Traditionsbetrieb H. Anger’s Söhne gehört zur Elite in der Branche

Die Tiefbohr-Profis

Fürstenhagen. Sie bohren deutschland- und europaweit nach Trink-, Mineral- und Heilwasser, nach Öl, Gas und Erdwärme (Geothermie). Sie bauen Brunnen, unterirdische Kavernen und teufen Erkundungs- und Lüftungsbohrungen ab.

Wo immer präzise und besonders tief gebohrt werden muss, sind die Spezialisten von H. Anger’s Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft (HAS) aus Fürstenhagen (Werra-Meißner-Kreis) nicht weit.

„Wir leisten eine Arbeit, die nicht jeder kann“, sagt Waldemar Müller-Ruhe, der das Traditionsunternehmen seit 1998 mit Uwe Schindler führt. Zwar gibt es 600 Bohrunternehmen in Deutschland, aber die wenigsten dringen richtig tief. Die meisten schaffen bis zu 400 Meter. Nur eine Handvoll ist in der Lage, in Tiefen unter 3000 Meter vorzustoßen. HAS bohrt mit seinen bis zu 23 Millionen teuren Anlagen bis zu 6000 Meter tief und bis zu zwei Meter im Durchmesser.

In der Schweiz bohrt das Unternehmen derzeit nach Erdwärme. In Brandenburg helfen die Bohrprofis bei der Erschließung eines neuen Kupferbergwerks, in Großbritannien beginnt HAS demnächst mit dem Bau eines unterirdischen Erdgasspeichers, in Russland hat HAS ein Tochterunternehmen gegründet, und in Algerien steht der Markteintritt bevor.

Wer an den teuren Maschinen arbeitet, hat nicht nur eine fundierte Berufsausbildung zum Bohrfacharbeiter bei HAS absolviert, sondern darüber hinaus eine Vielzahl von Zusatzqualifikationen erworben. Dabei geht es vor allem um Fragen der Sicherheit und des Umweltschutzes. In kaum einer anderen Branche gelten ähnlich hohe Auflagen. Erst nach sechs Jahren dürfen die Fachkräfte das teure Gerät allein bedienen. „Bevor wir einem Mitarbeiter einen fünf Mio. teuren Arbeitsplatz überlassen, müssen wir sicher sein, dass jeder Handgriff sitzt“, so Müller-Ruhe.

Zwar stellt sich HAS 2010 krisenbedingt auf einen Absatzrückgang von etwa 30 Prozent auf 20 Mio. Euro ein. Aber für das zweite Halbjahr zeichnet sich laut Müller-Ruhe eine erhebliche Geschäftsbelebung ab. Vor allem die Verschiebung von umsatzstarken Geothermie-Großprojekten habe zum Umsatzknick geführt.

Mit Hilfe von Kurzarbeit hat HAS die Delle überwunden und alle 200 Beschäftigten an Bord gehalten. Zum Ergebnis macht HAS keine Angaben, Müller-Ruhe spricht aber von guten Erträgen in normalen Jahren. 2010 strebe man eine schwarze Null an.

Gute Aussichten

Für die überschaubare Zukunft zeichnet das Management eine sehr positive Perspektive. So werde die Geothermie im Zuge steigender Energiepreise immer attraktiver, und außerhalb Europas steige mit zunehmenden Bevölkerungszahlen die Notwendigkeit, tiefe Trinkwasservorkommen anzuzapfen, die nicht von Niederschlägen und Überflutungen verunreingt werden könnten. „Das gibt es viel zu tun“, sagt Müller-Ruhe.

Von José Pinto

Hintergrund: Rasante Entwicklung nach dem Neustart

Das Traditionsunternehmen Anger’s Söhne wurde 1863 in Nordhausen (Thüringen) gegründet und dürfte das älteste bestehende Tiefbohrunternehmen in Deutschland sein. 1951 siedelte der Betrieb nach Fürstenhagen um und blieb bis 1995 im Besitz der Familie Anger. In jenem Jahr verkaufte Heinrich Anger an die Fröhlich Bau AG in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis), die 1998 insolvent wurde. Anger kaufte sein früheres Unternehmen zurück und reichte es an die jetzigen Geschäftsführer und Gesellschafter Müller-Ruhe und Schindler weiter. Die starteten im Mai 1998 mit 50 Beschäftigten und bauten den Betrieb zu seiner heutigen Größe aus. Müller-Ruhe kam seinerzeit von der Bohrgesellschaft Rhein-Ruhr in Herten bei Recklinghausen. Der 66-jährige ist seit fast 40 Jahren im Bohrgeschäft. Müller-Ruhe ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sohn Martin soll seine Nachfolge antreten. (jop)

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