Insolvenzverwalter sucht weiter Käufer

Traumschiff am Haken: Erste MS-Deutschland-Gläubigerversammlung

Eutin. Geld zurück für enttäuschte Anleger? Darum geht es im gerichtlichen Insolvenzverfahren um das Traumschiff MS Deutschland noch lange nicht.

Die erste Gläubigerversammlung wickelte gestern in Eutin nur Regularien ab. Spannender wird die Sache bei Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber in Kiel. Er sucht weiter Käufer für das 1998 in Kiel vom Stapel gelaufene letzte große Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Seit Monaten schon – aber bislang ohne Erfolg. 70 Anfragen seien eingegangen, sagte Schmid-Sperber den Kieler Nachrichten im Interview.

Unter den Interessenten seien aber „viele Glücksritter“. Die einen wollten mit dem Schiff Werbung fahren, andere dachten an eine Nutzung als Hotelschiff in einer Großstadt oder als Kasino im ostchinesischen Meer. Es gab immerhin zwei Vorverträge, Anzahlungen blieben die Interessenten aber gleich schuldig.

Den Fabelwert der Deutschland von 100 Mio. Dollar (88 Mio. Euro) im Anleiheprospekt haben laut Schmid-Sperber Gutachter längst auf acht bis 13 Mio. Euro geschrumpft. Die muss aber erst mal jemand auf den Tisch legen. Das Schiff gilt im internationalen Kreuzfahrtgeschäft als viel zu klein und von gestern. Ein Verkauf würde den Topf füllen, aus dem Gläubiger bedient werden. Aber nur mit großen Verlusten: Rund 1500 Anleihegläubiger, meist Kleinanleger, ließen sich 2012 durch Traumzins-Versprechen von fast sieben Prozent anlocken. Bei ihnen steht die Traumschiff-Betreiberin, eine Tochter der Investmentgesellschaft Callista, mit 54 Mio. Euro in der Kreide – inklusive nicht bezahlter Zinsen. Um Millionen an Provisionen für gestrichene Traumschiff-Reisen machen sich zudem 1000 Reisebüros Sorgen.

Das Traumschiff selbst, für dessen Nutzung als TV-Kulisse das ZDF mit der Amadea schnell Ersatz fand, liegt mit Notbesatzung weiter vor Gibraltar – angeblich auch, weil dort die Versteigerung ganz fix ginge. Ohne den Ende Februar auslaufenden Schiffs-TÜV, die Klasse, hat die MS Deutschland keinen Versicherungschutz mehr, heißt es bei der Klassifizierungsgesellschaft DNV-GL. Ob die beantragte Verlängerung durchkomme, sei offen.

Schiffe ohne Klasse dürfen laut DNV-GL keine Passagiere aufnehmen. Das Thema ist für die Deutschland sowieso erst mal durch. Heim in einen deutschen Hafen käme der Pott nur am Haken eines Schleppers, heißt es beim Reederverband VDR: „Schiffe ohne gültige Klasse dürfen genauso wenig allein fahren und Häfen anlaufen, wie Autos ohne TÜV-Plakette auf die Straße dürfen.“

Ausgereist: Fragen von Kunden

Alle Traumschiffreisen wurden abgesagt - und Anzahlungen? 

Die sind - wie Stornokosten - laut Insolvenzverwalter Schmid-Sperber versichert und werden erstattet. Das Formular kommt von der Reederei.

Was wird mit individuell gebuchten Anreisen zum Schiff? 

Die müssen als Schadensersatzforderungen schriftlich zur Insolvenztabelle angemeldet werden.

Welchen Kosten bleiben an den Buchern hängen? 

Zahlungen für Reiserücktritts-, Kranken- oder Gepäckversicherung, für Impfungen oder Mehrkosten für Ersatzreisen.

Wer zahlt den Notbetrieb des Schiffs vor Gibraltar? 

Der Insolvenzverwalter will dafür einen Kredit aufnehmen, der laufende Kosten für die kommenden Monate abdeckt.

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