Stabil-Baukästen erfreuten sich bis in die 70er-Jahre hinein großer Beliebtheit

Träume aus Metallstreben

Anfang des vergangenen Jahrhunderts trat eine simple Idee ihren Siegeszug in Kinderzimmer und Bastelstuben an: Metallbaukästen mit gelochten Leisten, die sich zu Autos, Brücken, Flugzeugen zusammenschrauben ließen. Der Fantasie waren mit den Bausätzen kaum Grenzen gesetzt.

Jan Schlüter, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, erzählt aus seiner Kindheit, als er mit Metallbaukästen der populärsten deutschen Marke „Stabil“ spielte: Nie habe er die Originalverpackung zu Gesicht bekommen. Vermutlich haben die größeren Brüder sie zerstört, bevor er in das Stabilbau-Alter kam.

Der ganze Satz aus Platten, Streben, Schrauben und Rädern lag in einem Karton, der zuvor Margarinepackungen enthalten hatte. Aus dem metallenen und rostigen Spielzeug montierten die drei Schlüter-Brüder besonders gern Kräne und andere Fahrzeuge. Ein Techniker sei dennoch nicht aus ihm geworden, sagt er.

Eine deutsche Idee

Der deutsche Flugpionier Otto Lilienthal entwickelte 1888 erstmals einen Modellbaukasten mit gestanzten Leisten. Die Teile waren aus Holz. Vier Jahre später meldete der Hamburger Julian Weiß mit seinem „Brückenbaukasten“ den ersten Metallbausatz an. Die Erfindung war allerdings kein Verkaufserfolg.

Erst als der Engländer Frank Hornby den Metallleisten in seinem System Räder hinzufügte, und die Modelle damit mechanisch beweglich wurden, gelang den „Meccano“ genannten Bausätzen 1908 der Durchbruch.

In Deutschland waren es vor allem Bausätze der Marke „Stabil“ produziert von der Firma Walther, die dem System seinen Namen gaben.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts machten Plastik-Baukästen von Lego und Fischertechnik den Metallbaukästen zunehmend Konkurrenz. Die Verbreitung elektronischer Spielzeuge besiegelte schließlich den Niedergang der Metallbastelei.

Die Produktion der originalen Stabil-Baukästen wurde um 1970 eingestellt. Sammlern wie dem Braunschweiger Jürgen Kahlfeldt ist es zu verdanken, dass es noch Bilder gibt. Andere Anbieter von Metallbaukästen wie Märklin und Trix verschwanden aufgrund des rückläufigen wirtschaftlichen Erfolgs 1999 vom Markt.

Dennoch muss die weltweite Fan-Gemeinde nicht bangen: Die in der DDR entwickelte Version des Stabil-Baukastens „Construction“ und die tschechische Marke „Merkur“ werden weiterhin angeboten.

Jetzt erlebt der alte Kasten mit neuer Technik eine Wiedergeburt. Immer mehr Roboterbausätze kommen derzeit auf den Markt, inklusive Solar- und Brennstoffzellen für die alternative Energieversorgung.

Von Jan Baetz

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