Joachim Krämer arbeitete bei Transrapid – jetzt ist das Unternehmen sein Kunde

Tonnenschwerer Umzug

Joachim Krämer Foto: Will

Kassel / zierenberg. Die Reste von ThyssenKrupp Transrapid ziehen um. Der Konzern hat die Fertigung des Magnetgleiters in Kassel Ende 2010 aufgegeben – und den 47jährigen Maschinenbautechniker Joachim Krämer zum Unternehmer gemacht.

Und deswegen macht sich in der schmalen Straße vor dem dreistöckigen Ziegelbau in Zierenberg (Kreis Kassel) ein Schwertransporter lang: Krämer bekommt die Transrapid-Maschinen geliefert. 20 Jahre hat er bei dem Unternehmen gearbeitet. Sein letztes Jahr in Kassel begann mit einem besonderen Auftrag: einen Hersteller für die Elektromagnete und Sensoren zu finden, die den über 400 Stundenkilometer schnellen Transrapid antreiben und schweben lassen, Krämer hatte die Fertigung dieser Komponenten geleitet. Nun maß er seine Räume im heimischen Zierenberg aus, in einem ehemaligen Bauernhof, dessen Gebäude er saniert und teilweise neu aufgebaut hat und machte sich selbstständig.

1000 Magnetpole wird die im September 2010 gegründete Krämer Energietechnik GmbH für ThyssenKrupp bauen, Ersatzteile für den China-Transrapid, der zwischen dem Flughafen und dem Finanzzentrum der Metropole Schanghai hin- und herflitzt. Die ersten Spulen wurden noch in der ehemaligen Transrapid-Halle in Kassel gefertigt.

Drei Jahre läuft sein Vertrag mit ThyssenKrupp. Für diese Zeit stellt der Konzern die Maschinen kostenlos zur Verfügung, anschließend kann Krämer sie kaufen: Wickelmaschinen, Vakuumgießanlagen, Umluftöfen. Krämer hofft auch auf Kunden aus anderen Branchen, etwa aus dem Elektromotorenbau.

„Die Alternative wäre wahrscheinlich ein Job im Ruhrgebiet gewesen“, sagt er. Kein sehr reizvoller Gedanke für jemanden, der in Oberelsungen (Kreis Kassel) heimisch ist, dort Frau und zwei Kinder hat. Fünf ehemalige Kollegen sind Krämer in sein Unternehmen gefolgt, Transrapid-Werker, die 16 bis 26 Jahre für den Konzern gearbeitet hatten. Mit einem Jahresumsatz von 600 000 Euro rechnet Krämer, er erwartet schwarze Zahlen.

Das Geld ist der Grundstein für sein neues Projekt, das ihm unlängst den mit 6000 Euro dotierten dritten Platz beim Wettbewerb Promotion Nordhessen einbrachte: Generatoren, die in Kanalschächten aus Abwasser Strom erzeugen. Das Patent ist angemeldet, der Prototyp soll in diesem Jahr entstehen. Kommunen sieht der Erfinder als erste Abnehmer für die Generatoren. 2013 sollen sie marktreif sein. Etwa 100 Stück pro Jahr könnte er bauen, schätzt Krämer, das wäre Arbeit für 20 Beschäftigte. Aber erst einmal ist der Transrapid dran.

Von Barbara Will

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