VW übernimmt Porsche-Sportwagengeschäft

Wolfsburg - Die Hängepartie um die vollständige Übernahme von Porsche durch Volkswagen hat ein Ende. Volkswagen wird das Porsche-Sportwagengeschäft komplett übernehmen.

Vollzug nach monatelanger Blockade: Volkswagen holt das Porsche-Sportwagengeschäft komplett unter sein Dach - und das ohne Steuerlast. Die Wolfsburger zahlen für die noch fehlenden 50,1 Prozent der Porsche AG rund 4,46 Milliarden Euro an die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE). Außerdem übertragen sie parallel eine VW-Stammaktie. Das teilten Europas größter Autobauer und die PSE am Mittwochabend in Pflichtmitteilungen für die Finanzwelt mit.

Die Umsetzung der Transaktion ist für den 1. August dieses Jahres geplant. Die Gremien beider Seiten hätten dem Vorhaben “nach dem Vorliegen aller erforderlichen verbindlichen Auskünfte der Finanzbehörden“ am Mittwoch zugestimmt.

Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS

Porsche 911 Carrera 4 GTS
Vier mal vier für Topmodell: Porsche legt beim 911 Carrera noch zwei Modelle drauf und präsentiert Coupé und Cabriolet des 911 Carrera 4 GTS mit einem 408 PS starken Top-Triebwerk der Carrera GTS-Familie mit dem intelligenten Allradantrieb Porsche Traction Management (PTM). © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Das 911 Carrera 4 GTS Cabriolet: Beide kombinieren das 300 kW / 408 PS starke Top-Triebwerk der Carrera GTS-Familie mit dem intelligenten Allradantrieb Porsche Traction Management (PTM). © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Das Carrera 4 GTS Coupé sprintet in 4,6 Sekunden auf 100 km/h, das Cabriolet in 4,8 Sekunden. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Der Carrera 4 GTS ist serienmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet, auf Wunsch ist das Siebengang-Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) lieferbar. Mit PDK verkürzen sich die Beschleunigungszeiten von 0 auf 100 km/h nochmals um jeweils 0,2 Sekunden. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS
Die neuen Allrad-Elfer sind laut Porsche sogar wirtschaftlicher: Das Coupé verbraucht bei 11 Liter auf 100 km und das Cabriolet 11,2 Liter auf 100 km. © Porsche
Fahrstabilität, Traktion und agiles Handling verspricht der 911 Carrera 4 GTS.
Fahrstabilität, Traktion und agiles Handling verspricht der 911 Carrera 4 GTS. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Der kleine, aber feine Unterschied: Optisch erkennt man das Allradmodell an Reflektorstreifen zwischen den Heckleuchten und an den schwarzen Endrohre der Sportabgasanlage. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Das Cabriolet kostet 122.071 Euro. Beide Modelle sind ab Juli 2011 in Deutschland im Handel erhältlich. © Porsche
Das 911 Carrera 4 GTS Coupé wird in Deutschland inklusive länderspezifischer Ausstattung und 19 Prozent Mehrwertsteuer zum Preis von 111.956 Euro angeboten. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS © Porsche
Das Kraftwerk des 911 Carrera 4 GTS hat seine Wurzeln im 3,8 Liter-Sechszylinder des Carrera S. Durch eine aufwändige Überarbeitung des Ansaugtraktes wuchs die Leistung um 23 PS auf 408 PS bei 7.300/min. © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS © Porsche
Porsche 911 Carrera 4 GTS - 4x4 mit 408 PS © Porsche

Damit machten die beiden seit langem bereits eng verbandelten Partner den Deal öffentlich, über den die Nachrichtenagentur dpa und die “Wirtschaftswoche“ bereits im Vorfeld berichtet hatten. Rein steuerrechtlich handelt es sich nicht um einen Verkauf, sondern um einen internen Umbau. Daher muss auch die eine Aktie fließen.

Etwa zwei der 4,46 Milliarden Euro will die Porsche-Dachgesellschaft nutzen, um ihre Schulden abzutragen. Die PSE hatte vor rund vier Jahren vergeblich versucht, nach der Macht bei den Wolfsburger zu greifen. Am Ende hatte sie 11,4 Milliarden Euro Schulden und VW wurde zur letzten Rettung.

Als erste Nothilfe einigten sich die einstigen Kontrahenten Ende 2009, dass knapp die Hälfte der Porsche AG für damals rund 3,9 Milliarden Euro an die Wolfsburger ging. Der nun übertragene zweite Teil ist teurer, weil zwischenzeitlich der Wert des hochprofitablen Porsche-Sportwagengeschäftes stieg und die Partner mehr Einsparungen umsetzen können als zunächst gedacht.

Nach dem Abbau des Schuldenbergs soll die PSE den überwiegenden Teil der noch verbleibenden Summe für “strategische Beteiligungen“ in der Autowelt benutzen. Den Weg frei gemacht dafür hatte die PSE vor wenigen Tagen bei ihrer Hauptversammlung. Die Schwaben halten nach der gescheiterten Übernahme die hauchdünne Mehrheit an VW. Ihre Mehrheitseigner - die Familie Porsche und Piëch - haben im Hause VW großen Einfluss, Ferdinand Piëch gilt als VW-Machtzentrum.

Porsche 356 der Lüfte

Der erste Prototyp der "Elster" erhebt sich nach dem Zweiten Weltkrieg 1957 mit Porsche-Kraft in die Luft: Der Porsche-Flugmotor-Typ 678. Basis dafür ist der Vierzylinder-Boxermotor des Porsche 356. © Porsche
Die „Elster B“ steht in einem engen historischen Bezug zum Porsche 356: In diesem Flugzeug-Typ wurde in den späten 1950er Jahren der Porsche-Flugmotor-Typ 678 erprobt. © Porsche
Der Porsche 911 GT3 Cup S und Pützer Elster B mit Porsche-Flugzeugmotor. © Auto-Medienportal.Net/Scoutsource Communication
Die „Pützer Elster B“ neben einem Porsche 356 B Coupé. © Porsche
Verschiffung eines Porsche 356 Coupé nach Amerika (1953). © Porsche
Auf der IAA in Frankfurt 1957: Mit dem vom Porsche 356 abgeleiteten, 52 PS-starken Flugmotor Typ 678/3 wurde die „Pützer Elster“ zunächst angetrieben. © Porsche
Das Modell 356 Typ A vor dem Porsche-Werk 2 in Zuffenhausen, 1955. Der Porsche 356 ist ab 12.000 Mark zu haben. © Porsche
Ferry Porsche und sein Sohn Ferdinand Alexander mit einem Typ 356 A in New York (1958). © Porsche
356 Coupé vor einem Wirtshaus in Dinkelsbühl, 1955 © Porsche
Modellauto 356 "Nr. 1", 1948, Maßstab 1:18 © Porsche

Kern des Deals ist, dass VW den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden zweiten Hälfte der Porsche AG als eine - ausdrücklich legale - Umstrukturierung ausweist. Die ist steuerfrei. Das Delikate an der Sache: Normalerweise fließt bei einem Geschäft dieser Art kein Geld. Für gewöhnlich ist es ein Anteilstausch. Für die noch ausstehende Hälfte der Porsche AG hätten also eigentlich VW-Aktien zum Gegenwert fließen sollen. Nun aber wandert eben nur eine Aktie plus die Milliardensumme in den Süden. Diese Gestaltungsmöglichkeit ist das Extrem, aber erlaubt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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