Wenn es keinen Folge-Auftrag aus China gibt, könnte Ende März Schluss sein

Transrapid vor dem Aus

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Und er schwebt: Der Transrapid verkehrt nur auf der Teststrecke im Emsland und als Flughafenzubringer in Schanghai.

Kassel. Die verbliebenen 64 Beschäftigten der ThyssenTransrapid GmbH (TKT) in Kassel rechnen mit dem Schlimmsten. Wenn es kein Nachfolgegeschäft mit den Chinesen gibt, könnten Ende März in der Technologieschmiede im Werk Mittelfeld sowie am Standort München mit seinen 35 Mitarbeitern die Lichter ausgehen.

Zumindest aber könnte die Mannschaft weiter reduziert werden. Bereits im Dezember war angesichts fehlender Aufträge der Abbau weiterer 20 Stellen angekündigt worden. Ob es dabei bleibt, ob noch mehr Stellen gestrichen oder die Magnetbahn-Aktivitäten ganz aufgegeben werden, ist nach Angaben des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Klaus Döring noch nicht entschieden.

„Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte er auf Anfrage. In einer Betriebsversammlung hatte die Geschäftsleitung die Mitarbeiter am Dienstagmorgen über den aktuellen Stand der Dinge informiert.

Derzeit hoffen Betriebsrat und Management auf einen Folge-Auftrag aus China, wo der Transrapid seit sieben Jahren erfolgreich zwischen dem Finanzzentrum Schanghais und dem internationalen Flughafen der Stadt, Pudong, verkehrt.

Die Chinesen haben mehrfach angekündigt, die 31,5 Kilometer lange Strecke zunächst innerstädtisch und später bis in die 210 Kilometer entfernte Industriestadt Hangzhou und sogar darüber hinaus nach Nangjing (300 Kilometer) zu verlängern.

Allerdings blieb es bislang bei Lippenbekenntnissen. Und selbst wenn die Chinesen weiterbauen, geht es für Kassel lediglich um die Beisteuerung von Ingenieursleistungen. Denn ThyssenKrupp verhandelt bereits seit geraumer Zeit über einen Verkauf der Transrapid-Lizenzen in die Volksrepublik.

Wenn sich die Partner einig werden, wird die superschnelle Magnetbahn künftig in China gebaut - allerdings nur für den dortigen Markt. Für alle anderen Märkte behält sich ThyssenKrupp nach derzeitigem Stand die Vermarktungsrechte für die Technik selbst vor. Aber ein greifbares Transrapid-Projekt in einem andren Teil der Welt - wie derzeitBundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CDU) die Öffentlichkeit glauben machen will, sieht man bei TKT nicht.

„Die angesprochenen Projekte liegen in weiter Ferne“, so ein Transrapid-Experte, der nicht genant werden wollte. Ramsauer hatte Hoffnungen auf den Bau von Magnetschnellbahn-Strecken in Brasilien sowie in den USA und der Türkei geschürt.

Und die Entscheidung des Bundes, die Versuchsstrecke im Emsland nicht schon Ende April, sondern erst Ende des Jahres einzustellen, hilft den Kasselern auch nicht mehr. Die Strecke wird von einem Dienstleister betrieben, der Zug selbst gehört dem Bund. „Und im übrigen gibt es beim Transrapid auch nichts mehr zu erforschen. Der ist ausgereift. Was wir brauchen ist die Vermarktung“, so der Transrapid-Fachmann.

Von José Pinto

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