Trotz Mitgliederschwund

Kirchensteuer: Rekord-Plus erwartet

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Die beiden großen Kirchen haben in den vergangenen Jahren viele Mitglieder verloren.

Berlin - Trotz anhaltenden Mitgliederschwunds können die großen Kirchen einem Zeitungsbericht zufolge auch in diesem Jahr mit einem deutlichen Plus bei den Kirchensteuereinnahmen rechnen.

Grund ist wie in den Vorjahren die gute konjunkturelle Entwicklung. Nach Recherchen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) gehen katholische und evangelische Kirche davon aus, dass ihr Steueraufkommen um etwa vier bis fünf Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro steigen wird. Damit würden es das vierte Jahr in Folge zulegen.

Grund für den Geldsegen ist nicht die kirchliche, sondern die konjunkturelle Entwicklung. Während die Kirchen sich fast überall auf der Welt durch Spenden finanzieren müssen, ziehen in Deutschland die Finanzbehörden die Kirchensteuer ein und leiten sie dann weiter. Steigt das Aufkommen der Lohn-, Einkommen- und Kapitalertragsteuer, steigt das Kirchensteueraufkommen automatisch mit.

Zwar haben die beiden großen Kirchen in Deutschland in den vergangenen Jahren viele Mitglieder verloren, und auch die Zahl der kirchlich Aktiven geht stark zurück. Doch noch ändert das nichts am finanziellen Aufschwung, schreibt die Zeitung: Zum vierten Mal in Folge werde im laufenden Jahr mehr Geld in die Kasse kommen als im Vorjahr. Allein seit 2010 sind die Kirchensteuereinnahmen um mehr als 17 Prozent gestiegen, seit 2005 sogar um 43 Prozent.

"Das Geld wird dringend gebraucht"

Die Evangelische Kirche in Deutschland nahm im vergangenen Jahr 4,8 Prozent mehr ein als im Vorjahr, 2014 rechnet sie noch einmal mit einem Zuwachs von mehr als vier Prozent. Der Finanzchef der EKD, Thomas Begrich, sagte der Zeitung: "Von einem Rekord möchte ich nicht gern sprechen, denn inflationsbereinigt liegen wir noch unter dem Niveau von 1994. Außerdem wird das Geld dringend gebraucht."

Wie bei den Katholiken schlagen auch bei der EKD stetig steigende Personalkosten zu Buche. Hinzu kommt die Angst vor einer finanziell ungewissen Zukunft. Spätestens von 2017 an rechnen die Kirchen mit hohen Einnahmeausfällen, wenn eine immer größere Zahl von Kirchenmitgliedern der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheidet und in der nachwachsenden Generation immer weniger Menschen kirchlich gebunden sind.

Kirchensteuer wird ab 2015 automatisch abgeführt

Die Kirchensteuer beträgt 9 Prozent (Bayern und Baden-Württemberg: 8 Prozent) der Lohn- und Einkommensteuer. Sie ist die wichtigste Einnahmequelle für die Kirche, auf evangelischer Seite macht sie etwa die Hälfte des Haushaltsvolumens aus. Die Kirchensteuer wird auch bei Kapitalerträgen fällig, bisher aber offensichtlich nicht von allen Gläubigen gezahlt. Da sie vom kommenden Jahr an automatisch abgeführt wird, könnte dies die Austrittszahlen erhöhen - Angaben aus Bistümern und Landeskirchen deuten auf einen solchen Trend hin. Derzeit haben katholische und evangelische Kirche rund 48 Millionen Mitglieder.

dpa/afp

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