Multifunktionaler „Kobold“ führt Beruf des Staubsaugervertreters ein

Traum jeder Hausfrau

Der Kobold-Staubsauger ist ein Stück Zeitgeschichte. 1930 startete das Multitalent seinen Siegeszug durch die Haushalte. Er bohnerte Fußböden, bürstete Teppiche und saugte mit verschiedenen Aufsätzen Staub aus Ecken, Gardinen und Heizkörpern. Mit einem aufgesetzten Wassertank wurde er als Luftbefeuchter eingesetzt.

Er war Rauchverzehrer, medizinische Heißluftdusche und Parfümzerstäuber zugleich. Als Kammerjäger bekämpfte er sogar Ungeziefer. Für die perfekte Frisur wurde die Trockenhaube angeschlossen – das Extra überzeugte auch Ehemänner, die keine Friseurbesuche mehr bezahlen mussten. Der Kobold striegelte Pferde, Kühe und Hunde. Erst Anfang der 70er-Jahre speckte er ab – auf Haare trocknen, Verdunsten und Zerstäuben wurde fortan verzichtet.

Dabei drohte der Kobold in den ersten Jahren seiner Geschichte als Ladenhüter zu enden. Die Hausfrauen trauten den Werbeversprechen nicht. Deshalb führte Geschäftsführer Werner Mittelsten Scheid 1930 den Direktvertrieb ein – die Geburtsstunde des Staubsaugervertreters.

Seinen Namen verdankt der Staubsauger Mittelsten Scheids Chefsekretärin: „Das ist ja ein richtiger Kobold“, soll sie gesagt haben, als der Sauger das erste Mal im Büro eingesetzt wurde. Mit dem Vertreter an der Haustür wurde er zum Verkaufsschlager – obwohl der Geniestreich aus der Not geboren wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts eroberte die Elektrizität die Großstädte und ebnete elektrischen Haushaltsgeräten den Weg. Vorwerk produzierte damals noch Auto-Achsen, Getriebe und Grammophon-Laufwerke. Als 1929 das Grammophon-Geschäft zusammenbrach meldete Vorwerk am 25. Mai 1930 ein Patent für einen Handstaubsauger an. Der Ingenieur Engelbert Gorissen konstruierte um den Motor des Grammophon-Laufwerks ein Gehäuse mit Saug- und Blasstutzen. Auf die Achse steckte er ein Gebläserad. Damit war der Handstaubsauger bestehend aus Motor, Staubbeutel und Stiel geboren. Der erste Kobold kostete 56 Reichsmark. Heute legt man für einen Vorwerk-Staubsauger zwischen 600 bis über 1000 Euro hin – je nach Ausstattung. Bis heute wurde der Kobold weltweit über zwölf Millionen Mal verkauft.

Von Alia Shuhaiber

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