US-Notenbankchef steht heute zur Wiederwahl – Experten kritisieren seine Geldpolitik

Treibt Bernanke die Inflation?

Ben Bernanke

Kritiker werfen dem US-Notenbankchef Ben Bernanke vor, für die derzeitigen Probleme der Wirtschaft mitverantwortlich zu sein. Heute stimmt der US-Senat über eine zweite vierjährige

Amtszeit des Wirtschaftswissenschaftlers ab. Seine Geldpolitik hat auch Auswirkungen auf Europa.

? Was werfen Kritiker dem US-Notenbankchef Ben Bernanke vor?

!Ein Großteil der Kritiker sieht in ihm denjenigen, der die Finanzkrise mit ausgelöst hat, indem er billiges Geld in den Markt gedrückt hat. Somit habe er den amerikanischen Konsumenten und auch anderen Staaten ermöglicht, sich derart horrend zu verschulden.

? Warum sind derartig hohe Staatsschulden so schlecht?

!Die Geschichte belegt, dass extreme Staatsschulden immer Inflationen nach sich ziehen. Die Preisschübe würden in Schritten kommen und um den Globus ziehen. Die Eurozone – und damit auch Deutschland – würde sich davon nicht abkoppeln können. Zu viel billiges Geld verursachte die Wirtschaftskrise. Und diese soll nun mit noch mehr Geld bekämpft werden. Gelingt es nicht, diese Summen wieder einzusammeln, wächst die Geldmenge und damit die Gefahr einer Inflation.

?Lässt sich gegen Inflation nichts machen?

!Eine hohe Inflation lässt sich nur mit extrem hohen Zinsen wieder einfangen. Das aber wiederum ist Gift für die noch schwächelnde Konjunktur. Kredite für Unternehmen würden deutlich teurer.

?Warum ist das Handeln Bernankes wichtig für die EZB?

!Steigt die Inflationsgefahr in Europa müsste die EZB die Zinsen erhöhen – so will es der Maastricht-Vertrag. Preisstabilität ist oberstes Ziel der EZB. Wenn nur die EZB die Zinsen anhebt, würde der Euro gegenüber dem Dollar an Wert noch mehr zulegen. Aktuell kostet ein Euro 1,40 Dollar. Die Exporte aus Europa in den Dollar-Raum würden einbrechen.

? Warum muss jetzt gehandelt werden?

!Ist eine Notenbank gezwungen, mit höheren Zinsen gegen eine Inflation vorzugehen, muss sie schnell handeln. Bis eine Erhöhung im Markt greift, vergehen nach Expertenmeinung sechs bis neun Monate. Je stärker die Inflation, umso heftiger fällt die Zinserhöhung aus.

? Gibt es bereits eine gefährliche Inflation?

!Nein, doch Inflation ist ein schleichendes Gift. Eine Volkswirtschaft spürt sie erst, wenn eine gewisse Dosis überschritten wird. Die Preissteigerung lag in Deutschland bei 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Dezember lag die Quote bei 0,8 Prozent. Im Januar sank der Wert auf 0,6 Prozent.

Zur Person

Ben Shalom Bernanke (56) wurde in Augusta/Georgia geboren. Mit zwei jüngeren Geschwistern wuchs er in Dillon (South Carolina) auf. Sein Vater war Apotheker, die Mutter war Lehrerin. Der Professor für Wirtschaftswissenschaften, der an den Universitäten Stanford und Princeton lehrte, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

? Warum setzt US-Präsident Barak Obama auf Bernanke?

!Präsident Obama braucht Milliarden, um die Banken in den USA zu retten und die Konjunktur anzukurbeln. Der Notenbankchef verschafft sie ihm. Denn Aufgabe der Fed – so ist es politisch gewollt – ist es auch, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu garantieren (siehe Hintergrund).

?Was würde passieren, wenn der Senat Bernanke ablehnen würde?

!Dies könnte zu heftigen Turbulenzen an den Börsen führen – allen voran an der Wall Street. Dort sitzen die Befürworter seiner laxen Geldpolitik. Für sie ist er Retter in der Not, denn er habe bislang die Kernschmelze an den Finanzmärkten verhindert.

Von Martina Wewetzer

Hintergrund: Die Geschäftsmodelle der Notenbanken

Fed - Diener vieler Herren Die US-Notenbank Fed behauptet von sich , sie gehöre niemanden und sei eine unabhängige Einheit innerhalb der US-Regierung. Aber: In den USA gibt es zwölf regionale Zentralbanken.

Sie gehören den Privatbanken der jeweiligen Bezirke. Diese Banken kaufen Anteile an der Fed – garantierte Dividende sechs Prozent. Diese Banken ernennen sechs der neun Direktoren der Fed und bestimmen so über die Geldpolitik mit. Aufgabe der Fed ist es, das Geld stabil zu halten und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu garantieren.

EZB – Im Besitz der Notenbanken Auf die Europäische Zentralbank (EZB) haben die privaten Banken keinen Einfluss. Das Kapital der EZB gehört zu unterschiedlichen Anteilen den 27 Notenbanken der Europäischen Union – also nicht nur der Euro-Länder.

Der Maastricht-Vertrag garantiert die politische Unabhängigkeit der EZB. Zentralbanker dürfen keine Weisungen von Politikern entgegennehmen. Die Aufgaben der EZB sind klar definiert. Vorrangiges Ziel ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Die Wirtschaft soll sie nur stützen, wenn die Preisstabilität nicht gefährdet wird. (mwe)

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