Umwelthilfe-Chef Resch zu Abgaskontroll-Tricks bei VW: „VW ist kein Einzelfall"

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Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Berlin. Schmu bei Dieselabgas-Messungen - nur ein Einzelfall in den USA, nur Sache von VW und Audi? Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, glaubt das nicht.

Herr Resch, kommt da in Sachen Manipulation von Abgaskontrollen noch mehr? 

Jürgen Resch: VW ist kein Einzelfall. Auch andere Autohersteller wie BMW, Daimler, Opel und Ford setzen nach Einschätzung der DUH insbesondere in Europa ‘Abschalteinrichtungen’ bei der Abgasreinigung ein, um noch mehr Leistung aus den Motoren herauszuholen.

Ist so etwas denn in Deutschland zulässig? 

Resch: Nein, das ist genauso verboten wie in den USA. Wir weisen die Bundesregierung seit Jahren auf offensichtliche Betrügereien hin. Die zuständigen Ministerien verteidigen jedoch die bis zu 25-fache Überschreitung von Abgasgrenzwerten als „leider nicht illegal“ und verweigern Nachprüfungen der Zulassungsbehörde bis heute. Die Nachkontrollen der amerikanischen Umweltbehörde EPA zeigen jetzt, dass es durchaus möglich ist, Umweltgesetze auch bei der Automobilindustrie durchzusetzen.

Sie haben Schützenhilfe aus Brüssel bekommen, oder? 

Resch: Die EU-Kommission hat im Juni ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Sie kritisiert massiv das Eintreten Deutschlands für schmutzige Diesel-Pkw und den Widerstand gegen schnelle Kontrollen der tatsächlichen Dieselabgasemissionen durch die deutsche Bundesregierung.

Zur Person: 

Jürgen Resch (55), geboren im schwäbischen Plochingen, ist seit 1986 Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bekannt wurde er durch seine Einsatz fürs Dosenpfand und Dieselpartikelfilter. Resch hat einige Semester Verwaltungswissenschaften studiert und als Kampagnenleiter beim BUND begonnen.

 

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