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Insolvenz nach über 170 Jahren – Deutscher Seifenhersteller pleite

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Von: Madlen Trefzer

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Baden-Württemberg - Experten sprechen von einer Insolvenzwelle. Nun geht das nächste deutsche Traditionsunternehmen pleite: Ein Seifenhersteller, der in die ganze Welt exportiert.

Eine weitere Traditionsfirma aus Deutschland geht in die Insolvenz. Das 1848 gegründete Seifenunternehmen Kappus hat am 30. September beim Amtsgericht Freiburg einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, heißt es bei chip.de. Die Löhne und Gehälter der 181 Angestellten seien bis zum Ende des Jahres gesichert, wie das Unternehmen aus Heitersheim (Baden-Württemberg) mitteilt. 

Seifenhersteller Kappus aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an und sucht neue Investoren

Man stelle einen Insolvenz-Antrag, da man sich selbst sanieren wolle; daher begebe man sich auf die Suche nach neuen Investoren. Das Unternehmen spricht auch von gestiegenen Kosten für Material, Personal und Logistik sowie Versorgungsengpässen, berichtet HEIDELBERG24. Hinzu kamen die vor allem seit dem Sommer nochmals massiv gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie, die nur teilweise und zeitversetzt an die Kunden weitergereicht werden konnten.

Die Auftragslage sei aber gut, berichtet die Badische Zeitung. Die Geschäftsführung mit Axel Buchholz an der Spitze habe bereits einen Plan erarbeitet, wie Kappus saniert und wettbewerbsfähig ausgerichtet werden könne. Das jetzt eingeleitete Verfahren sei „der Anfang der Lösung für eine nachhaltige Zukunft von Kappus“, so der Generalbevollmächtigte Philipp Grub. Der Kostendruck bereitet auch Dr. Oetker Sorgen – sodass ein Abbauplan bereits in Sicht ist.

Grub ist Rechtsanwalt und Sanierungsexperte in der Kanzlei Grub Brugger und unterstützt die Geschäftsführung des traditionellen Seifenherstellers während der Neuaufstellung. Bislang stellt Kappus sowohl feste Seifenstücke als auch flüssige Seifen her. Dabei ist ein Teil der Produkte vegan. Mehr als 260 Millionen Stück Seife werden im Jahr produziert – und das an drei Standorten in Deutschland. Exportiert wird in 30 Länder.

Der Geschäftsbetrieb beim Seifenhersteller Kappus geht ohne Einschränkungen weiter

Der Geschäftsbetrieb gehe bei Kappus ohne Einschränkungen weiter, teilt Grub mit. Die Suche nach neuen Geldgebern hat schon begonnen: „Es gab bereits Kontakte zu ernsthaften Investoren, über deren Einstieg allerdings zunächst keine Einigung erzielt werden konnte.Die Gespräche mit den Investoren werden nun aber mit Nachdruck wieder aufgenommen, um eine rasche Investorenlösung zu ermöglichen“, erklärt Hans Konrad Schenk, Anwalt der Firma.

Nicht die erste finanzielle Schieflage beim Seifenhersteller Kappus

Auch ein deutscher Süßwaren-Hersteller meldet Insolvenz an. Doch das Unternehmen Kappus gerät nicht zum ersten Mal in eine finanzielle Schieflage. Im September 2018 hatte der Seifenhersteller nach 170 Jahren Firmengeschichte erstmals Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden müssen. Schon damals waren die stark gestiegenen Rohstoffpreise und der hohe Preisdruck Grund für die finanziellen Probleme. Wenig später wird der Kappus Stammsitz in Offenbach dicht gemacht

Damals zählt Kappus mit einer jährlichen Produktion von mehr als 70.000 Tonen Seife und 80 Millionen Euro Umsatz zu den größten Produzenten in Westeuropa. Der Traditionsbetrieb wurde vor 176 Jahren in Offenbach von Johann Martin Kappus gegründet und exportierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Seifenprodukte in die ganze Welt. Das Unternehmen wird in fünfter Generation von der Familie geleitet, heißt es bei der FAZ. (mad)

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