Zur Aufdeckung von Kartellfällen

ThyssenKrupp führt Amnestie ein

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Die Amnestie-Aktion ist auf zwei Monate begrenzt.

Essen - Mit einem zeitlich begrenzten Amnestieprogramm will ThyssenKrupp-Chef Hiesinger endlich einen Schlussstrich unter die Vorfälle der Vergangenheit ziehen.

Nach der Aufdeckung einer ganzen Serie von Kartellfällen führt der Essener ThyssenKrupp-Konzern ein Amnestieprogramm ein. Mitarbeiter, die Kartell- oder Korruptionsfälle „freiwillig, wahrheitsgemäß und umfassend offenbarten“, sollen von der zeitlich begrenzten Regelung profitieren, teilte das Unternehmen am Dienstag in Essen mit. Die Betroffenen müssten dann auch nicht mit Schadenersatzansprüchen oder dem möglichen Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen, hieß es. Strafrechtliche Vorwürfe seien davon jedoch ausgenommen.

Umfassender Wandel der Führungskultur

Das Programm sei zeitlich auf noch nicht verjährte Verstöße begrenzt und gelte nicht für Vorstände und Bereichsvorstände, hieß es. Verstöße können im Rahmen des mit sofortiger Wirkung gestarteten Programms bis zum 15. Juni gemeldet werden, sagte ein Sprecher. Bei der Initiative gehe es darum, eine Zäsur zu machen und einen Selbstreinigungsprozess anzustoßen. „Wir können nicht immer nur zurückblicken“, so der Sprecher.

Durch die in der Vergangenheit bekanntgewordenen Verstöße sei ein „gewaltiger“ Imageschaden entstanden, beklagte das Unternehmen. Trotz erheblicher Anstrengungen seien in letzter Zeit wiederholt schwere Verstöße gegen die gute Unternehmensführung (Compliance) festgestellt worden. Neben der Amnestie wolle das Unternehmen sich auch externe Verstärkung durch eine Rechtsanwaltskanzlei und die Etablierung eines Ombudsmanns holen.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte in der Vergangenheit bereits ein hartes Vorgehen gegen derartige Verstöße angekündigt. Bei ThyssenKrupp gelte das Prinzip 'Null Toleranz', hatte Hiesinger zuletzt Ende Februar betont. „Wir sind dabei, einen umfassenden Wandel der Führungskultur bei ThyssenKrupp umzusetzen“, so Hiesinger damals. Wer nicht mitziehe, habe bei ThyssenKrupp nichts zu suchen.

So viel verdienen Merkel, Ackermann & Co. - Spitzengehälter in Politik und Wirtschaft

Gehaltserhöhung für Angela Merkel und ihre Minister: Das Bundeskabinett will seine Bezüge erhöhen - und erntet Kritik. Doch die Kanzlerin ist längst nicht die einzige, die in Deutschland gut verdient. Verantwortungsträger in der Wirtschaft bewegen sich in anderen Dimensionen. Die Spitzengehälter im Überblick: © dapd
Josef Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef, schaffte es mit seinem Jahresgehalt sogar in die internationale Top 20 - gemessen am Vergleich der Dax-Unternehmen mit den größten europäischen und US-Aktiengesellschaften. Die Bezüge des Schweizers summierten sich nach Angaben der Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner 2011 auf rund 9,4 Millionen Euro. © dpa
Die parlamentarischen Staatssekretäre, wie hier Christoph Bergner, kommen derzeit auf knapp 10 000 Euro im Monat. Mit der Erhöhung kämen bis August 2013 rund 580 Euro oben drauf. © dpa
Frank Appel, der Vorstandschef der Deutschen Post DHL, kassierte 2011 rund 5,2 Millionen Euro. © dpa
Bundesminister wie Hans-Peter Friedrich und Kristina Schröder verdienen nach Angaben des Innenministeriums rund 13 000 Euro im Monat, nach der geplanten Gehaltsanhebung kämen 750 Euro (im Jahr: 9000 Euro) dazu. © dpa
Jürgen Großmann: Der RWE-Chef kam im vergangenen Jahr auf rund 6,4 Millionen Euro. © dpa
Kasper Rorsted: Bei Waschmittelkonzern Henkel verdiente der Vorstandschef 2011 rund 5,4 Millionen Euro. © dpa
Peter Löscher, der Siemens-Chef, strich im vergangenen Jahr rund 8,7 Millionen Euro ein. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient im Monat 16 152 Euro, hinzu kommt eine sogenannte Dienstaufwandsentschädigung von 1022 Euro. Bis August 2013 sind schrittweise Erhöhungen geplant - das bedeutet ein monatliches Gehaltsplus von 930 Euro (im Jahr 11 160 Euro). © dpa
Norbert Reithofer, der Lenker des Autobauer BMW, kassierte 2011 rund 6,6 Millionen Euro - nicht wenig, aber nur knapp ein Drittel von den Bezügen von VW-Chef Winterkorn. © dpa
Martin Winterkorn ist der Spitzenverdiener unter den deutschen Managern. Der VW-Chef verdiente 2012 mehr als 14,5 Millionen Euro - und das, obwohl er freiwillig auf Gehalt verzichtet hat. © dpa
Wolfgang Reitzle, der Chef des Industriegase-Spezialisten und Anlagenbauers Linde, verdiente 2011 rund 6,7 Millionen Euro. © dpa
Dieter Zetsche, der Daimler-Vorstandschef, kam 2012 auf ein Jahresgehalt von mehr als 8,2 Millionen Euro. © dpa

Nach einer ganzen Serie von Kartellverfahren ermittelt das Bundeskartellamt derzeit gegen ThyssenKrupp und andere Stahlhersteller wegen des Verdachts der Bildung eines Kartells beim Verkauf von Autoblechen. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen den Beteiligten hohe Schadenersatzforderungen. Bereits in der Vergangenheit war ThyssenKrupp in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen bei Rolltreppen hatte zuletzt ein Schienenkartell für Aufsehen gesorgt.

Mitte Juni 2012 hatte das Bundeskartellamt gegen die Schienenhersteller Bußgelder in Höhe von 124 Millionen Euro verhängt. In den Jahren 2001 bis 2011 hatten die Unternehmen illegal Quoten und Preise für Schienenlieferungen an die Deutsche Bahn abgesprochen. Voestalpine, ebenfalls Mitglied des Kartells, brachte den Fall als Kronzeuge ins Rollen und kam deshalb beim Kartellamt mit einer glimpflichen Strafe davon. Der Löwenanteil des Bußgeldes entfiel auf ThyssenKrupp mit gut 100 Millionen Euro. Zusätzlich drohen hohe Schadenersatzansprüche.

dpa

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