Heiztechnik-Hersteller Viessmann steigert Umsatz in Deutschland, verliert aber weltweit

Krise kühlt das Geschäft ab

Allendorf/Eder. Der Heiztechnik-Hersteller Viessmann konnte im Geschäftsjahr 2009 zwar den Umsatz in Deutschland und Westeuropa steigern, musste aber insgesamt Abstriche machen.

Gegenüber dem Vorjahr fiel der Umsatz um rund 100 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro. „Die von uns prognostizierten Ziele haben wir aber erreicht“, sagte Martin Viessmann, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Fast die Hälfte des Minus resultiert aus Währungsverlusten. Der andere Teil ergibt sich aus Absatzrückgängen in Osteuropa, in der Türkei und Spanien, „wo die Marktentwicklung aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise generell negativ war“, sagte Viessmann.

Für 2010 fällt sein Ausblick verhalten aus: Geplant sei ein Umsatzwachstum von fünf Prozent. Dabei setzt die Gruppe auf neue Produkte wie ein Gas-Wandgerät, das mehr Komfort bieten soll. Viessmann erwartet, dass sich die Märkte bis 2013 seitwärts bewegen.

Umsatzbringer war in Deutschland vor allem die Öl- und Gas-Brennwerttechnik. Sie mache inzwischen zwei Drittel des Marktvolumens aus. Bei Wärmepumpen, Biomassekesseln und thermischen Solaranlagen waren die Rückgänge zum Teil zweistellig.

Marktentwicklung der Heiztechniker

Insgesamt hat der Heizungsmarkt im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 in Deutschland um drei Prozent auf insgesamt 638 000 Wärmeerzeuger zugelegt, stellte der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) fest. Die Unternehmen des Verbandes decken in Deutschland 90 Prozent des Marktes ab, in Europa sind es etwa 60 Prozent. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie weltweit einen Umsatz von 11,6 Milliarden Euro und beschäftigten 60 000 Mitarbeiter. Das Forschungs- und Entwicklungsbudget lag bei 336 Millionen Euro.

Gas- und Öl

Effizienztechniken wie Gas- und Öl-Brennwerttechnik sowie Lüftungsanlagen legten bei den 92 Mitglieds-Unternehmen des Verbandes zu. Brennwerttechnik habe sich inzwischen mit einem Marktanteil von 60 Prozent durchgesetzt, so der BDH.

Erneuerbare Energien

Systeme, die die erneuerbaren Energien wie Sonne, Umweltwärme oder Holz zur Wärmeerzeugung nutzen, zählten zu den Verlierern. Zum Teil lagen ihre Absatzzahlen gegenüber dem Jahr 2008 im zweistelligen Minusbereich – Wärmepumpen lagen bei minus zwölf Prozent, Solarwärmeanlagen bei minus 26 Prozent und Feststoff-Kessel bei minus 25 Prozent. (mwe)

Zum einen lag dies an der Kaufzurückhaltung aufgrund der Finanzkrise, zum anderen an gefallenen Öl- und Gaspreisen. Eine Wärmepumpe sei fast doppelt so teuer wie Brennwerttechnik, die bei 5000 Euro liege. 70 Millionen Euro investiert Auch wenn es eine Absatz-Delle bei Produkten für erneuerbare Energien gegeben habe: „Mittel- und langfristig werden die Energiepreise steigen und den Strukturwandel befördern“, sagte Viessmann.

Deshalb wurde kräftig investiert: Neben einem Distributionszentrum in Allendorf, wo 50 neue Arbeitsplätze entstanden, in den Ausbau des Vertriebs und in ein Röhrenkollektoren-Werk für Solarthermie im chinesischen Dachang bei Peking. 2012 sollen dort eine Million Röhren gefertigt werden.

Viessmann würde damit, nach eigenen Angaben, zum weltweit größten Hersteller von Vakuum-Solarröhren. Insgesamt investierte die Gruppe, die 8900 Menschen beschäftigt, 70 Mio. Euro. In Deutschland diene mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs der Wärmeproduktion und sei für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in diesem Bereich verantwortlich.

„Von den über 17 Mio. Wärmeerzeugern bundesweit entsprechen keine 20 Prozent dem Stand der Technik“, sagte Viessmann. Dieser Sanierungsstau müsse aufgelöst werden. Mikrokraftwerke für Zuhause Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, das seit 2009 einen Teil der neuen Technologien bei Neubauten vorschreibt, greift nur bedingt.

Denn es wird mehr saniert als gebaut. Bei alten Gebäuden fehlten oft Voraussetzungen – wie ein Raum für Pellets. Viessmann setzt dennoch auf die erneuerbaren Technologien. Ende Oktober startete ein Feldtest mit Kellerkraftwerken für Ein- bis Zwei-Familienhäuser, so genannten Mikro-KWK-Systemen. Geplant ist, dass sie 2011 auf den Markt kommen.

Von Martina Wewetzer

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