Bundesschatzbriefe so günstig wie selten – Aktien derzeit besser als Anleihen

Trübe Aussichten für die Anleger

Mit Panikkäufen oder -verkäufen fahren Anleger meist Verluste ein. Gerade in Krisenzeiten zahlt es sich aus, zu prüfen, ob das Vermögen gut angelegt und wie mit Aktien und Anleihen umzugehen ist.

?Sind Aktien für Anleger besser als Staatsanleihen?

!Derzeit ja. Aktionäre beteiligen sich mit Aktien am Sachvermögen von Unternehmen. Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, mit denen man Staaten Kredit gibt. Über Jahre galten sie als sichere Anlage, das änderte sich mit der Schuldenkrise.

?Warum sind Renditen auf Anleihen von Griechenland, Spanien und Italien so hoch?

!Da immer mehr Anleger eine Pleite Griechenlands und Zahlungsausfälle von Ländern wie Spanien und Italien befürchten, steigen die Aufschläge für zehnjährige Anleihen dieser Länder – Spanien muss 6,3 Prozent zahlen, um Geld zu bekommen, Italien leicht über sechs Prozent. Dazu kommt ein Aufschlag für Anleger. Unter dem Strich steht dann eine verlockende Rendite. Aber der hohe Zins sagt auch, dass der jeweilige Staat viel versprechen muss, damit ihm jemand Geld leiht.

?Für Bundesschatzbriefe gibt es derzeit nur einen geringen Zins. Warum?

!Die Zinsen für deutsche Schuldtitel sind sehr niedrig (2,67 Prozent). Das liegt daran, dass viele Investoren glauben, dass bei deutschen Staatsanleihen und Schatzbriefen kaum die Gefahr eines Zahlungsausfalls besteht. Die Renditen sind auch aufgrund der großen Nachfrage so niedrig. Langfristig lässt sich damit kaum die Inflation ausgleichen. Es bleibt die Frage: Wie sicher sind die Anleihen, wenn Deutschland Pleitekandidaten weiter Geld pumpt?

?Welche Aktien sind derzeit interessant?

!Interessant sind Aktien von Unternehmen, die an der Börse günstig bewertet und effizient geführt werden, über reichlich frei verfügbare Mittel (Cash flow) verfügen, um einer Krise zu trotzen. Wichtig: Sie sollten nicht in die Krise involviert sein.

?Welche Branchen sind interessant, welche nicht?

!Bankentitel und Versicherer sind über eigene Anleihegeschäfte zu sehr in die Schuldenkrise verstrickt. Wer Aktien hat, sollte prüfen, ob er mögliche Verluste sofort realisiert oder ob er die Zeit hat – womöglich Jahre –, die Krise auszusitzen. Besser gewappnet sind Konzerne der Lebensmittelbranche oder Unternehmen die Vorprodukte für die Industrie fertigen – wie die Chemieindustrie. Zu bevorzugen sind derzeit deutsche Aktien, da die Konjunktur Deutschlands stark von den Exporten nach China und in andere Schwellenländer profitiert. Selbst die Pleite eines Eurolandes hätte auf die deutsche Konjunktur nur begrenzt Einfluss. Meiden sollten Anleger Europa-Fonds, da sie oft zu einem Großteil auch in Italien, Spanien und Griechenland investiert sind. Zudem haben in diesen Fonds-Mixes Bank-Titel oft einen hohen Anteil.

?Sind Aktien gegen eine Krise gefeit?

!Keineswegs. Auf sie werden in den kommenden Wochen Schwankungen zukommen. Ein überschuldetes Land ist aber nicht gleichzusetzen mit einem Unternehmen. Der Konzern wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber die Unternehmen erholen sich schneller – deshalb ist ein hoher Cash flow derzeit so wichtig. Das macht das Unternehmen unabhängiger von hohen Zinsen, die kommen werden, um die Inflation im Zaun zu behalten. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

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