Apotheken nehmen Altmedikamente an – doch die Entsorgung ist nun ihre Sache

Apotheken: Ungelöstes Pillenproblem

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Wohin mit Pillen, Tropfen und Salben? Die meisten Apotheken nehmen alte Medikamente an.

Kassel / Göttingen. Sechs bis acht große Plastiksäcke mit Altmedikamenten hat Cornelia Brieden in einem halben Jahr gesammelt. Arzneimittel, die ihre Kunden zurückbringen, weil sie nicht mehr gebraucht werden, oder weil ihre Verfallsdaten abgelaufen sind.

Bis vor einem halben Jahr konnte Brieden, Inhaberin zweier Apotheken in der Stadt und im Kreis Kassel, die 50-Liter-Säcke kostenlos über ein freiwilliges Rücknahmesystem der Branche entsorgen lassen. Doch dieses gibt es nicht mehr, eine Neuregelung ist immer noch nicht in Sicht.

Bis zum Sommer hatte der Kölner Entsorger Vfw Remedica im Auftrag von Pharma-Herstellern Verpackungen und Beipackzettel zurückgenommen und dabei die Altmedikamente eingesammelt. Der Erlös aus der Papierverwertung deckte die Pillenentsorgung. Doch seit einer Novelle der Verpackungsverordnung gehören Arzneimittelverpackungen in den Gelben Sack des Dualen Systems. „Die Quersubventionierung fällt damit weg“, sagt Michael Heising, Geschäftsführer der VfW GmbH. Mit der kostenlosen Rücknahme war es vorbei.

Cornelia Brieden, zugleich Regionalbeauftragte der Landesapothekerkammer in Hessen, hat ihre eigene Lösung gefunden: Sie fährt die Altpillen zur Verbrennung ins Kraftwerk Lossetal. „Die Kunden sollen weiterhin ihre Medikamente in die Apotheke bringen“, rät sie trotzdem.

Auch die 1800 Apotheken in Niedersachsen müssen sich um individuelle Entsorgungswege bemühen. „Das Ziel sollte eine bundesweite Lösung sein“, sagt Anja Hugenberg von der Apothekerkammer Niedersachsen. Bis dahin bleibe den Apothekern nur, sich nach Rücknahmemöglichkeiten vor Ort zu erkundigen.

In Hessen mit seinen 1600 Apotheken strickt man inzwischen an einem Landesmodell. Gespräche mit Entsorgern laufen, bestätigt Kirsten Müller-Kuhl, Pressesprecherin des Hessischen Apothekerverbandes. Doch „das kann nur eine Zwischenlösung sein.“ Der Blick richtet sich dabei auf eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie schreibt Sammelstellen für nicht verwendete oder abgelaufene Medikamente vor. Noch ist sie aber nicht in deutsches Recht umgesetzt.

Vfw Remedica ist neu gestartet. Mit den Apothekenausrüstern Wepa (Hillscheid) und K & M in Essen, die bundesweit 19 000 Apotheken bedienen, bieten die Kölner die Medikamentenabfuhr an. 20 Euro pro Sack soll das kosten. Für eine durchschnittliche Apotheke mache das etwa 200 Euro im Jahr aus, sagt Heising. Von den vormals gut 15 000 Apotheken, die den Vfw-Service nutzten, machen bisher jedoch nur wenige tausend mit. Geld ist damit nicht zu verdienen, Heising spricht von einer „schwarzen Null“. Trotzdem will VfW den Dienst weiter anbieten.

Von Barbara Will

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