Eingespart wird in der Verwaltung

ThyssenKrupp streicht 3000 Stellen

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Ein Stahlarbeiter von ThyssenKrupp nimmt am Fuß des Hochofens 8 des ThyssenKrupp Stahlwerkes in Duisburg eine Probe

Essen - Mit harten Schnitten versucht ThyssenKrupp-Chef Hiesinger den kriselnden Konzern wieder auf Kurs zu bringen. Nun sollen 3000 Verwaltungsjobs wegfallen.

Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern verschärft sein Sparprogramm und will 3000 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen. Rund 1500 Stellen davon sollen in Deutschland wegfallen. Weltweit werde damit jeder fünfte Job in der Verwaltung des Konzerns gestrichen, teilte ThyssenKrupp am Mittwoch mit. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden.

An der Börse waren die Aktien von ThyssenKrupp am Mittwoch zunächst Spitzenreiter im DAX. Bis zum Mittag legte das Papier um rund 2,6 Prozent zu.

Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren durch das Programm rund 250 Millionen Euro eingespart werden. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr bereits die Streichung von 2000 Stellen in seinem europäischen Stahlgeschäft vorwiegend in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt der aktuellen Stellenstreichungen in der Verwaltung soll die Hauptverwaltung in Essen sein.

2012/2013 schrieb ThyssenKrupp ein Minus von 822 Millionen Euro

In der Zahl enthalten sind auch einige hundert Jobs in der Stahl-Verwaltung, so dass derzeit insgesamt etwas weniger als 5000 Stellen auf der Streichliste des Konzerns stehen. ThyssenKrupp beschäftigt derzeit weltweit gut 150.000 Mitarbeiter, davon nur noch gut ein Drittel in Deutschland.

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 (30.9.) hat das Unternehmen mit einem Minus von 822 Millionen Euro weiter tiefrote Zahlen geschrieben. Wesentliche Ursache seien weitere Abschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee von 683 Millionen Euro, teilte ThyssenKrupp mit. Hinzu kamen weitere Verluste im amerikanischen Stahlgeschäft. Im europäischen Stahlgeschäft verbuchte ThyssenKrupp im ersten Halbjahr einen Einbruch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 85 Prozent. Mit einem Plus von 19 Millionen Euro konnte der Konzern in seiner Traditionssparte jedoch noch schwarze Zahlen schreiben.

Die Eigenkapitalquote des Konzerns ging innerhalb von drei Monaten von 11,8 Prozent auf nur noch 9,5 Prozent zurück. Die Nettoschulden des Konzerns liegen bei rund 5,3 Milliarden Euro. Die seit einem Jahr zum Verkauf stehenden Stahlwerke haben sich als Milliardengrab erwiesen. Die mit einem Gesamtaufwand von rund 12 Milliarden Euro errichteten Anlagen stehen derzeit noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern.

"Klare Richtlinien“ zur Nutzung des Firmenflugzeugs sollen sparen helfen

Der Verkaufsprozess für die Stahlwerke in Brasilien und den USA verlaufe nach Plan, sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger laut Mitteilung. „Wir konzentrieren uns unverändert darauf, ein Signing zeitnah zu erreichen“, so der Konzernchef. ThyssenKrupp hatte zuvor angekündigt, den Verkauf bis Ende September abschließen zu wollen.

Die beiden Werke hatten bereits zuvor für milliardenschwere Abschreibungen im Konzern gesorgt. Das zurückliegende Geschäftsjahr 2011/2012 hatte ThyssenKrupp mit einem Rekordverlust von rund fünf Milliarden Euro abgeschlossen. Das Verhältnis der Großaktionärin Krupp-Stiftung zum Konzern solle in einigen Punkten neu geregelt worden, hieß es in der Mitteilung. In diesem Zusammenhang sollen unter anderem die bestehenden Jagdpachten des Unternehmens abgegeben werden. Daneben habe der Vorstand „klare Richtlinien“ zur Nutzung des Firmenflugzeugs und für die Durchführung von Reisen mit Dritten erlassen.

ThyssenKrupp-Patriarch und Krupp-Stiftungschef Berthold Beitz soll den Firmenjet für Flüge nach Sylt oder zum Jagdrevier nach Salzburg genutzt haben. Das Unternehmen hatte die Nutzung des Firmenjets mit der herausragenden Position von Beitz, seiner Lebensleistung und der Position als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates gerechtfertigt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Beitz für die Nutzung des Jets nicht mit Ermittlungen rechnen müsse.

dpa

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