schule und im Kindergarten mehr Wert auf Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit gelegt werden.

Shari Hammen macht bald den Führerschein. Und Hann freut jeder Auszubildende, der mobil ist.

Von Dorothee Köppe

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