"Wie die Katze"

Middelhoff flieht vor Fotografen übers Dach

Düsseldorf - Thomas Middelhoff ist schon über 60. Doch um Fotografen zu entgehen, riskiert er Kopf und Kragen. Dabei nimmt der Manager kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine komplizierten Finanzen geht.

„Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße.“ Der immerhin schon 61-jährige Thomas Middelhoff erzählt die Geschichte von seiner filmreifen Flucht nicht ohne Stolz.

Ereignet hatte sich das Ganze am vergangenen Freitag. Middelhoff hatte vor einem Gerichtsvollzieher in Essen seine Vermögensverhältnisse offenlegen müssen, weil ein früherer Geschäftspartner Millionen von ihm fordert, wie der Manager selbst bestätigt. „Focus“, „Spiegel“ und „Bild am Sonntag“ hatten zuvor darüber berichtet.

So etwas ist schon im Normalfall nicht angenehm. Doch noch unangenehmer wurde der Termin für Middelhoff, weil vor der Tür Journalisten auf ihn warteten. „Vor dem Gerichtsgebäude lauerten Journalisten, die mich mit ihren Fotoapparaten abschießen wollten wie Freiwild“, erzählt er selbst. Das habe er sich und seiner Familie nicht antun wollen. Als er davon erfahren habe, habe er erst einmal nach einem Hinterausgang gefragt, erzählt der 61-Jährige. Doch gab es keinen. Da sei er auf die Idee gekommen, unbemerkt über das Garagendach und den Hinterhof zu verschwinden.

Ein Mitarbeiter des Gerichts habe sogar noch nach einer Leiter gesucht, um ihm den Abstieg auf das Garagendach zu erleichtern, doch sie sei zu kurz gewesen. Da sei er einfach aus dem Fenster gesprungen. Nachdem er dann wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sei er „fröhlich pfeifend“ zu einer Nebenstraße gegangen. Dort habe er sich ein Taxi herbeigewunken und sei dann später nach London geflogen.

Middelhoff: Bin gar nicht geflüchtet

„Ich bin nicht vor den Fragen der Journalisten geflüchtet“, beteuert Middelhoff. Tatsächlich gibt er freimütig Auskunft über seine nicht ganz einfache Finanzlage. Nach Angaben des Managers verlangt allein der Unternehmensberater Roland Berger 7,5 Millionen Euro von ihm, davon seien rund 2 Millionen Euro bereits durch Sicherheiten gedeckt. Sein früherer Vermögensverwalter Josef Esch fordere 2,5 Millionen Euro, der Arcandor-Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro, die allerdings durch seine Managerversicherung abgedeckt seien, und die Bank Sal. Oppenheim rund 70 Millionen Euro. Er selbst fordere umgekehrt über 200 Millionen Euro, sagt der Manager.

Auf die Frage: „Sind Sie pleite?“ erwidert Middelhoff: „Ganz klare Antwort. Nein.“ Sein Problem sei, dass er an seine Liquidität nicht herankomme, die von der Bank Sal. Oppenheim blockiert werde. Dazu erwarte er jedoch noch in diesem Jahr ein erstinstanzliches Urteil. Er müsse deshalb Wege finden, wie er bestehende Forderungen bedienen könne. „Dazu bin ich gerne bereit. Und an der Umsetzung arbeiten wir mit Hochdruck.“ Middelhoff betont, er habe noch ausreichend andere Vermögenswerte.

In den vergangenen Monaten hatten wiederholt Gerichtsvollzieher den Untreue-Prozess gegen den Manager vor dem Essener Landgericht genutzt, um Middelhoff abzufangen und ihm Forderungen zu präsentieren. Und schon an diesem Montag könnte es erneut dazu kommen. Denn dem Vernehmen nach hat inzwischen auch sein früherer Vermögensverwalter Esch den Gerichtsvollzieher in Marsch gesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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