VW-Getriebechef verabschiedet sich in den Ruhestand

Tischler sagt Tschüss

Gudensberg. Jürgen Tischler steht für die Millionen im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal: 75 Millionen, 90 Mio. und zuletzt im April 100 Mio. – so viele Getriebe-Jubiläen hat es in seiner Zeit als Getriebechef gegeben. Zuletzt 14 500 pro Tag. Mittlerweile ist er 59 Jahre alt und hat sich nach 37 VW-Jahren in den Ruhestand verabschiedet – leise und mit einem Lächeln.

Ab jetzt sei er Opa – zwei Söhne, vier Enkel „alles Jungs“, sagt er, der mit seiner Frau Irene in Gudensberg lebt. Tischler passt nicht ins Bild des Ruheständlers. Jener Tischler, der mit seiner Harley-Davidson durch Nordhessen „cruist“, wie er es formuliert. Der Vorsitzender in einem Angelverein ist, aus Zeitmangel aber nicht zum Fischen kommt. Der den Kassel Huskies die Treue gehalten hat und für die Spiele der Eishockey-Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Vancouver reiste.

Spitzbübische Freude

Und der sich noch spitzbübisch darüber freuen kann, dass er als Getriebechef im Werk ein Elektrocaddy gehabt hat, um von Halle zu Halle zu eilen. Dabei wandert er gern – privat und mit Mitarbeitern. Nicht von Halle zu Halle hetzen müssen, das sei ein Privileg gewesen – sagt’s und lacht. Tischler gilt im Werk als Mann der Halle, dem das Wissen der Praktiker an den Maschinen und „die Psyche der Gruppe“ sehr wichtig sind. Wenn er seine Mitstreiter am Band nicht am Tag erreichen konnte, kam er zur Spätschicht wieder. Ihr Wissen ist ihm wichtig gewesen, auch um eigene Entwicklungen des Werks voranzubringen. Dabei ist er bisweilen unkonventionelle Wege gegangen: Als eine Bohrung nicht gemacht werden kann, schickt er einen Mitarbeiter mit 100 Mark in den Ratio-Markt um eine Bohrmaschine zu besorgen.

Seit 2002 leitete er den Getriebebau. Seit 1995 war für etliche Getriebefamilien verantwortlich – vom Automatik- bis zum Doppelkupplungsgetriebe. „Ich habe mein Ziel erreicht“, sagt er, „ich wollte immer ein guter Ingenieur werden“. Auf diesem Weg hat er viele Begleiter gehabt. Bei ihnen hätte er sich gern für deren Mitarbeit und Engagement bedankt. Doch aus der VW-Abschiedsfeier wurde nichts, eine Krankheit durchkreuzt seine Pläne. „Eine private Reparatursituation“, wie es Werkleiter Hans-Helmut Becker zum Abschied seines Stellvertreters formuliert hat.

Von Martina Wewetzer

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